Starkes Debüt und unterschiedliche Halbzeiten - die Einzelkritik

Lukas Klostermann (r.) wirft sich in einen Schuss von Luka Jovic

Deutschland - Serbien 1:1

Starkes Debüt und unterschiedliche Halbzeiten - die Einzelkritik

Beim Unentschieden im Testspiel gegen Serbien zeigten die meisten deutschen Spieler erst im zweiten Durchgang ihr ganzes Können. Ein Debütant überzeugte aber durchweg.

TOR

Manuel Neuer (bis 46. Minute): Beim Gegentor konnte Neuer nichts machen. Eine echte Parade konnte der Kapitän nicht zeigen, fing nur ein paar Flanken ab. Undankbare 45 Minuten für ihn.

ABWEHR

Lukas Klostermann (bis 89. Minute): Der Debütant hatte beim 0:1 Pech, als Uros Spajic am kurzen Pfosten nach einer Ecke die Kugel mit dem Rücken verlängern konnte, ein Fehler war es aber nicht. Nach vorne beteiligte er sich mutig und konstruktiv. Klostermann gehörte im ersten Durchgang zu den auffälligsten Spielern nach vorn. Zudem rettete der Leipziger mit seiner Schnelligkeit mehrmals hervorragend bei Kontern der Serben. Bitter: Er verletzte sich kurz vor Spielende bei einer Rettungsaktion. Insgesamt ist er trotzdem einer der Gewinner dieser Partie.

Niklas Süle: Joachim Löw hat Süle zum neuen Abwehrchef ernannt. Der 23-Jährige dirigierte durchaus ab und an und führte gewohnt robuste und clevere Zweikämpfe. Bei einem Konter wurde er in der ersten Halbzeit allerdings ein bisschen zu leicht überlaufen und man merkte insgesamt trotz seiner Qualitäten: In die ihm zugedachte Rolle als Anführer muss er noch hineinwachsen.

Jonathan Tah: Der Leverkusener wollte sich um den Platz in der neu zu bildenden Innenverteidigung neben dem gesetzten Süle bewerben - das gelang nur bedingt. Ein paar riskante und unsaubere Pässe leistete er sich zu Anfang und verlor ab und an auch mal kurz die Orientierung. Eine dieser Szenen hätte kurz vor der Pause beinahe das 0:2 bedeutet.

Marcel Halstenberg: Nach einem soliden und unauffälligen Start wurde der Linksverteidiger genau wie viele seiner Kollegen immer besser und traute sich auch mal vorne etwas zu. Kann eine echte Alternative sein.

MITTELFELD

Ilkay Gündogan: Gegen den Ball war der Mann von Manchester City durchaus präsent und "saugte" gegnerische Pässe immer wieder an. Er konnte aber in der ersten Hälfte keine seiner gefürchteten Tempowechsel anbringen. In die zweite Halbzeit startete er nach Neuers Auswechslung als Kapitän und spielte nun auch offensiv eine richtig gute Rolle. An der Entstehung des Ausgleichstores war er entscheidend beteiligt und hätte selbst auch einen Treffer erzielen können. An ihm konnte man die zwei unterschiedlichen Halbzeiten exemplarisch aufhängen.

Joshua Kimmich: Auch Kimmich konnte die Entstehung des 0:1 am kurzen Pfosten nicht verhindern. Seine Defensivaufgaben im Mittelfeld löste er gewohnt routiniert, im Angriffsspiel war er selten auffällig, das war aber auch diesmal weniger seine Aufgabe.

Kai Havertz (bis 46. Minute): Nur selten konnte sich der Youngster im offensiven Mittelfeld wirklich mal konstruktiv am Angriffsspiel beteiligen. Ein paar gute Ideen hatte er aber - aus einer davon entstand immerhin die erste Großchance der Deutschen. Havertz deutete sein Potenzial an, hatte aber wie seine Kollegen gegen die tief stehenden und disziplinierten Serben seine Probleme, sich zu entfalten.

ANGRIFF

Julian Brandt (bis 55. Minute): Wenn Brandt auf der rechten Seite auftauchte, hatte er immer mal die ein oder andere Aktion. Mehr aber auch nicht. Kein gutes Länderspiel - Brandt kann deutlich mehr.

Timo Werner: Der Leipziger vergab die beiden großen Chancen für die deutsche Mannschaft der ersten Halbzeit (22. Minute, 37.) und machte dabei keine glückliche Figur. Er bot sich zwar immer wieder an und rieb sich auf, hatte gegen den körperlich starken Nikola Milenkovic aber Mühe, sich durchzusetzen. "Stets bemüht" trifft es an diesem Tag.

Timo Werner (r.) beim Torschuss

Leroy Sané (bis 95. Minute): Eine knappe halbe Stunde war der so talentierte Angreifer gar nicht zu sehen. Als er dann nicht mehr nur auf der linken Seite klebte, wurde er viel auffälliger und war derjenige, der in Eins-Gegen-Eins-Situationen für die meiste Gefahr sorgte. Mit seiner Schnelligkeit und seinem Zug zum Tor erarbeitete er sich und den Kollegen Chance um Chance, seine beiden Abschlüsse aus ganz kurzer Distanz waren aber ausbaufähig. Beim brutalen Foul von Milan Pavkov kurz vor Schluss blieb allen deutschen Fans kurz die Luft weg, doch Sané gab nach der Partie Entwarnung. Zum Glück, nach dieser engagierten Vorstellung.

EINWECHSELSPIELER

Marco Reus (ab 46. Minute): Der zunächst geschonte Reus kam für Havertz ins Spiel. Seine Mitspieler suchten ihn sofort in nahezu jeder Aktion. Nach einer knappen Stunde hätte er nach einem tollen Dribbling für den Ausgleich sorgen können - oder sogar müssen. Als die Deutschen in dieser Phase Torgelegenheiten im Minutentakt produzierten, war der Dortmunder eigentlich immer ein entscheidender Mann. Den Ausgleich bereitete er klug vor.

Marc-André ter Stegen (ab 46. Minute): Schwieriges Spiel für den Keeper vom FC Barcelona. Er wurde nur einmal von einer tückischen Flanke geprüft und musste da extrem schnell reagieren. Das tat er.

Leon Goretzka (ab 55. Minute): Auch seine Einwechslung brachte Schwung. Dass er für den "Brustlöser" sorgte, als er bei seinem Tor zum 1:1 hervorragend die Übersicht behielt, hatte er sich zuvor erarbeitet.

Thilo Kehrer (ab 89. Minute): Kam für den verletzten Klostermann. Hatte keine echte Aktion mehr.

Nico Schulz (ab 95. Minute): Kam quasi mit dem Abpfiff.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 20.03.19, 22.50 Uhr

rt | Stand: 20.03.2019, 22:46

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