DFB-Sieg mit taktischem Kniff

Jogi Löw (l.) und Serge Gnabry (r.)

Analyse zum 3:2-Sieg der DFB-Elf in Amsterdam

DFB-Sieg mit taktischem Kniff

Von Marcus Bark

Deutschland gewinnt auch dank eines taktischen Kniffs in den Niederlanden und zeigt damit, dass die dunklen Monate beendet sein könnten. Die zweite Halbzeit zeigte allerdings auch, dass solche Schlüsse vorschnell sein könnten. Die Analyse.

Drei Wochen nach dem letzten Spieltag in der Bundesliga, zwei nach dem Finale im DFB-Pokal und eine Woche nach dem Endspiel in der Champions League sieht der Terminkalender noch zwei Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft vor. Am 8. Juni wird die Qualifikation zur Europameisterschaft in Minsk gegen Weißrussland fortgesetzt, drei Tage später wird es in Mainz zum Duell mit Estland kommen.

Zwei Pflichtaufgaben also, wird schon laufen, jetzt ist die Wende ja geschafft, die Stimmung zugunsten der Eliteauswahl des DFB gekippt. Eine solche Denkweise läge nahe nach dem 3:2-Sieg in den Niederlanden. Wer ihr entgegenwirken möchte, sollte auf den Juni 2018 verweisen. Damals schoss Deutschland auch ein spätes Tor, gewann gegen Schweden. Fehlte nur noch ein weiterer gegen Südkorea, dann würde die WM richtig beginnen.

WM als mahnendes Beispiel

Doch sie endete abrupt, es begannen lediglich Monate des Zweifelns, des Diskutierens, des Umbauens, des Abstiegs. Für den, der diesen Prozess trotz des mehrmaligen sportlichen Scheiterns wesentlich mitbestimmen durfte, hätte das 3:2 in Amsterdam eine Genugtuung sein sollen. Aber so sehr Joachim Löw auch in die Richtung gedrängt wurde, davon zu sprechen, so sehr lehnte er es ab. "Ich empfinde das nicht als Genugtuung gegenüber den Kritikern", sagte der Bundestrainer, "wir haben die höchsten Ansprüche an uns selber. Wenn die Mannschaft die Dinge so gut umsetzt, bin ich sehr positiv, egal, was außen herum passiert ist."

Löw: "Hatten jetzt auch das Spielglück" Sportschau 25.03.2019 01:03 Min. Verfügbar bis 25.03.2020 Das Erste

Löw ruhte mal wieder in sich, genoss den Moment, ohne ihn überhöhen zu wollen. "Sehr hilfreich", sagte er immerhin, sei der Sieg gegen die Niederlande für den weiteren Prozess gewesen.

Live-Reportage: Das Siegtor von Nico Schulz

Sportschau 24.03.2019 01:07 Min. Verfügbar bis 24.03.2020 ARD

Joachim Löw als großer Sieger

Als sich ein paar Motorradpolizisten schon vor den Bus geklemmt hatten, um den Weg aus der Arena freizumachen, saß Löw in der ersten Reihe und schaute auf sein Telefon. Vermutlich wird er dort gelesen haben, dass gerade auch er gewonnen hat. Mit Ilkay Gündogan und Marco Reus leiteten zwei Spieler das entscheidende Tor von Nico Schulz ein, die er eingewechselt hatte.

Vielmehr war es aber sein Plan gewesen, mit dem er die Startelf auf das Feld geschickt hatte, der ihm zu Recht viel Lob brachte. Vor einer Fünferkette und den beiden zentralen Mittelfeldspielern Joshua Kimmich und Toni Kroos waren die drei restlichen Spieler so flexibel, dass auch Bondscoach Ronald Koeman nicht wusste, ob er das System des Gegners jetzt "als 5-2-3 oder 5-3-2" bezeichnen sollte. Das auch nebensächlich und Auslegungssache. So, wie vor allem aber Serge Gnabry seine Aufgabe löste, sich den Ball im Mittelfeld abzuholen, um dann nach vorne zu stoßen und häufig die Position mit dem grundsätzlich sogar offensiver aufgestellten Leon Goretzka zu tauschen, war es ein sehr gelungener Plan.

Koeman reagiert in der Pause

Die Niederländer wussten nicht, wie sie Gnabry aufhalten sollten. Mal rückte Virgil van Dijk aus der Viererkette, sodass im Zentrum ein freier Raum entstand, in den Leroy Sané sprintete, mal tauschten die beiden Innenverteidiger die Position, mal rückte ein Mittelfeldspieler in die letzte Kette. Aber erst in der zweiten Halbzeit, als Koeman konsequent auf eine Fünferkette setzte und sich Frenkie de Jong zeitweise in Manndeckung um Gnabry sorgte, war das 45 Minuten lang überragende Offensivspiel der deutschen Mannschaft gestoppt.

Reus: "Am Ende hatten wir ein bisschen Glück"

Sportschau 24.03.2019 01:39 Min. Verfügbar bis 24.03.2020 ARD

In der zweiten Halbzeit war es aber lange mau, nun schien Deutschland auch taktisch überfordert, weil die Niederlande nach personellen Wechseln und Systemänderung gerade auf ihrer linken Seite immer wieder zu Situationen in Überzahl kamen. Das brachte ihnen den zwischenzeitlichen Ausgleich, nach dem 2:2 durch Memphis Depay in der 63. Minute aber auch keine weitere gute Chance mehr. Dass es die deutsche Mannschaft schaffte, in der letzten Minute den einzig starken Angriff nach der Pause erfolgreich zu Ende zu führen, begründete Löw mit dem "Spielglück", was in den Monaten vorher gefehlt habe. Im Erfolgsfall wird es wieder ganz einfach, Erklärungen zu finden.

Statistik

Fußball · Qualifikation zur Europameisterschaft · 2. Spieltag 2019/2020

Sonntag, 24.03.2019 | 20.45 Uhr

Flagge Niederlande

Niederlande

Cillessen – Dumfries, De Ligt, Van Dijk, Blind – Wijnaldum, de Roon (90.+1 L. de Jong), F. de Jong – Promes, Depay, Babel (46. Bergwijn)

2
Flagge Deutschland

Deutschland

Neuer – Ginter, Süle, Rüdiger – Kehrer, Kimmich, Kroos, N. Schulz – Goretzka (70. Gündogan) – Gnabry (88. Reus), L. Sané

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 L. Sané (15.)
  • 0:2 Gnabry (34.)
  • 1:2 De Ligt (48.)
  • 2:2 Depay (63.)
  • 2:3 N. Schulz (90.)

Strafen:

  • gelbe Karte Blind (1 )

Zuschauer:

  • 52.000

Schiedsrichter:

  • Jesús Gil Manzano (Spanien)

Stand der Statistik: Sonntag, 24.03.2019, 22:38 Uhr

Thema in: Tagesthemen, Das Erste, 23.15 Uhr, Sonntag, 24.03.19

Stand: 25.03.2019, 07:29

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