"Spiegel" - Teure Lustreisen gefährden Gemeinnützigkeit des DFB

Reisen zu Welt- und Europameisterschaften

"Spiegel" - Teure Lustreisen gefährden Gemeinnützigkeit des DFB

Mit der Finanzierung von Fernreisen seiner Funktionäre und Zuschüssen zu privaten Partys soll der Deutsche Fußball-Bund über Jahre hinweg seine Gemeinnützigkeit gefährdet haben - obwohl es Warnungen gab.

Dies gehe aus einem Dokument des früheren DFB-Finanzdirektors Ulrich Bergmoser hervor, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag (08.02.2019).

"Erhebliche Gefährdung" ignoriert

Demnach habe der Verband 2014 für eine Präsidiumsitzung, die während der WM in Brasilien stattfand, 370.848 Euro ausgegeben, obwohl DFB-Steuerberater Hanno Schmitz-Hüser schon 2008 vor einer "erheblichen Gefährdung der Gemeinnützigkeit des DFB" durch Funktionärs-Reisen gewarnt hatte.

Der Verband erklärte dagegen, dass "die internationale Vertretung, die Organisation eines inhaltlichen Austauschs mit Vertretern anderer internationaler Fußballverbände und das intensive soziale und gesellschaftspolitische Engagement" zu den satzungsgemäßen Aufgaben des Präsidiums gehören würden.

Auch bei der WM 2018 in Russland hatte sich die DFB-Führung für vier Tage vor Ort getroffen und dabei "ein eng getaktetes Programm mit Sitzungen, Besuchen bei Kooperationspartnern und einen Empfang an der Deutschen Botschaft absolviert". Zuvor hatte sich der Verband nach eigenen Angaben durch eine Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin "die steuerliche und vereinsrechtliche Unbedenklichkeit" bestätigen lassen, teilte der DFB mit.

Runde Geburtstage = üppige Zuschüsse vom Verband

Finanzdirektor Bergmoser monierte zudem finanzielle Beihilfen des Verbandes zu Privatfeiern. Einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO zufolge, sponserte der DFB im Jahr 2015 den 90. Geburtstag seines Ehrenpräsidenten Egidius Braun mit 20.000 Euro. Zwei Jahre zuvor beteiligte er sich mit 13.000 Euro an einer Feier des Westdeutschen Fußballverbandes zum 70. Geburtstag dessen Präsidenten Hermann Korfmacher.

Die Wirtschaftsprüfer hätten dem Verband daher Anfang 2018 geraten, kein Geld mehr für Privatfeiern auszugeben, weil dies die Gemeinnützigkeit kosten könne. Der DFB dementierte diese Zahlen nicht, betonte aber, dass niemals Geld an Privatpersonen geflossen sei. Es handele sich vielmehr um Zuschüsse für offizielle Empfänge.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 8.2., ab 22.50 Uhr

Stand: 08.02.2019, 17:43

Darstellung: