Joachim Löw: "In der Krise zeigen, dass wir auch anders können"

Deutschlands Trainer Joachim Löw vor dem Spiel Deutschland - Nordirland in der Commerzbank-Arena

DFB-Spitze wirbt für ein Umdenken in der Gesellschaft

Joachim Löw: "In der Krise zeigen, dass wir auch anders können"

Von Christian Hornung

Bundestrainer Joachim Löw, DFB-Präsident Fritz Keller und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff haben dafür geworben, die Corona-Krise zum Anlass für ein Umdenken in der Gesellschaft zu nutzen. Das DFB-Team spendet 2,5 Millionen Euro.

Löw fasste seine Eindrücke von der aktuellen Situation bei einer Pressekonferenz des Deutschen Fußball Bundes so zusammen: "Bis vor wenigen Wochen haben wir uns noch sehr auf die Entscheidungen in der Liga, auf die K.o.-Spiele in der Champions League und die Länderspiele gegen Top-Nationen Spanien und Italien gefreut. Dazu haben wir beim DFB mit größtmöglicher Intensität auf die Europameisterschaft hingearbeitet, die ein Fest werden sollte. Jetzt aber ist nichts wie es vorher war, die Corona-Krise hat die Welt im Griff. Die EM-Verschiebung war alternativlos - die Gesundheit aller Menschen geht vor."

Löw: "Müssen aufeinander schauen"

Für die Zukunft ruft Löw die Gesellschaft zum Nachdenken auf: "Macht, Gier, Profit, Rekorde - alles wurde immer wichtiger. Jetzt haben wir etwas erlebt, was uns auf die wirklich wichtigen Dinge schauen lässt: Familie, Solidarität, tiefes Nachdenken steht über Aktionismus. Wir Menschen müssen aufeinander schauen, achtsam sein und uns an die Regeln halten, die jetzt vorgegeben sind. Jetzt müssen wir alle zeigen, dass wir es auch anders können, dass wir respektvoller miteinander umgehen können. Der Fußball steht hinten an, aber jetzt geht es erstmal darum, wie kann ich meiner Familie, meinen Freunden und meinen Nachbarn helfen."

Löw: "Nichts ist mehr, wie es vorher war" Sportschau 18.03.2020 00:42 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Bierhoff erklärt gegenüber Sportschau die Spendenaktion

DFB-Manager Oliver Bierhoff erklärte: "Wir sind alle schockiert und alarmiert. Allen ist klar, der Sport muss jetzt in den Hintergrund treten. Als Nationalmannschaft können wir gut mit der EM-Verschiebung umgehen. Diese Terminfragen sind aber alle erstmal zweit- und drittrangig - es geht darum, erstmal einen Beitrag für das Land leisten. Das haben wir jetzt mit einer Soforthilfe von 2,5 Millionen Euro für Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise so in die Tat umgesetzt."

Bierhoff: "Es gab schnell Einigkeit darüber, dass wir als Mannschaft ein Zeichen setzen wollen" Sportschau 18.03.2020 02:07 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Auf die Frage der Sportschau erklärte Bierhoff zu der Spendenaktion: "Wir haben mit der Mannschaft gesprochen, zunächst mit dem engeren Spielerrat - mit Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Toni Kroos, Ilkay Gündogan und Marc-André ter Stegen. Ich habe viele betroffene Gesichter gesehen, aber auch sehr schnell den Entschluss, dass wir als Team die Kraft haben, zu helfen. Manuel Neuer hat dann die anderen Spieler angerufen - und wir haben gezeigt, dass wir wirklich eine echte Mannschaft sind."

DFB-Präsident sichert Solidarität zu

DFB-Präsident Fritz Keller sagte: "Jetzt sind Solidarität und Verzicht gefragt - zugunsten der gefährdeten Menschen. Die EM-Verschiebung war schmerzhaft, aber richtig und wichtig. Es geht darum, möglichst lange unser Gesundheits-System zu entlasten. Wir müssen und an Regeln halten, um Zeit zu gewinnen - das kennen wir aus dem Fußball. Es ist aber auch wichtig, nach vorne zu denken, in Szenarien zu denken. Wichtig ist, dass wir die Struktur von 25.000 Vereinen von der Kreisliga bis zur Bundesliga erhalten, es geht auch um 250.000 hauptamtliche Jobs. Deshalb haben wir in der DFB-Spitze beschlossen, die Regional- und Landesverbände strukturell zu unterstützen."

Dass die für den März geplanten Länderspiele gegen Italien und Spanien eventuell im Juni ohne Zuschauer nachgeholt werden könnten, schloss Keller nicht aus: "Natürlich ist es mit Zuschauern am schönsten. Aber wichtiger ist es aus Sicht des DFB-Präsidenten, dass es überhaupt wieder einen Anfang für den Fußball gibt und die Fans zumindest am Fernseher wieder Spiele schauen können."

Stand: 18.03.2020, 16:03

Darstellung: