Bilanz des DFB-Teams - mit Flick stimmt es auf dem Platz

Hansi Flick bejubelt das Führungstor gegen Rumänien

Fußball | Nationalmannschaft

Bilanz des DFB-Teams - mit Flick stimmt es auf dem Platz

Von Marcus Bark

Hansi Flick bewahrt seine makellose Bilanz zum Ende eines Länderspieljahres, in dem Joachim Löw ausschied - aus dem Job und früh aus der EM. Auf dem Platz stimmt es wieder, gegen allerdings auch zweit- bis drittklassige Gegner. Abseits des Platzes sorgt Oliver Bierhoff für Kopfschütteln.

Der junge Flitzer entwischte dem Ordner und nahm Marc-André ter Stegen in den Arm. Es war sicher nicht so gemeint, aber der Torwart hätte im Stadion von Jerewan ein bisschen Trost gebrauchen können.

Vier Tore kassierte die deutsche Nationalmannschaft in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft, jedes davon ter Stegen, das letzte beim souveränen, aber glanzlosen 4:1-Sieg in Armenien. Der Abschluss des Länderspieljahres war erwartungsgemäß gelungen.

"Die Mannschaft hat Spaß am Fußball", stellte Bundestrainer Hansi Flick fest, dank der Qualität der Einzelspieler müsse sie sich "vor niemandem verstecken".

Flick schwärmt vom Teamgeist: "Spielen füreinander"

Sportschau 14.11.2021 03:19 Min. Verfügbar bis 14.11.2022 ARD


Niederlage gegen Nordmazedonien und frühes EM-Aus

Das erste Quartal des Jahres 2021 endete noch mit einem 1:2 gegen Nordmazedonien, und es gab tatsächlich besorgte Stimmen, Deutschland könne die Qualifikation für die Weltmeisterschaft verpassen oder müsse zumindest einen Umweg über Playoffs gehen.

Das zweite Quartal hatte dann noch einen Tag übrig, als Deutschland am 29. Juni in London gegen England verlor und nach dem Achtelfinale die Europameisterschaft für beendet erklären musste.

Damit endete dann auch die Zeit des Bundestrainers Joachim Löw, und angesichts von dessen Verabschiedung bei einem Spiel Mitte des vierten Quartals in Wolfsburg gegen Liechtenstein und anderer Umstände ist die Frage, ob das Jahr 2021 nicht besser in 2021 v. F. und 2021 m. F. eingeteilt werden sollte.

Die Sportschau-Expertenrunde über Löw und sein letztes Turnier Sportschau 29.06.2021 03:59 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Vor Flick, so erscheint es im Rückblick, war alles wie Wolfsburg, Liechtenstein und November. Mit Flick scheint nur die Sonne zu scheinen, selbst an tristen Herbsttagen mit Nieselregen.

Das ist ziemlich herabwürdigend Joachim Löw gegenüber und ziemlich belastend Hansi Flick gegenüber. Dem neuen Bundestrainer ist dabei kein Vorwurf zu machen, denn er beugt mit oft belanglosen und relativierenden Aussagen einer überzogenen Erwartungshaltung vor.

Beeindruckender Flick-Start weckt Hoffnungen

Es sind nicht nur einige Experten und einige Medien, die trotz der Faktenlage - Deutschland schied bei der WM 2018 in der Vorrunde und bei der EM v. F. aus - schon wieder einen Titelkandidaten in der Eliteauswahl des Deutschen Fußball-Bundes sehen.

imago images/Uwe Kraft

Christian Günter

Sogar der bodenständige Christian Günter aus dem noch bodenständigeren Standort Freiburg sagte vor der Partie in Armenien, dass die WM in Katar m. F. möglichst gewonnen werden sollte: "Unter Hansi Flick ist sehr viel möglich. Das Ziel muss sein, um Titel zu spielen. Da ist der Hansi der richtige Mann."

Hansi Flick hat mit sieben Siegen in sieben Spielen bei 31:2 Toren eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen, aber wenn es dann mal bei der WM oder schon vorher in der Nations League Niederlagen gegen Frankreich, die Niederlande oder Belgien geben wird, fallen ein 4:0 in Nordmazedonien und ein 9:0 gegen Liechtenstein zu Recht als Argument für den aktuellen Bundestrainer weg.

Alte Baustellen nicht geschlossen

Flick hat die sogenannten Baustellen in der Nationalmannschaft von Löw übernommen, und nur weil er jetzt den Helm auf hat, werden sie nicht geschlossen.

Die Arbeiten m. F. haben solide begonnen. Hansi Flick sucht aus, probiert, bringt der Nationalmannschaft seinen Stil nahe, den viele Spieler - das ist ein großer Vorteil - schon vom FC Bayern kennen.

Als das Jahr 2021 begann, waren die Münchner Spieler höchstwahrscheinlich davon ausgegangen, dass ihr Vereinstrainer auch am Silvestertag noch Flick heißen wird. Dass er den Posten von Löw übernehmen würde, der am 9. März überraschend seine Vertragsauflösung zu Ende August bekannt gab, war noch überraschender.

Hansi Flick (r) und Hasan Salihamidzic

Hansi Flick (r) und Hasan Salihamidzic

Durch ein für den DFB günstiges Spannungsverhältnis bei den Bayern zwischen Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidžić bekam der Verband seinen ehemaligen Assistenztrainer und Sportdirektor zurück.

Kimmich, Bierhoff und die Impfdiskussion

Das ist als Verdienst von Oliver Bierhoff anzusehen. Die Jahresbilanz für den Direktor des DFB poliert das aber nur ein bisschen auf. Im vierten Quartal fehlt nämlich von ihm eine klare Aussage zum bekennenden Impfverweigerer in der Nationalmannschaft, Joshua Kimmich.

Zumindest dessen Argumente, die von der Wissenschaft zerpflückt werden, hätte er ebenso zerpflücken und mit einem Aufruf verbinden sollen, sich impfen zu lassen. Der DFB in Person des für die Nationalmannschaften zuständigen Direktors ist seiner so oft betonten gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht geworden.

Dass Bierhoff die Diskussion um Kimmich in Zusammenhang brachte mit der Erinnerung an Robert Enke, der sich vor zwölf Jahren aufgrund von Depressionen das Leben nahm, war ein weiterer Fehler, die Entschuldigung über die "Bild"-Zeitung an der Sache vorbei.

Hansi Flick sprach sich klar für das Impfen aus, spielte bei der Frage, ob er ungeimpfte Spieler künftig nominieren wolle, auf Zeit. Die Antwort wird spannender sein als die Bekanntgabe des ersten Kaders im Jahr 2022 m. F.

Nominierung nur bei Impfung? Flick denkt drüber nach Sportschau 10.11.2021 00:11 Min. Verfügbar bis 10.11.2022 Das Erste

Stand: 15.11.2021, 09:55

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