Führung verschenkt - Deutschland geht die Puste aus

Die DFB-Elf nach dem Spiel gegen Argentinien

Deutschland - Argentinien 2:2

Führung verschenkt - Deutschland geht die Puste aus

Von Christian Hornung

Begeisternd begonnen, Argentinien vor große Probleme gestellt und mit zwei Toren geführt - doch am Ende ging der deutschen Nationalmannschaft einmal mehr die Puste aus. Trotzdem gab es eine Reihe positiver Erkenntnisse.

Das 2:2 (2:0) am Mittwoch (09.10.2019) war aus Sicht der stark ersatzgeschwächten DFB-Elf mit gleich drei Debütanten und ohne einen 2014er-Weltmeister unnötig, weil sie vor allem in der ersten Halbzeit die Zuschauer in Dortmund mit einem mutigen und temporeichen Auftritt mitgerissen hatte. Nach der Pause ging aber nicht mehr viel, so dass die Gäste doch noch zum Ausgleich kamen.

"Ins Schwimmen geraten"

"Die erste Halbzeit haben wir wirklich sehr mutig, sehr beherzt gespielt. Wir haben toll kombiniert, das war schon richtig gut", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach der Partie bei RTL. "Wir konnten es leider nicht über 90 Minuten halten. Im zweiten Durchgang hatten wir dann ein paar Ballverluste zuviel und sind dadurch am Ende etwas ins Schwimmen geraten. Aber die Spieler mit wenig Erfahrung haben es trotzdem sehr gut gemacht."

Deutschland mit Remis gegen Argentinien - die Stimmen zum Spiel Sportschau 09.10.2019 01:10 Min. Verfügbar bis 09.10.2020 Das Erste

Eine Führung zu verspielen, sei "leider schon öfter" passiert, sagte der als Kapitän aufgelaufene Münchner Joshua Kimmich. "Ich glaube aber nicht, dass irgendjemand Angst hat, dass er ein Gegentor bekommt. Die Argentinier haben es irgendwann besser gemacht und uns hinten reingedrückt. Für mich persönlich war es ein sehr besonderes Gefühl, für die Nationalmannschaft die Binde tragen zu dürfen." Julian Brandt bilanzierte: "Wir hätten natürlich gerne gewonnen, aber am Ende hat man gemerkt, dass wir eine neue Mannschaft waren. Da kann noch nicht alles klappen. Schade."

Havertz sieht Remis gegen Argentinien "zweigeteilt"

Sportschau 09.10.2019 02:04 Min. Verfügbar bis 09.10.2020 ARD Von Anne van Eickels

Kai Havertz sagte am ARD-Mikrofon: "In den ersten 45 Minuten haben wir richtig gut und schnell in die Tiefe gespielt. Aber wir haben noch eine junge Truppe, die es natürlich noch lernen muss, so ein Spiel 90 Minuten über die Zeit zu bringen. Aber insgesamt glaube ich, wir können zufrieden sein, auch wenn das Ergebnis am Ende etwas enttäuschend ist." Marc-André ter Stegen kommentierte: "Für mich war wichtig, mal über 90 Minuten zu spielen und mich zu zeigen. Bis zur EM ist es noch lange hin."

Koch debütiert für Stark

Taktisch begannen die Deutschen mit einer Dreierkette, in der Debütant Robin Koch die zentrale Position einnahm. Der Freiburger war erst kurz vor dem Spiel in die Startelf gerückt, weil sich Niklas Stark mit einer Grippe abmeldete.

"Positive Erkenntnisse": Löw trotz Remis stolz auf DFB-Elf

Sportschau 09.10.2019 03:00 Min. Verfügbar bis 09.10.2020 ARD Von Anne van Eickels

Rechts vor der Dreierformationen hatte Lukas Klostermann viel Platz für seine Vorstöße - und den nutzte er: Nach einer Viertelstunde marschierte der Leipziger bis zur Grundlinie, passte zurück auf Serge Gnabry, der gegen drei Gegenspieler Übersicht und Ruhe behielt und die Kugel zum 1:0 ins lange Eck spitzelte.

