Pelé - die Achterbahnfahrt des "Königs"

Pele und seine Physiotherapeutin spielen mit einem Ball

Gesundheitliche Probleme

Pelé - die Achterbahnfahrt des "Königs"

Von Matthias Ebert (Rio de Janeiro)

Brasilien bangt um Pelé, der sich von einer Darmkrebs-OP erholt. Gleichzeitig hat in Brasilien die Verehrung des womöglich besten Fußballers aller Zeiten klare Grenzen – auch im Vergleich mit Diego Maradona.

Als sich Diego Maradona 2020 von einer Hirn-OP erholte, tanzte und trommelte vor dem Krankenhaus in Buenos Aires eine grölende Fanschar. Hymnen auf den Weltmeister von 1986 wurden gesungen. Als sich kürzlich Brasiliens Fußball-Superstar Pelé von einer Darmkrebs-OP erholte, blieben solche Szenen aus. Brasiliens Verhältnis zu Edson Arantes do Nascimento - kurz: Pelé - ist geprägt von Respekt. Von blinder Verehrung wie in Argentinien kann keine Rede sein.

Dabei hat Pelé mehr Erfolge vorzuweisen als jeder andere Fußballer des Planeten: Drei WM-Pokale als Spieler haben ihm den Titel des Weltfußballers des 20. Jahrhunderts eingebracht und Brasiliens Nationalstolz in ungeahnte Höhen getrieben. Das Land verdankt Pelé einen Teil seines Selbstverständnisses: Brasilien hat viele Probleme - aber im Fußball macht uns keiner was vor.

Vom Schuhputzjungen zum Weltstar

Pele beim Anlauf zu einem Strafstoß und seinem 1000. Tor

Respekt empfindet jeder beim Blick auf Pelés Biografie. Als er im Alter von 17 Jahren bei der WM 1958 in Schweden zum ersten Mal Weltmeister wurde, hatte er einen steilen Aufstieg hinter sich: Der Sohn eines Provinz-Fußballers und einer Wäscherin schaffte es vom Schuhputzjungen, der anfangs oft ohne eigene Schuhe kicken musste, zum Weltstar. Der Titelgewinn in Schweden, so erzählt er immer wieder, sei für ihn etwas unvorstellbar Schönes gewesen. Er hat so Millionen Kindern aus den Favelas gezeigt, dass sozialer Aufstieg über den Fußball möglich ist.

Als Pelé sein Tor Nr. 1.000 für den FC Santos erzielt, läuten überall im Land die Glocken. Die Verehrung bei den Fans in grün und gelb kannte dann tatsächlich keine Grenzen mehr, als er der Nation den dritten Weltmeistertitel schenkte: Im Finale 1970 in Mexiko gegen Italien traf er höchstpersönlich. Anschließend schmückten sich die regierenden Militärdiktatoren zu Hause in Brasilien mit dem Titel - und mit Pelé.

19. November 1969: Pele erzielt sein 1000. Tor

Sportschau 19.11.2020 02:35 Min. Verfügbar bis 19.11.2021 ARD Von Thorsten vom Wege


Stürmisches Privatleben sorgt für negative Schlagzeilen

Während die Verehrung der Argentinier für Maradona auch nach dem Ende der aktiven Karriere anhielt, hat sich das Verhältnis der Brasilianer zu Pelé zumindest abgekühlt. Das liegt wohl auch daran, dass Pelé fortan vor allem seine Geschäftstüchtigkeit unter Beweis stellte - und weniger engen Kontakt zu den Fans pflegte. Sein Image vermarktete er äußerst professionell. Er war vielfacher Werbeträger, Kinderbotschafter der UNO und in den 90er Jahren Sportminister in Brasilien.

Ehemaliger Nationaltrainer von Brasilien Mario Zagallo und Pele

Ehemaliger Nationaltrainer von Brasilien Mario Zagallo und Pele

Sein Privatleben sorgte für Schlagzeilen, als Pelé öffentlich abstritt, zwei uneheliche Töchter zu haben. Um dies zu beweisen, stimmte er einem DNA-Test zu. Dieser ergab daraufhin prompt, dass Pelé sehr wohl der Vater der beiden Mädchen ist. Dieses Verhalten hat ihn Sympathien bei einigen Brasilianern gekostet, die ihm zwar den Seitensprung verziehen hätten, nicht aber das Abstreiten der Vaterschaft. Zuletzt hatte sein Sohn, Edson Cholbi Nascimento, für negative Nachrichten gesorgt. Der ehemalige Torwart vom FC Santos wurde im Februar 2017 wegen Geldwäsche im Zusammenhang mit Drogengeschäften zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt.

Alterserscheinungen werden weggelacht

Pelés stärkste familiäre Bindung hat er bis heute zu seiner Tochter Kely Nascimento. Sie kümmerte sich um ihn, als er vor Jahren an der Hüfte operiert werden musste. Und auch jetzt - im September - war sie zur Stelle, als Gerüchte aufkamen, Pelés Zustand sei kritisch. Umgehend postete sie ein Foto von sich mit Brasiliens Fußball-König und der klaren Botschaft: Es geht ihm gut. Offenbar hatte er einen Rückschlag erlitten, als er sich im Albert-Einstein-Krankenhaus in São Paulo von der Darmkrebs-OP erholte.

Mittlerweile ist er weitgehend genesen. Jedoch sind sein Alter und die medizinischen Eingriffe der vergangenen Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Bei öffentlichen Auftritten benötigt er bereits seit Längerem eine Gehhilfe. In den sozialen Medien zeigte er sich kürzlich bei der Therapie - und war sichtlich abgemagert. Dennoch erlaubte er sich einen Spaß, als er seinen Followern mitteilte, sich aufzuwärmen, um auf den Fußballplatz zurückzukehren.

Während Maradona bis zu seinem Tod eine Art blinde Verehrung entgegenschlug, ist das etwas nüchternere Verhältnis der Brasilianer zu Pelé vor allem geprägt durch Respekt und Stolz. "Wenn ich im Himmel bin, hoffe ich, dass Gott mich genauso gut behandelt, wie alle Menschen mich behandelt haben", hatte er zu seinem 80. Geburtstag gesagt.

Stand: 03.10.2021, 07:57

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