Bundestrainer Hansi Flick

Fußball | Nationalmannschaft DFB-Team gegen Israel - wieder kein Gradmesser, aber Fingerzeige

Stand: 27.03.2022 11:16 Uhr

Wieder gewonnen. Bundestrainer Hansi Flick feiert mit der deutschen Nationalmannschaft den achten Sieg im achten Spiel. Doch auch Gegner Israel war angesichts der anstehenden WM kein Gradmesser. Ein paar Fingerzeige hatte die Testpartie in Sinsheim dennoch zu bieten - und jetzt wartet mit der Niederlande die erste echte Herausforderung.

Als sich Kai Havertz und seine Kollegen in den Teambussen gegen Mitternacht auf den Rückweg nach Frankfurt machten, kreischten die jungen Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft begeistert vor der Arena in Sinsheim.

Deutlich kontrollierter hatte Bundestrainer Hansi Flick zuvor das 2:0 gegen Israel zum Start ins WM-Jahr zur Kenntnis genommen.

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Flick: "Im Großen und Ganzen zufrieden"

"Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Die Freude wäre etwas getrübt gewesen, wenn wir zum Schluss beim Elfmeter noch ein Gegentor bekommen. Es hat gezeigt, dass man immer 90 Minuten hochkonzentriert agieren muss", sagte Flick am späten Samstagabend. Der 57-Jährige weiß genau: Für die großen WM-Ziele - nichts weniger als den Titelgewinn strebt das DFB-Team an - reicht so eine Leistung nicht.

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Niederlande erstes Schwergewicht in Flicks Amtszeit

Die Niederlande kommen ihm als nächster Kontrahent und erstes echtes Fußball-Schwergewicht in seiner noch kurzen Amtszeit beim nächsten Katar-Test am Dienstag (20.45 Uhr live im Ersten und im Stream bei sportschau.de) nun gerade recht. Auch wenn er sich noch in Sinsheim nicht groß über "Oranje" und das Duell mit seinem Trainer-Vorbild Louis van Gaal in Amsterdam äußern wollte: "Wir tun gut daran, dieses Spiel nochmal auf uns wirken zu lassen. Danach werden wir versuchen, die Mannschaft so aufzustellen, dass sie ein gutes, erfolgreiches Spiel machen kann."

Flick will am Sonntag im DFB-Teamhotel in Gravenbruch noch die Israel-Erkenntnisse sortieren. Davon gab es einige. Die wichtigste: Die DFB-Elf braucht dringend echte Gradmesser, um sich die erhoffte Titelreife anzueignen. Nach der Niederlande folgen im Juni neben Ungarn in Italien und England entsprechende Kontrahenten in der Nations League.

Klar ist auch, dass gegen Israel fehlende oder geschonte Fixgrößen wie Manuel Neuer, Antonio Rüdiger, Joshua Kimmich oder Serge Gnabry mit Blickrichtung WM unverzichtbar sind.

Zu lässige Chancenverwertung

Das gilt auch für Kai Havertz, nicht nur wegen seines Kopfballtreffers. Obwohl die zu lässige Chancenverwertung - auch von Havertz - Flick generell nicht gefiel. "Leider haben wir manche Torchance nicht konsequent ausgenutzt. Die müssen wir gegen Gegner, die ein anderes Kaliber sind, ausnutzen", forderte der DFB-Chefcoach.

Timo Werner braucht den DFB-Orbit dringend, um die miesen Zeiten bei Chelsea abzustreifen. "Wir sind dazu da, dass wir ihm die Spielzeit geben. Man merkt, dass er vom Rhythmus nicht so ganz im Spiel war", sagte Flick über seinen zweiten Torschützen, der mit nun sechs Toren immerhin der Top-Scorer seiner Amtszeit bleibt. "Bei Chelsea läuft's nicht so, wie ich mir das vorstelle. Umso schöner ist es, dass ich hier das Vertrauen habe. Vielleicht passt das Spiel hier mehr zu mir, ich fühle mich sehr wohl hier", konstatierte Werner.

Draxler denkt über Vereinswechsel nach

Und Julian Draxler? Der Stürmer von Paris St. Germain wurde von Flick erstmals berufen. Er agierte bisweilen zu verspielt, verschleppte eher. So kommt er an den Flügelflitzern Leroy Sané und Gnabry nicht vorbei. Auch deshalb denkt Draxler offensichtlich an einen Vereinswechsel, um seine kleine WM-Chance zu nutzen. "Ich muss mehr Spiele haben, auch Richtung WM. Im Sommer wird man sehen, was passiert, aber ich brauche den Rhythmus", sagte der Weltmeister von 2014. Bei PSG kommt Draxler über die Rolle als Edelreservist nicht hinaus. Und die von Flick ausgesendeten Signale scheinen deutlich. Draxler berichtete, dass der Bundestrainer vor der versammelten Nationalmannschaft "sehr eindeutig" darauf hingewiesen habe, "dass er fitte Spieler braucht" und solche, die im Klub spielen. Draxler jedenfalls gab sich "überzeugt, dass ich die Qualität habe, der Mannschaft zu helfen".

Schlotterbecks Schusseligkeit - "Gute Lehre"

Dann war da noch die Causa Nico Schlotterbeck als Paradebeispiel des großen personellen Test-Events. Der Freiburger Innenverteidiger überzeugte bei seinem Debüt, spielte gute vertikale Pässe und verdarb sich durch sein schusseliges Elfmeterfoul in der Nachspielzeit eine Bewertung mit Prädikat und Sternchen. Kevin Trapp verhinderte mit seiner Strafstoßparade einen Stimmungsdämpfer. Doch Flick machte im ZDF klar: "Die letzte Aktion ist hoffentlich für ihn eine gute Lehre." Denn: "Bei einer Weltmeisterschaft kann so ein Ding in der 90. Minute tödlich sein."

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Anne van Eickels, Sportschau, 27.03.2022 10:18 Uhr

Am Dienstag in Amsterdam dürfte sich dann klarer zeigen, welche Lehren die DFB-Elf unter Flick bislang gezogen hat, und wie es wirklich steht um die Weiterentwicklung der deutschen Nationalmannschaft.