Julian Nagelsmann
analyse

Ein Jahr vor der WM DFB-Team fehlen "ein paar Prozent" und ein paar Topspieler

Stand: 08.06.2025 22:10 Uhr

Julian Nagelsmann will Weltmeister werden. Der Bundestrainer gesteht aber nach der zweiten Niederlage beim Final Four der Nations League ein, dass "ein paar Prozent" zur Weltspitze fehlen. Zudem fehlen wohl auch ein paar Topspieler.

Gut elf Monate ist es her, dass Bundestrainer Nagelsmann in Stuttgart sagte, dass er Weltmeister werden wolle. Es war nach dem Aus im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Spanien. Es war aus einer Mischung aus Überzeugung und Trotz heraus.

Am Sonntag (08.06.2025) kehrte Nagelsmann mit der deutschen Nationalmannschaft nach Stuttgart zurück.

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Er verlor das Spiel um den dritten Platz in der Nations League gegen Frankreich mit 0:2. So wurde es der vierte Platz bei dem von ihm als Mini-EM ausgerufenen Turnier, das er unbedingt hatte gewinnen wollen.

Zwei Niederlagen, nur ein Tor, zwei Spiele mit - sehr verknappt betrachtet - je einer schwachen Halbzeit, und das in Heimspielen vor Fans, die das Team des DFB wieder lieb gewonnen haben.

Ein Jahr nach Nagelsmanns Ansage in Stuttgart

Es gibt keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändern sollte bis zum Beginn der Qualifikation zur WM im September. Aber die Frage, ob es nicht doch ein bisschen zu ambitioniert gewesen ist, den Titel als Ziel auszurufen, stellt sich nach dem Ende der Länderspielsaison 2024/25 dann doch.

Im Moment würden "ein paar Prozent" zu den Topnationen fehlen, gestand Nagelsmann in Stuttgart. Das habe er auch der Mannschaft gesagt. Mehr kam dann nicht mehr als Ausblick auf die WM 2026, und das ist wohl so zu deuten, dass der Rückstand in den kommenden zwölf Monaten aufgeholt werden soll .

Spektakulärer Fußball stets ohne deutsche Beteiligung

Fußballfans sind in den vergangenen Wochen mit spektakulär guten Spielen verwöhnt worden. Die beiden Halbfinalduelle in der Champions League zwischen Inter Mailand und dem FC Barcelona gehörten dazu, auch in dem anderen Halbfinale zwischen dem FC Arsenal und Paris Saint-Germain war das Niveau extrem hoch. Die Leistung von PSG im Finale gegen Inter war atemberaubend.

Es war kaum zu erwarten, dass aufgrund der schwierigeren Rahmenbedingungen für Nationalteams - viel weniger Trainingseinheiten und Spiele als in Klubs - in der auch sportlich weiterhin nachrangigeren Nations League ähnlicher Fußball geboten wird. Aber er wurde geboten, und zwar in Stuttgart.

Aber nicht am Sonntagnachmittag, als der Gastgeber beteiligt war, sondern am Donnerstag vorher, als ein zauberhaftes und zauberhaft effizientes Spanien ein zauberhaftes, aber in der Chancenverwertung schludriges Frankreich mit 5:4 bezwang. Ein solches Ergebnis bedingt Schwächen in der Defensive, aber eben auch die Klasse von Einzelspielern und Mannschaften, diese auszunutzen.

Deutschland hatte es am Mittwoch beim 1:2 gegen Portugal nichtmal geschafft, eine nennenswerte Anzahl an Chancen herauszuspielen. Vielmehr bot die Elf von Nagelsmann eine biedere Vorstellung, die schon Zweifel säte.

"Leider gehört es dazu, Chancen zu nutzen"

Gegen Frankreich erspielte sich Deutschland in der ersten sechs Minuten mehr und bessere Chancen als gegen Portugal. "Leider gehört zum Fußball auch dazu, die Chancen zu machen", klagte Nagelsmann in Stuttgart.

Beim Final Four der Nations League fehlten Deutschland einige Spieler, allen voran Jamal Musiala, der zauberhaft Fußball spielen kann und noch jung ist, genau wie Florian Wirtz, der beim Final Four unter seinen Möglichkeiten blieb.

Dieses Duo hätten auch andere Nationen gerne - aber noch zusätzlich. Frankreich hat eine so breite - insgesamt noch relativ junge - Spitze, dass einige Topspieler zwangsläufig in der Startelf fehlen. Spanien hat bereits Nico Williams und das Jahrhunderttalent Lamine Yamal, der schon im Alter von 17 Jahren nicht mehr als Talent bezeichnet werden sollte.

Für Tom Bischof und Nick Woltemade hingegen bietet sich die Bezeichnung an, denn sie müssen auf dem höchsten internationalen Niveau noch beweisen, dass sie Nationalspieler werden können, die eventuell schon beim Turnier im kommenden Sommer in den USA, Kanada und Mexiko helfen können.

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Auch ohne Kroos, Neuer und Co. recht alte Mannschaft

Eine Frischzellenkur wäre durchaus sinnvoll. Denn obwohl Manuel Neuer, Toni Kroos, Ilkay Gündogan und Thomas Müller nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen, wies die Startelf gegen Frankreich ein Durchschnittsalter von 28,6 Jahren auf. Antonio Rüdiger, der in der Innenverteidigung vermisst wurde, wird bei der WM 33 Jahre alt sein.

Einer, der sich bei der bald beginnenden U21-EM in den Blickpunkt spielen könnte, ist Brajan Gruda (Brighton and Hove Albion), vielleicht ist es Paul Nebel (1. FSV Mainz 05), vielleicht Nnamdi Collins von Eintracht Frankfurt.

Nur Gegner aus der Breite in der Qualifikation

Aber dann bliebe immer noch die Aufgabe, diese Spieler in einem Jahr in eine Mannschaft zu integrieren, die vor der lästigen Qualifikation gegen Mannschaften steht, die die Breite des Weltturniers 2026 verkörpern: Luxemburg, Nordirland, Slowakei.

Gegen die Spitze geht es dann erst wieder bei der WM. Schon in der Vorrunde droht ein Topteam, vielleicht sogar Weltmeister Argentinien, unterstützt von Tausenden Fans.

Deutschland hatte unter dem Bundestrainer Nagelsmann fast nur Heimspiele, wenn es hart auf hart ging: gewohnte Umgebung, Zuneigung der Fans, gemäßigtes Klima. Einiges wird, einiges kann anders sein bei dem großen Turnier im Sommer 2026, das Julian Nagelsmann unbedingt gewinnen will. Ihm darf kein Prozentpunkt an einem Top-Top-Top-Trainer fehlen, wenn es gelingen soll.