Einmal Latte, einmal Pfosten

Der zweite Treffer nur sechs Minuten später fiel wieder über rechts. Luca Waldschmidt, der zweite Neuling im DFB-Trikot löste durch aggressives Forechecking Hektik bei den Argentiniern aus, Klostermann schnappte sich den Ball, setzte wieder Gnabry ein, der vor dem Tor brillant querlegte - Havertz vollstreckte mühelos.

"Sieg verspielt": Kapitän Kimmich fordert konstante Leistung

Sportschau 09.10.2019 02:10 Min. Verfügbar bis 09.10.2020 ARD Von Anne van Eickels

Nach einer halben Stunde rettete das Aluminium die vom deutschen Tempo komplett überforderten Gäste: Marcel Halstenberg knallte einen herrlich gezirkelten Freistoß an die Lattenunterkante. Das war aber offenbar ein akustisches Wecksignal für die Argentinier, die nun auch mal den Abschluss suchten. Rodrigo de Paul zog in der 33. Minute aus der Distanz knallhart mit dem Vollspann ab, doch für den geschlagenen Torhüter ter Stegen rette der Pfosten. Das blieb im ersten Durchgang der einzig ernstzunehmende Vorstoß, kurz vor der Pause hätte erneut Gnabry mit einem Schuss aus halbrechter Position beinahe das 3:0 nachgelegt.

Can scheitert beim Konter

Auch nach dem Wechsel blieben die Deutschen zunächst in allen Belangen überlegen. Selbst der in der Dreierkette aufgebotene Emre Can fand Zeit, sich vorne einzuschalten und scheiterte nach einem Blitzkonter über Havertz und Brandt frei vor Marchesin (55. Minute). Nach einer Stunde nahm Argentinien dann etwas mehr am Geschehen teil, der DFB-Elf gingen die entlastenden Momente zunehmend verloren.

Als dann die bis dahin weitgehend fehlerlose Dreierkette einmal unkonzentriert war und Koch zwei Leute decken musste, traf der eingewechselte Leverkusener Lucas Alario per Kopf zum Anschluss (66.). Diesen Treffer verdienten sich die Gäste quasi im Nachhinein, als sich vor allem bei Can und Kimmich die Unsicherheiten häuften. Alario scheiterte zunächst noch mit einem Flachschuss (79.), doch sechs Minuten später war Lucas Ocampos nach Alarios Vorarbeit mit dem 2:2-Ausgleich zur Stelle.

Jetzt EM-Qualifikation gegen Estland

Am kommenden Sonntag (20.45 Uhr, live-ticker bei sportschau.de) treffen die Deutschen nun in der EM-Qualifikaton auf Estland. "Dort wollen und werden wir gewinnen", hat Joachim Löw bereits versprochen.

Statistik

Fußball · Länderspiele Männer · 1. Spieltag 2019

Mittwoch, 09.10.2019 | 20.45 Uhr

Flagge Deutschland

Deutschland

ter Stegen – E. Can, R. Koch, Süle – Klostermann, Havertz (83. Rudy), Kimmich, Halstenberg – Brandt (66. Amiri), Gnabry (72. Serdar), L. Waldschmidt

2
Flagge Argentinien

Argentinien

Marchesín – Foyth, Otamendi, Rojo (46. Acuna), Tagliafico – Pereyra (76. Saravia), De Paul (90.+2 Rodriguez), Paredes, Correa (46. Ocampos) – Dybala (62. Alario), L. Martinez

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Gnabry (18.)
  • 2:0 Havertz (22.)
  • 2:1 Alario (66.)
  • 2:2 Ocampos (85.)

Strafen:

  • gelbe Karte Kimmich (1 )
  • gelbe Karte Otamendi (1 )
  • gelbe Karte De Paul (1 )
  • gelbe Karte Ocampos (1 )

Zuschauer:

  • 45.197

Schiedsrichter:

  • Clement Turpin (Frankreich)

Vorkommnisse:

  • Co-Trainer Samuel (Argentinien) sieht wegen unsportlichen Verhaltens die Gelbe Karte (86.).

Stand der Statistik: Mittwoch, 09.10.2019, 22:47 Uhr

Stand: 09.10.2019, 22:57

Darstellung: