Götze bei der PSV Eindhoven - er lächelt wieder

Mario Götze jubelt im Trikot des PSV Eindhoven

Spitzenspiel in der Eredivisie

Götze bei der PSV Eindhoven - er lächelt wieder

Von Tim Beyer

Bei der PSV Eindhoven spielt Mario Götze wieder wie Mario Götze, manchmal zumindest. Nun steht das Spitzenspiel in der Eredivisie gegen Ajax Amsterdam an. PSV benötigt einen Sieg - und Götzes Geisteblitze.

Begonnen hatte es mit einem Missverständnis. Weil der Kapitän Denzel Dumfries ein Zeichen des Schiedsrichtergespanns falsch gedeutet hatte, liefen die Spieler der PSV Eindhoven schon einige Minuten vor dem Anpfiff durch den Spielertunnel Richtung Platz.

Dem Schiedsrichter Clement Turpin war das gar nicht recht, er rief und gestikulierte, und der Eindhovener Marsch stoppte. Mario Götze sah einigermaßen irritiert aus, beinahe wäre er gegen die Schulter seines Vordermanns Olivier Boscagli geprallt.

Es war eine Sache von Sekunden, dann stand Götze wieder im Spielertunnel, geschützt vor dem Nieselregen von Eindhoven. Da witzelten und lachten sie noch, die Spieler der PSV. Und doch war ihnen am Ende dieses Fußballabends das Lachen vergangen. Zwar gewann Eindhoven 2:1 gegen Olympiakos Piräus, doch für den ersten Einzug ins Achtelfinale der Europa League seit dem Jahr 2012 reichte das nicht mehr.

Manchmal ist Götze wieder "Super-Mario"

Auch am Tag nach dem Ausscheiden fühle sich das Erlebte schlecht an, schrieb Götze bei Instagram. "Wir müssen uns nun schnell erholen und am Sonntag alles geben." Tatsächlich sind dies gerade die Tage der wichtigen Spiele für Götze und die PSV Eindhoven. Am Sonntag (28.02.2021) ist Tabellenführer Ajax Amsterdam zu Gast im Philips Stadion - für die PSV ist es wahrscheinlich schon die letzte Chance, das Rennen um die Meisterschaft doch noch einmal offen zu gestalten: Eindhoven hat ein Spiel mehr absolviert, liegt aber sechs Punkte hinter Ajax.

Es wird in diesem Spiel auch auf Mario Götze, 28, ankommen. Er ist in einem Team voller Talente sicher der talentierteste Fußballer, sein Wechsel im Oktober hatte in den Niederlanden für einige Aufregung gesorgt. "Super-Stunt met Super-Mario", schrieb die Zeitung "De Telegraaf", eine Übersetzung erübrigt sich. Und tatsächlich war das ja ein Ding: Götze, der Deutschland mit seinem Tor 2014 zum Weltmeister gemacht hatte, war nun Spieler in der Eredivisie, die man nicht unbedingt mit dem ganz großen Fußball verbindet.

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Die PSV profitiert von Götzes Ideen

Für sein erstes Tor benötige Götze nur neun Minuten, auch sonst hat er bei seinem neuen Verein schon für einige schöne Momente gesorgt. Einmal, es war kurz vor Weihnachten, hat sich Götze in einer einzigen Bewegung um zwei Gegenspieler herumgedreht, dann hat er zu einem Mitspieler gepasst. Vielleicht ging das für alle ein wenig zu schnell, auch für die Menschen hinter der Kamera. Einen Augenblick lang ruhte die Kamera noch auf Götze, als der Ball schon weg war. Götze lächelte.

Zum Ende seiner Zeit in Dortmund hat man Götze nur noch selten lächeln sehen, womöglich war ihm das alles zu viel geworden: Die Erwartungen an ihn, den Weltmeister-Torschützen, auch der eigene Körper, der mal hier zwickte und dann da. Als die PSV ihn im Oktober mit einigem Stolz als Neuzugang präsentierte, sagte Götze: "Ich hatte viele Angebote, aber ich bin ein Gefühlsmensch, und ich fühle mich bereit für eine ganz andere Herausforderung. Ich bin zuversichtlich, dass dies ein sehr angenehmer Übergang für mich sein wird."

Offenbar fühlt sich der Gefühlsmensch in Eindhoven wohl. Der Trainer Roger Schmidt hatte sich sehr um Götze bemüht - er wird es nicht bereut haben: In 16 Pflichtspielen hat Götze sechs Tore erzielt und drei Vorlagen gegeben. Götze ist nicht mehr so wendig wie früher, auch nicht mehr so schnell, aber er hat Ideen - und die tun PSV gut. Die Eredivisie dürfe sich über "einen schlauen Spieler und einen schnellen Denker" freuen, schrieb das "Algemeen Dagblad", da war Götze noch nicht lange in Eindhoven.

"Ein außergewöhnlicher Fußballer"

Anfang des Jahres fehlte Götze mit einer Leistenverletzung mehrere Wochen, für die PSV waren es nicht unbedingt erfolgreiche. Sie verlor in dieser Zeit gegen AZ Alkmaar und Feyenoord, spielte aber gegen Ajax Amsterdam remis. Wie sehr Eindhoven von Götzes Anwesenheit profitiert, hat man dann gleich bei seinem Comeback vor einer Woche beobachten können. Ihm genügten 26 Minuten, um mit zwei Toren für einen Sieg gegen das Überraschungsteam Vitesse Arnheim zu sorgen.

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Am Sonntag, im Spitzenspiel der Eredivisie, wird es wieder auf Götzes Ideen ankommen. Der Trainer Roger Schmidt, 53, hat vor einiger Zeit der "Sport Bild" ein Interview gegeben. Er hat darin über seinen Job in Eindhoven gesprochen, aber auch über seinen prominentesten Spieler. Schmidt sagte: "Mario ist ein sehr guter, ein außergewöhnlicher Fußballer. Er hat die Qualität, seine Mitspieler besser zu machen. Er gehört zu den besten Spielern, mit denen ich gearbeitet habe."

Stand: 26.02.2021, 17:37

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