Nationalelf - Was gegen "Oranje" besser werden muss

Toni Kroos in der Nations League im Duell mit dem Niederländer Frenkie de Jong

EM-Qualifikation

Nationalelf - Was gegen "Oranje" besser werden muss

Von Frank van der Velden

Die neuformierte deutsche Nationalmannschaft hat beim 1:1 gegen Serbien Schwächen offenbart. So richtig rund lief es noch nicht - was zum Start der EM-Qualifikation in den Niederlanden besser werden muss.

Konsequenz in der Abwehr

Dass in der Defensive nicht alles funktionieren konnte, war schon vorher klar. Die deutsche Viererkette mit Lukas Klostermann, Marcel Halstenberg, Niklas Süle und Jonathan Tah hatte so schließlich noch nie zusammengespielt. Doch vor allem die Innenverteidigung mit Süle und Tah offenbarte bei einigen gefährlichen Angriffen der Serben erhebliche Defizite.

Da fehlte es nicht nur an der Abstimmung, sondern auch am Zweikampfverhalten. Die Serben bestraften das schon nach zwölf Minuten, weitere gute Möglichkeiten ließen sie liegen. Beim Gastspiel in den Niederlanden am Sonntag (24.03.2019) wird sich die Abwehr deutlich steigern müssen. "Konsequenz ist ein Thema", sagte Bundestrainer Joachim Löw: "Konsequentes Agieren im Verteidigen vor dem Tor, zum Beispiel bei der Standardsituation vor dem Tor."

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Mehr Ideen und mehr Tempo

Wunderdinge gab es auch im Spiel nach vorne nicht, oftmals fehlte es an Ideen und am Tempo. So wussten die Deutschen mit dem hohen Ballbesitz-Anteil teilweise nicht viel anzufangen. Über weite Strecken lahmte das deutsche Angriffsspiel, es fehlten das Überraschungsmoment und oftmals auch der Zugriff im Mittelfeld. "Es war schade, dass wir so früh in Rückstand geraten sind", erklärte Löw: "Danach haben die Automatismen nicht so gut funktioniert."

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Chancen besser nutzen

Wenn es mal schnell nach vorne ging, ließen die deutschen Stürmer beste Chancen schon fast fahrlässig liegen. So scheiterte Timo Werner gleich zweimal freistehend vor dem Tor. Auch Marco Reus, Leroy Sané und Ilkay Gündogan machten es später nicht besser.

"Es war zu wenig, wenn man sieht, wie viele Torchancen wir hatten. Da muss man mehr draus machen", sagte Leon Goretzka, der dann am Ende doch noch den Ausgleich besorgte. "Es fehlte die Konsequenz im Torabschluss", sagte Löw.

Andere Körpersprache zeigen

Nach dem frühen Gegentor und den ersten vergebenen Chancen machte sich Unsicherheit breit im deutschen Spiel. "Wir haben gut angefangen, sehr couragiert. Dann kommt dieses dumme Tor. Danach musste die junge Mannschaft erst einmal zu sich finden, und es wurde etwas zäh", sagte der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Es fehlte ein Anführer auf dem Platz, einer der die Ärmel aufkrempelt. Dienstältester Spieler mit 30 Partien war Gündogan. Von einer breiten Brust war in vielen Phasen nichts zu sehen. "Wir müssen eine andere Körpersprache auf dem Platz darlegen", sagte Reus. Klar ist, dass in den Niederlanden vor allem auch Selbstbewusstsein und Aggressivität gefragt sind. Bundestrainer Löw sah es nicht ganz so schlimm. "Die Mentalität der Mannschaft, die so noch nicht zusammengespielt hat, war sehr gut. Das war ein deutliches Signal", sagte er, meinte damit aber vor allem die zweite Halbzeit.

Neues Personal

Da sich die Schwächen nicht in wenigen Tagen abstellen lassen, ist neues Personal gefragt. Löw hat schon angedeutet, in Amsterdam Toni Kroos und Marco Reus von Beginn an zu bringen.

Auch Goretzka und Antonio Rüdiger in der Startelf wären denkbar, genau wie Thilo Kehrer und Nico Schulz auf den Außenpositionen. Ob der zuletzt grippekranke Serge Gnabry fit wird, ist noch unklar. "Ich denke schon, Toni Kroos auf jeden Fall. Wir müssen sehen, wie es mit Serge Gnabry aussieht, der krank war. Er hat große Klasse, Tempo, Zug zum Tor. Marco Reus auf jeden Fall", sagte Löw zu seinen Personalplanungen gegen "Oranje".

Der Test gegen Serbien hat jedenfalls gezeigt, dass es ohne erfahrene Spieler nicht funktioniert. Bei Anpfiff hatten die Feldspieler ein Durchschnittsalter von 23,4 Jahren. Erst nach den Einwechslungen von Reus und Goretzka wurde das deutsche Spiel strukturierter und zwingender.

Mehr Unterstützung

Dass Löw einen Umbruch mit vielen jungen Spielern eingeleitet hat, hatte sich offensichtlich nicht bis ins niedersächsische Wolfsburg herumgesprochen. Die Pfiffe zur Halbzeit waren nicht zu verstehen. Auch die Spieler waren überrascht.

"Ich verstehe, dass die Leute langsam ungeduldig werden und Siege sehen wollen", sagte Joshua Kimmich: "Aber es ist ein Umbruch. Das eine oder andere Spiel kann man uns noch geben." Vor allem für die jungen Spieler sind Pfiffe in der jetzigen Situation kontraproduktiv. Gündogan brachte es auf den Punkt: "Es hilft einem am Ende nicht."

Stand: 21.03.2019, 10:05

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