DFB-Elf - höher, besser, anfälliger

Nico Schulz (r.) im Duell mit Jefferson Farfan (l.)

Analyse nach den Spielen gegen Frankreich und Peru

DFB-Elf - höher, besser, anfälliger

Von Marcus Bark

Die deutsche Nationalmannschaft zeigt auch gegen Peru, was Bundestrainer Joachim Löw von ihr forderte. Sie greift weiter vorne an, spielt viele Chancen heraus, ist dadurch aber auch wieder anfälliger für Konter. Die Analyse.

Der 27. September 2018 ist für den Deutschen Fußball-Bund ein sehr wichtiger Tag. An jenem Donnerstag wird die UEFA bekannt geben, in welchem Land die Europameisterschaft 2024 ausgetragen wird. Jegliche andere Themen als die Bewerbung möchte der DFB bis dahin ausgeblendet wissen, das belegte auch ein vom "Spiegel" veröffentlichter Mailverkehr zwischen Präsident Reinhard Grindel und einem seiner Stellvertreter, Rainer Koch.

Auf der sportlichen Seite ist der Verband mit der Nationalmannschaft in ruhige Gewässer geschippert, was im heftigen Gewitter nach der Weltmeisterschaft durchaus in Zweifel gezogen wurde. Beim 0:0 gegen Frankreich in der Nations League und am Sonntag (09.09.2018) beim 2:1-Sieg gegen Peru überzeugte die Eliteauswahl vor allem in den Bereichen, die der Bundestrainer zuvor mit Priorität aufgeführt hatte. Gegen Frankreich wollte er mit aller Macht ein Tor des Gegners verhindern, gegen Peru das eigene Offensivspiel stärken.

Mangelnde Chancenverwertung trübt guten Eindruck

Er bot in beiden Spielen eine 4-1-4-1-Grundformation auf, personell und taktisch gab es jedoch Änderungen. Mit Nico Schulz rückte gegen Peru wieder ein ausgewiesener Außenverteidiger in die Viererkette. Wie Matthias Ginter am rechten Ende der Kette rückte er bei Ballbesitz viel weiter nach vorne als es auf den Positionen drei Tage zuvor vorgesehen war, fast bis auf die Höhe der gegnerischen Abwehrkette, die zunächst aus vier Gliedern bestand, aber schon im Lauf der ersten Halbzeit aufgestockt wurde.

Das lag daran, dass die deutsche Mannschaft es häufig geschafft hatte, hinter der peruanischen Kette Steilpässe zu erhalten, die dazu genutzt wurden, Chancen herauszuspielen. Sie wurden aber teilweise kläglich vergeben, was den guten Eindruck des Offensivspiels, das mit einem energischen Pressing vorbereitet wurde, trübte.

Deutschland gewinnt gegen Peru im Testspiel Sportschau 09.09.2018 01:29 Min. Verfügbar bis 09.09.2019 Das Erste

Marco Reus wechselte sich häufiger mit Timo Werner im zentralen Angriff ab. Löw gab nach dem Schlusspfiff in Sinsheim zu, dass sich beide wohler fühlen, wenn sie auf Außen erst Tempo aufnehmen können, um dann in die Mitte zu ziehen. Nils Petersen kommt dem Spielertyp eines Mittelstürmers näher. "Ich traue ihm zu, dass er noch einen Schritt nach vorne macht", sagte der Bundestrainer über den Freiburger. Die Auswahl auf der Position im zentralen Angriff ist in Deutschland gering, das scheint beim Blick auf die Nachwuchsmannschaften auch für einige Jahre noch so zu bleiben.

Kimmich soll auf der Sechs bleiben

Bei den Außenverteidigern sieht es ähnlich aus. Mit Joshua Kimmich schien zumindest die rechte Seite auf Jahre vergeben, und das qualitativ hochwertig. Doch der Münchner bleibt nach zwei guten Spielen im zentralen Mittelfeld dort. "Kimmich hat jetzt zwei Spiele auf der 'Sechs' gemacht. Das wird auch die nächsten Spiele so bleiben, weil ich mit ihm sehr zufrieden bin", sagte Löw. "Ich freue mich darüber", strahlte Kimmich, der im zentralen Mittelfeld lieber spielt, auch weil er auf dieser Position ausgebildet wurde.

"Sind noch ein bisschen auf der Suche"

Seine Aufgabe ist es, in erster Linie den Raum hinter den beiden "Achtern" abzusichern, die gegen Peru Toni Kroos und Ilkay Gündogan hießen. Das gelang gegen Frankreich besser, weil die gesamte Mannschaft in der Partie gegen den Weltmeister deutlich defensiver ausgerichtet war. Peru nutzte die Freiräume, die sich boten, zu einigen gefährlichen Kontern. "Da brauchen wir eine bessere Balance. Wir sind noch ein bisschen auf der Suche", sagte Kimmich.

Mitte Oktober folgen zwei Wettbewerbsspiele in der Nations League, beide auswärts, zunächst in den Niederlanden, dann in Frankreich. Die sportliche Wetterlage dürfte bis dahin heiter bis wolkig bleiben. Am 27. September entscheidet sich, ob der DFB in ein Gewitter gerät, dessen Ausläufer auch die Nationalmannschaft zu spüren bekäme.

Stand: 10.09.2018, 08:30

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