Löw räumt Fehler ein, Schneider kein Co-Trainer mehr

Pressekonferenz mit Joachim Löw

Zum Neuaufbau der Nationalelf

Löw räumt Fehler ein, Schneider kein Co-Trainer mehr

Von Robin Tillenburg

Bundestrainer Joachim Löw hat bei der lange erwarteten Pressekonferenz zur Aufarbeitung des WM-Ausscheidens in Russland eigene Fehler eingeräumt und eine Anpassung des Spielstils angekündigt. Thomas Schneider ist nicht mehr im Trainerstab.

Es gebe nicht den "einen klaren Grund" für den "absoluten Tiefschlag" hatte Löw zunächst erklärt und eine Zusammenfassung des Analyseprozesses der vergangenen Wochen geliefert. Von Datenanalyse der verschiedenen vergangenen Turniere über Spielergespräche, Gespräche innerhalb der Führungsriege bis hin zur Analyse der "Trends" des Turniers in Russland habe der Bundestrainer mit seinem Stab alle Faktoren auf den Prüfstand gestellt.

"Größte Fehleinschätzung" bezüglich des Spielstils

Erkenntnisse der Trends des Turniers in Russland seien der Fokus auf die Defensive gewesen, der mit einer Verstärkung des Konterspiels einherging, sowie die höhere Wichtigkeit der Standardsituationen. Ballbesitzfußball sei "auf Strecke gesehen" aber weiterhin wichtig, so Löw. In K.o.-Spielen wie bei einem Turnier sei aber eine Anpassung gefragt.

Das nicht zu erkennen und der Glaube daran, mit dem Ballbesitzfußball seiner Mannschaft durch die Vorrunde zu kommen, sei seine "größte Fehleinschätzung" und vielleicht "arrogant" gewesen. Im "K.o.-Spiel" gegen Mexiko habe man sich zu sehr auf das bewährte System verlassen. Man müsse künftig "flexibler, variabler und stabiler" sein.

"Feuer" fehlte diesmal

Neue Schlüsselreize zu setzen und eine neue Begeisterung bei der Mannschaft zu entzünden, sei dem Trainerstab ebenfalls nicht gelungen. "Normalerweise haben meine Spieler Feuer", erklärte der Bundestrainer weiter. Diesmal sei der nötige Enthusiasmus aber nicht da gewesen.

Alles auf den Kopf stellen wolle Löw jedoch dennoch nicht, schließlich habe man ein solides Fundament, auf dem man nun aufbauen und das eigene Spielsystem anpassen müsse. Dem schloss sich auch Manager Oliver Bierhoff an. Die Mannschaft sei zwar enorm viel gelaufen, aber habe unter anderem viel zu langsam gespielt - beides würden die erhobenen Daten klar belegen. Dazu sei die Chancenauswertung ein großes Problem gewesen - 24 Torabschlüsse pro Spiel und die dazugehörige Ausbeute sei so ineffizient "wie noch nie" gewesen.

Thomas Schneider kein Co-Trainer mehr

Joachim Löw und Co-Trainer Thomas Schneider

Joachim Löw und Co-Trainer Thomas Schneider

Anschließend ging der Weltmeistertrainer von 2014 zu Personalentscheidungen über. Neben Miroslav Klose, der den Trainerstab ohnehin in Richtung FC Bayern München verlassen hat, ist auch Thomas Schneider nicht mehr Co-Trainer. Der 45-Jährige wird dagegen ab sofort als Leiter der Scouting-Abteilung eingesetzt.

Löw: Bis heute kein Kontakt zu Özil

Zum "Thema Mesut Özil" wollte Löw dann auch noch etwas sagen. Er sei von Özil nicht persönlich angerufen worden, bevor dieser seinen Rücktritt via Twitter bekannt gegeben habe. Auch "bis heute" habe es keinen Kontakt gegeben, obwohl er mehrfach versucht habe, den Mittelfeldmann vom FC Arsenal zu erreichen.

Das Foto mit dem türkischen Präsident Erdogan und dessen Konsequenzen habe er unterschätzt, das Thema sei nervenaufreibend gewesen, aber keinesfalls ein Alibi für ein schlechteres Abschneiden. "In der Zeit in der ich beim DFB war, gab es niemals auch nur ein Anzeichen für eine rassistische Äußerung meiner Mannschaft", schloss der Bundestrainer schließlich dieses Thema ab. Bierhoff nannte die neun Jahre mit Özil "wunderbar" und lobte dessen fußballerische Qualitäten. "Eins ist klar, ein Nationalspieler kann keine Zielscheibe für rassistische Beleidigungen sein", ergänzte Bierhoff, wies den Rassismus-Vorwurf an Mannschaft und Verband aber klar von sich.

Bierhoff: Werte wieder in den Vordergrund stellen, Personalstab verkleinern

Bierhoff wolle bezüglich des Zusammenheitsgefühls und der "Werte für die wir stehen" wieder "eine klare Richtung vorgeben". Man habe diese Werte wie Respekt und Professionalität über die Jahre als Team gelebt, möglicherweise in der jüngsten Vergangenheit die Besinnung auf diese Werte aber etwas schleifen lassen. Man wolle zudem den "Kreis um die Mannschaft" bewusst wieder etwas kleiner halten und dementsprechend den Trainer- und Betreuerstab personell verkleinern, so Bierhoff.

Berichte um die "fehlende Fannähe" habe Bierhoff persönlich besonders getroffen. Irgendwie sei man trotz aller Maßnahme "den Bedürfnissen der Fans nicht näher gekommen". Man nehme dieses Gefühl, das offenbar da sei, durchaus ernst und plane weitere Maßnahmen zur Verbesserung dieses Aspekts.

rt | Stand: 29.08.2018, 14:03

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