Deutschlands Neustart gelingt nur bedingt

Kylian Mbappe und Joshua Kimmich

Deutschland - Frankreich 0:0

Deutschlands Neustart gelingt nur bedingt

Von Christian Hornung

Die deutsche Nationalmannschaft hat bei ihrem Neustart nach dem WM-Desaster großes Engagement gezeigt. Der Nations-League-Auftakt gegen Frankreich war aber erst in der Schlussphase so richtig mitreißend.

Das 0:0 gegen den Weltmeister bot insgesamt einige Ansätze, die Hoffnung machen. Vor allem die beim peinlichen Vorrunden-Aus in Russland so arg vermisste Leidenschaft war bei der Partie in München jederzeit erkennbar. Schwach war aber lange Zeit das Spiel nach vorn - erst die letzten 20 Minuten versöhnte viele Zuschauer.

"Defensive stand im Vordergrund"

Bundestrainer Joachim Löw wirkte nach der Partie erleichtert und sagte im ZDF: "Das Spiel stand ja unter besonderen Vorzeichen - die Art und Weise unseres Auftretens war wichtig. Und da haben wir die richtige Reaktion gezeigt. Wir haben die große Stärke der Franzosen, ihr Konterspiel, sehr gut unterbunden, die defensive Stabilität stand im Vordergrund. Die Mannschaft hat richtig gefightet, alle sind an ihre Grenzen gegangen - von daher war es zufriedenstellend."

Sein französischer Kollege Didier Deschamps gab zu: "Am Ende haben die Deutschen schon sehr viel Druck gemacht, da fehlte uns etwas die Energie. Insgesamt gab es viele Phasen, in denen das Spiel sowohl auf unsere als auch auf die Seite des Gegners hätte kippen können."

"In uns steckt Herz"

Toni Kroos analysierte nach dem Schlusspfiff die Partie so: "Wir haben ganz gut umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben: kompakt zu stehen. Wir haben das Spiel kontrolliert, ohne viel zuzulassen. Ärgerlich war nur, dass wir am Ende unsere eigenen Chancen nicht genutzt haben. Es war ein erster Schritt, aber als Mannschaft haben wir gut gearbeitet."

Thomas Müller sah es genauso: "Wir wollten den Leuten unbedingt zeigen, dass Herz in uns steckt - das haben wir auch durch viel Laufarbeit getan. Es war nicht das technisch perfekte Spiel von uns, aber mit etwas mehr Glück hätten wir es gewinnen können."

Revolution blieb erwartungsgemäß aus

Mit großer Spannung war die Aufstellung erwartet worden, mit der Bundestrainer Joachim Löw auch seinen ganz persönlichen Neustart einleiten wollte. Aber wie kaum anders zu erwarten, blieb die große Revolution aus.

Löw hielt an der Viererkette fest und stellte mit Matthias Ginter und Antonio Rüdiger zwei gelernte Innenverteidiger auf die Außenbahnen - das gab es auch bei der WM 2014 schon, damals mit Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi.

Kimmich im Mittelfeld - diesmal mit Erlaubnis

Neu allerdings: Joshua Kimmich wurde durch die Hereinnahme von Ginter für das Mittelfeld frei. Also genau für die Rolle, die der Bayern-Jungstar bereits in Russland eigenmächtig übernommen und damit die rechte Abwehrseite immer wieder komplett entblößt hatte.

Vor Kimmich spielten Toni Kroos und Leon Goretzka auf den beiden Achterpositionen, noch weiter vorne war Marco Reus meist die zentrale Spitze, Timo Werner über links und Thomas Müller über rechts besetzten die Flügel. Die neue Nummer 10 im DFB-Team, Julian Brandt, musste sich also beim Neustart wie schon in allen drei Gruppenspielen in Russland mit der Jokerrolle zufrieden geben. Auch der für die WM ausgebootete Leroy Sané war nur Ersatz.

Viel Ballbesitz, wenig Torgefahr

Doch die elf Spieler, die auf dem Platz standen, waren sichtlich um Wiedergutmachung bemüht. Das DFB-Team drängte den Weltmeister weit zurück, hatte mehr Ballbesitz, war viel in Bewegung - lange Zeit aber ohne Torgefahr auszustrahlen. Ein Flachschuss von Timo Werner aus halblinker Position in der 18. Minute war der einzige Ansatz einer Chance, Frankreichs Torwart-Debütant Alphonse Areola hielt den Ball aber mühelos.

Sein Gegenüber Manuel Neuer war im ersten Durchgang ähnlich unterbeschäftigt, erst in der 36. Minute konnte er sich nach einem Kopfball von Olivier Giroud ins rechte Eck mal auszeichnen. Kylian Mbappé überraschte vor allem Jérôme Boateng mehrmals mit Tempodribblings und Hackentricks - aber auch der Superstar von Paris St. Germain kam dank der konzentrierten Abwehrarbeit vor allem vom zuletzt so gescholtenen Mats Hummels kaum einmal gefährlich zum Abschluss.

Areola pariert gegen Reus

Reus hatte in der zentralen Spitze, die er zuletzt auch in Dortmund spielte, nur sehr wenig Bindung zu den Kollegen. Erst 20 Minuten vor Schluss zeigte er aus der Distanz mal seine Abschlussqualität - doch Areola fischte den Ball noch raus.

Danach ging nach vorne aber endlich die Post ab. Der mit Abstand beste Deutsche, Abwehrchef Hummels, hätte nach einem von ihm selbst eingeleiteten Konter beinahe die Führung erzielt (72.). Auch Thomas Müller mit einem Schlenzer (74.) und Ginter per Kopf (75.) scheiterten am überragenden Keeper der Franzosen. Gut möglich, dass Löw nun am Sonntag (09.09.18/Live-Ticker bei sportschau.de) gegen Peru mehr von seinen Erkenntnissen aus der WM-Blamage zeigen wird. Nötig wäre es.

Statistik

Fußball · Nations League A · 1. Spieltag 2018/2019

Donnerstag, 06.09.2018 | 20.45 Uhr

Flagge Deutschland

Deutschland

Neuer – Ginter, Boateng, Hummels, Rüdiger – Kimmich – Müller, Goretzka (66. Gündogan), Kroos, Werner – Reus (83. L. Sané)

0
Flagge Frankreich

Frankreich

Areola – Pavard, Varane, Umtiti, Lucas Hernández – Pogba, Kanté – Mbappe, Griezmann (80. Fekir), Matuidi (86. Tolisso) – Giroud (66. O. Dembélé)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Strafen:

  • gelbe Karte Rüdiger (1 )

Zuschauer:

  • 67.485

Schiedsrichter:

  • Daniele Orsato (Italien)

Stand der Statistik: Donnerstag, 06.09.2018, 22:42 Uhr

Stand: 06.09.2018, 23:06

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