Einzelkritik - Top-Mittelfeld und weiter große Abschlussschwäche

Marc André ter Stegen

Deutschland - Peru 2:1

Einzelkritik - Top-Mittelfeld und weiter große Abschlussschwäche

In zwei unterschiedlichen Halbzeiten hat sich besonders das Mittelfeld gute Noten verdient. Frappierend aber die Abschlussschwäche des DFB-Teams.

TOR

Marc-André ter Stegen: Schwach beim 0:1, als er den Ball von Luis Advincula ins kurze Eck ließ. Danach aber sicher und ohne Probleme, parierte gut gegen den Kopfball von Pedro Aquino. In der Schlussphase noch einmal mit einem riskanten Dribbling und folgendem Fehlpass. Konnte nicht überzeugen.

ABWEHR

Matthias Ginter: Spielte deutlich höher als bei der Nullnummer gegen Frankreich, viele Angriffe liefen über seine rechte Seite. Glasklare Kopfballgelegenheit in der 13. Minute, aber wie schon gegen Frankreich fehlte die Präzision. Das 1:1 durch Julian Brandt leitete er mit einem Ballgewinn und dem Pass auf Toni Kroos ein. Insgesamt wieder ein souveräner und grundsolider Auftritt.

Jérôme Boateng: Ordentliches Stellungsspiel, beim Gegentor war er schuldlos. Seine Auswechslung zur Pause war vermutlich abgesprochen, mit seiner Leistung hatte sie nichts zu tun.

Niklas Süle: Seine Grätsche beim 0:1 kam etwas halbherzig und deshalb zu spät. In der 39. Minute wollte er zur 2:1-Führung einköpfen, wurde aber im Strafraum klar umgerissen - der Elfmeterpfiff blieb aus. Auftritt ohne besondere Höhen und Tiefen.

Nico Schulz

Nico Schulz

Nico Schulz: War als DFB-Debütant sofort gut im Spiel, patzte dann aber vor dem 0:1, als sein Hackentrick-Klärungsversuch beim Gegner landete. Ließ sich aber nicht entmutigen, versuchte viel, war nur manchmal etwas zu überhastet und leistete sich dadurch Ballverluste. Schenkte mit seinem Treffer zum 2:1 der deutschen Mannschaft den Sieg und sich einen gelungenen Einstand ins Nationalteam.

MITTELFELD

Joshua Kimmich: Wie schon gegen Frankreich ein guter Abräumer vor der Abwehr, der diesmal aber auch viele gute Ideen im Aufbauspiel umsetzte. Seine Beförderung auf die Sechser-Position war einer der besten Schlüsse, die Joachim Löw aus dem WM-Desaster gezogen hat.

Ilkay Gündogan: Brillantes Zuspiel zur Großchance von Marco Reus in der Anfangsphase. Einfach Pech, dass der peruanische Keeper seinen Schuss in der 38. Minute noch per Fußabwehr klären konnte. Spielte eine sehr gute erste Hälfte, tauchte danach aber komplett ab.

Toni Kroos (l.) im Spiel gegen Peru

Toni Kroos (l.) im Spiel gegen Peru

Toni Kroos: Viel in Bewegung, stoppte diesmal auch mehrere Angriffe der Peruaner durch resolutes Zweikampfverhalten am eigenen Strafraum. Perfekt kam sein Pass in den freien Raum zum 1:1 durch Julian Brandt. In der zweiten Halbzeit schonte sich der Superstar aus Madrid.

ANGRIFF

Julian Brandt

Julian Brandt

Julian Brandt: Hat die "10" von Mesut Özil übernommen - und dem Druck standgehalten. Von Beginn an hatte Brandt auf der Rechtsaußenposition das gegnerische Tor im Visier, kombinierte klasse und besorgte per Lupfer das 1:1. Grandios, wie er beim Konter in der 56. Minute Timo Werner freispielte, der aber vergab. Zeigte deutlich, dass Löw ihm durchaus schon früher und vor allem bei der WM mehr Spielzeit hätte geben müssen.

Marco Reus: Vergab nach zwei Minuten die erste Riesenchance, als er frei vor Keeper Pedro Gallese den Ball nicht richtig traf. Auch bei weiteren Möglichkeiten wirkte der Dortmunder unkonzentriert - seine Auswechslung zur Pause war berechtigt. War dennoch an der Entstehung des 1:1 durch konsequentes Pressing maßgeblich beteiligt.

Timo Werner: Hätte für seinen Pass zur Reus-Großchance in der 20. Minute den Assist verdient gehabt. Werner wechselte oft die Position und scheiterte nach einer guten halben Stunde nur knapp an Keeper Gallese. Unglücklich bei der großen Konterchance, als er - inzwischen in der Mittelstürmerrolle - nach Brandt-Zuspiel über die Latte lupfte. Nach der Einwechslung von Nils Petersen ging er auf die rechte Seite - seine dritte Position an diesem Tag. Glückloser Auftritt des Leipzigers.

EINWECHSELSPIELER

Antonio Rüdiger

Antonio Rüdiger

Antonio Rüdiger (46. für Boateng): Hielt sich im Gegensatz zum Frankreichspiel deutlich zurück in der Spieleröffnung, hatte defensiv nicht viele Situationen zu entschärfen. Spielte in der Schlussphase leichtsinnig vor der eigenen Abwehr, grätschte aber danach bei einem präzisen Zuspiel in der peruanischen Offensive den Ball perfekt weg. Tendenziell ein Unsicherheitsfaktor in der Defensive.

Julian Draxler (46. für Reus): Schwacher Auftritt von Julian Draxler, der bis zu einem gelungenen Doppelpass mit Timo Werner in der 87. MInute nicht zu sehen war.

Nils Petersen (70. für Brandt): Schöner Volleyschuss in der 74. Minute knapp neben das Tor. Bei den vielen deutschen Möglichkeiten im ersten Abschnitt wurde ein Mittelstürmer seines Formats häufig vermisst, in der zweiten Halbzeit litt der Angreifer darunter, dass viel zu wenige Chancen generiert wurden.

Thilo Kehrer: (72. für Matthias Ginter): Zwei schöne Flankenläufe rechts, fast hätte in der 82. Minute Perus Araujo eine der Flanken ins eigene Tor gelenkt.

Thomas Müller (84. für Ilkay Gündogan): Trat nur in der Nachspielzeit einmal in Erscheinung, als er nach einem Doppelpass mit Havertz hängenblieb.

Kai Havertz (88. für Timo Werner): Außer bei einem der wenigen Fouls im Spiel und dem Doppelpass mit Müller hatte Debütant Havertz keine weitere nennenswerte Szene.

jo/horni | Stand: 09.09.2018, 22:59

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