DFB-Präsident wollte offenbar früheren Rückzug von Löw

Fritz Keller (l.), Joachim Löw

Keller im Machtkampf auf verlorenem Posten?

DFB-Präsident wollte offenbar früheren Rückzug von Löw

Von Marcus Bark

DFB-Präsident Fritz Keller soll Joachim Löw um ein vorzeitiges Vertragsende nach der EM 2021 gebeten haben. Dieser habe verärgert abgelehnt. Sollten entsprechende Berichte stimmen, wäre der Präsident der große Verlierer in einem Machtkampf.

Es wurden viele Zahlen vorgelesen und erläutert, sogar der mögliche Effekt des Amateurfußballs auf die Senkung der Kriminalitätsrate ist beziffert worden. Angeblich spart die öffentliche Hand so 33,85 Millionen Euro.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) lobte am Mittwoch (02.12.2020) während einer digitalen Medienkonferenz die Millionen Menschen, die ehrenamtlich im Fußball tätig sind und zweifelsfrei wichtige soziale Arbeit leisten.

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Dass die sogenannte Basis immer kritischer auf den DFB und auch dessen Aushängeschild, die Nationalmannschaft, blickt, wurde ausgeblendet.

Keine Fragen zu brisantem Bericht erlaubt

Gleich zu Beginn der Medienkonferenz stellte die neue Kommunikationschefin klar, dass keine Frage zu anderen Themenfeldern beantwortet werde. So wurde auch die an Präsident Keller von der Sportschau eingereichte Frage, welche Auswirkungen auf den Amateurfußball und das Ehrenamt er aufgrund der zunehmend kritischeren Haltung der Basis sehe, gar nicht erst gestellt.

Dabei hätte es an diesem Tag eine weitaus unangenehmere Frage an Fritz Keller gegeben. Die nämlich, ob ein Bericht der "Bild-Zeitung" zutreffend ist, nach dem er Joachim Löw dreimal gebeten haben soll, den bis 2022 gültigen Vertrag schon nach der Europameisterschaft 2021 aufzulösen.

Löw soll nach Informationen der "Bild" "pikiert" reagiert und in "sehr dominantem und selbstsicherem Ton sein Unverständnis" darüber geäußert haben, dass er "jetzt infrage" gestellt werde.

Am Montag (30.11.2020) hatte der DFB nach einem Gipfeltreffen, an dem Keller und auch Löw teilnahmen, mitgeteilt, dass der Bundestrainer das Vertrauen der gesamten Führungsebene des Verbandes habe. Im Wortlaut hieß es: "Das DFB-Präsidium hat (...) einvernehmlich festgehalten, den (...) Weg der Erneuerung der Nationalmannschaft mit Bundestrainer Joachim Löw uneingeschränkt fortzusetzen."

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Sollte der Präsident gewollt haben, nur ein gutes Jahr vor dem nächsten großen Turnier, der WM 2022 in Katar, den Trainer zu wechseln, kann von "einvernehmlich" keine Rede sein.

Besonders brisant für Keller ist  folgender Satz der "Bild-Zeitung": "Am Ende stand Keller mit seinem 2021-Vorschlag alleine da."

Dass im Verband ein Machtkampf zwischen Keller und dem Generalsekretär Friedrich Curtius tobt, hatte der DFB recht offen in einer anderen Mitteilung zugegegeben. Sollte der Präsident in einer solch wichtigen Personalfrage wie der des Bundestrainers nun allein gelassen und damit bloßgestellt worden sein, ist es fraglich, ob er das Ende seiner Amtszeit erreicht.

Die Medienkonferenz am Mittwoch beendete Keller so: "Falls wir uns nicht mehr sehen: Frohe Weihnachten!"

Stand: 02.12.2020, 13:51

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