Gnabry überragt, Koch überrascht - die Einzelkritik

Marc-André ter Stegen im Spiel gegen Argentinien

Länderspiel gegen Argentinien

Gnabry überragt, Koch überrascht - die Einzelkritik

Von Tim Beyer und Christian Hornung

Serge Gnabry spiele bei ihm immer, hat der Bundestrainer Joachim Löw vor einigen Wochen gesagt. Man versteht ihn jetzt: Gnabry trifft ja auch immer. Debütant Robin Koch überraschte mit einem abgezockten Auftritt.

Marc-André ter Stegen (Tor)
Konnte sich im ersten Durchgang gar nicht auszeichnen, hatte dann Glück beim Pfostenkracher von Rodrigo de Paul. Wurde beim ersten Gegentreffer von seinen Vorderleuten alleine gelassen, auch beim zweiten hatte er keine Abwehrmöglichkeit. Interpretierte seine Rolle so offensiv, wie man das von ihm kennt. Seine Sicherheit im Aufbauspiel tat der Nationalmannschaft enorm gut.

Emre Can (Abwehr)
Im ersten Durchgang als rechter Mann der Dreierabwehr mit einer ganz abgeklärten Vorstellung. Großartig seine Rettungsaktion beim Kopfball von Lautaro Martínez. Schaltete sich auch gelegentlich in die Offensive ein und scheiterte in der 55. Minute nur knapp an Keeper Augusto Marchesin.

Robin Koch gegen Paulo Dybala

Robin Koch (Abwehr)
Als sich der eigentlich für die Startelf vorgesehene Niklas Stark grippekrank abmeldete, musste Koch spontan ran - aber er spielte, als wäre er schon ewig dabei. Juventus-Star Paulo Dybala sah kein Land gegen den Freiburger, der auch im Aufbau mit klaren Bällen überzeugte. Beim 1:2 von Lucas Alario sah er allerdings nicht gut aus.

Niklas Süle (Abwehr)
Kam auf der linken Position der Dreierkette ziemlich schleppend in die Partie, leistete sich ein paar Unkonzentriertheiten und unnötige Fouls. War diesmal Deutschlands erfahrenster Abwehrspieler, man sah das nur nicht. Ein fahriger Auftritt des sonst oft so souveränen Süle.

Lukas Klostermann gegen Marco Rojos

Lukas Klostermann (Mittelfeld)
Rechts vor der Dreierabwehrkette hatte Klostermann Raum für Vorstöße - und den nutzte er schon früh mit der perfekten Torvorbereitung für Serge Gnabry. Auch sein zweiter vehementer Antritt führte zum Erfolg, diesmal schloss Kai Havertz den Schnellangriff ab. Wurde in der zweiten Hälfte von Marcos Acuna viel intensiver gefordert und kam kaum noch dazu, Akzente in der Offensive zu setzen.

Joshua Kimmich

Joshua Kimmich (Mittelfeld)
Führte das A-Team erstmals als Kapitän auf den Rasen und holte sich direkt Gelb ab für ein hartes Foul an Leandro Paredes. Einmal brüllte er Waldschmidt ganz verzückt an, nachdem der einen Ball an der Seitenlinie erobert hatte. Spielte aber auch gekonnt Fußball, war der zentrale Umschaltspieler, eroberte viele Bälle und leitete so immer wieder Angriffe ein. Auch er verlor er in der letzten halben Stunde die Kontrolle über das Spiel, das trübte den Eindruck.

Marcel Halstenberg (Mittelfeld)
Auf der linken Außenbahn zunächst bei weitem nicht so engagiert ím Vorwärtsgang wie sein Leipziger Klubkollege Klostermann. Fiel vor allem dann auf, wenn der Ball ruhte: Sein brillanter Freistoß nach einer halben Stunde an die Latte hätte ein Tor verdient gehabt.

Kai Havertz (Mittelfeld)
War im Mittelfeld in zentral-offensiver Position viel in Bewegung, forderte und verteilte die Bälle - und schloss den Konter zum 2:0 selbst mit konsequentem Durchlaufen in die Mittelstürmer-Position ab. Sehr guter Startelfeinsatz, auch wenn er das Niveau nach der Pause nicht mehr halten konnte.

Serge Gnabry erzielt das 1:0 gegen Argentinien

Serge Gnabry (Angriff)
Elf Länderspiele, zehn Tore - das ist schon beeindruckend. Gnabry baute seine grandiose Torquote in der Nationalelf nach einer Viertelstunde aus, als er auf engstem Raum gegen drei Gegenspieler die Übersicht behielt. Auch danach war Gnabry lange Zeit durch sein Tempospiel gefährlich, erst nach dem Wechsel baute er ab. Nach seiner Auswechslung erlahmte die Offensive.

Luca Waldschmidt (Angriff)
Mit seinem aggressiven Pressing setzte der Debütant sofort Zeichen - und initiierte damit mit einem beherzten Einsteigen an der Seitenlinie auch den Angriff, der zum 2:0 führte. Selbst kam er aber kaum einmal in Position, und wenn, dann spielte er ab. Dass er es kann, zeigte er, als er in der 47. Minute das Außennetz traf.

Julian Brandt (Angriff)
Hatte in der 14. Minute die erste Großchance, scheiterte aber mit seinem Flachschuss an Torwart Agustin Marchesin. Machte bei vielen Kontern geschickt das Spiel schnell, es wurden aber auch seine Schwächen sichtbar. Muss sich noch im Pressing verbessern und im Defensivzweikampf.

Einwechselspieler

Nadiem Amiri (66. für Brandt)
Einer von vier Debütanten gegen Argentinien. Zeigte in Ansätzen, warum Bundestrainer Joachim Löw viel von ihm hält. Seine Dynamik fiel auf, auch sein Zug zum Tor. Hatte aber Pech, dass er in einer Phase ins Spiel kam, in der Deutschland die eigenen Offensivbemühungen weitgehend eingestellt hatte.

Suat Serdar (71. für Gnabry)
Fügte sich zunächst gut ein, als er kurz nach seiner Einwechslung Gegenspieler Rodrigo de Paul tunnelte. In Erinnerung bleiben wird aber eher sein unnötiger Ballverlust, der den 2:2-Ausgleich überhaupt erst ermöglichte.

Sebastian Rudy (83. für Havertz)
Wurde aufgrund der vielen Ausfälle nachnominiert und kam erstmals in diesem Kalenderjahr in einem Länderspiel zum Einsatz. Spielte einige gute Pässe, doch um sich für eine dauerhafte Rückkehr in die Nationalmannschaft zu empfehlen, fehlte ihm die Zeit.

Stand: 09.10.2019, 23:15

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