Unendliche Geschichte - Dinamo Zagreb und die Mamic-Brüder

Zoran Mamic

Rücktritt nach Haftstrafe

Unendliche Geschichte - Dinamo Zagreb und die Mamic-Brüder

Von Frank van der Velden

Zoran Mamic muss ins Gefängnis und ist deshalb als Trainer von Dinamo Zagreb zurückgetreten. Sein ebenfalls verurteilter Bruder Zdravko ist schon vor Jahren aus Kroatien geflohen. Die Geschicke des Klubs lenkt der umstrittene Funktionär aber immer noch.

Dinamo Zagreb steht zwei Tage vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League gegen Tottenham Hotspur ohne Trainer da. Zoran Mamic ist als Coach des kroatischen Renommierklubs zurückgetreten.

Der Oberste Gerichtshof Kroatiens hatte am Montag (15.03.2021) eine Haftstrafe von vier Jahren und acht Monaten für den 49-Jährigen bestätigt. Er soll gemeinsam mit seinem Bruder Zdravko eine zweistellige Millionensumme bei Dinamo unterschlagen und Steuern hinterzogen haben. "Obwohl ich mich nicht schuldig fühle, nehme ich das rechtskräftige Urteil zur Kenntnis und trete von der Position des Cheftrainers und Sportdirektors von Dinamo Zagreb zurück", erklärte der ehemalige Leverkusener und Bochumer Bundesligaprofi.

An Transfers mitverdient

Rückblick: Die Brüder wurden im Sommer 2015 von der kroatischen Polizei festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt. Im Juni 2018 wurden sie zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Sie sollen sich laut Anklageschrift über Jahre beim Verkauf von Dinamo-Spielern ins Ausland persönlich bereichert und außerdem Steuern im großen Stil hinterzogen haben. Im Visier der Ermittler standen dabei die Transfers von Hochkarätern wie Luka Modric und Dejan Lovren. Rund 15 Millionen Euro sollen veruntreut und 1,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen worden sein.

Flucht nach Bosnien-Herzegowina

Als die Mamic-Brüder und der ebenfalls inhaftierte frühere Dinamo-Manager Damir Vrbanovic in Berufung gingen, kamen alle wieder auf freien Fuß. Zdravko Mamic flüchtete nach Bosnien-Herzegowina, das nicht zur Europäischen Union gehört und Staatsbürger nicht ausliefert.

Seither versteckt er sich dort, beteuert seine Unschuld, wettert gegen die Justiz und streut fleißig Verschwörungstheorien. Sein Bruder Zoran verließ Dinamo und arbeitete einige Jahre in Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2019 kehrte er zum Verein zurück, zunächst als Sportdirektor und dann als Trainer.

Der starke Mann des kroatischen Fußballs

Dass er zurückkehren durfte, ist mit der Rolle der Mamic-Familie in ihrer Heimat zu erklären. Zdravko Mamic war viele Jahre lang der starke Mann bei Dinamo und im kroatischen Fußball überhaupt, auch im Verband. Er gilt immer noch als einer der einflussreichsten Fussballfunktionäre des Landes. Von 2003 bis 2016 war er Präsident des Klubs.

"Er ist der Chef im Verein und regelt dort einfach alles", erklärt Vladimir Novak, freier Journalist und Experte für den kroatischen Fußball. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass er von Bosnien aus nach wie vor die Fäden im Klub zieht. Und das ist der eigentliche Skandal."

Nur so sei es zu erklären, dass Zoran Mamic 2019 erneut Sportdirektor und dann Trainer bei Dinamo geworden sei - und das obwohl der Name Mamic das Ansehen des Klubs immens geschädigt hat.

Schutz der Politik

So ist der mächtige Zdravko nach wie vor eine Art Pate für Dinamo, sein Bruder Zoran eine Art Handlanger vor Ort. Das liegt daran, dass Zdravko Mamic jahrelang auch den Schutz der Politik genoss und jede Menge Unterstützung hatte. So seien die Ermittlungen damals auch nur in Gang gekommen, weil der internationale Druck zu groß geworden sei, erklärt Novak.

"Der Verein wird ihn einfach nicht los", sagt Novak. Oder er will es nicht wirklich. Schließlich ist Dinamo trotz aller Skandale immer noch das Aushängeschild des kroatischen Fußballs, Serienmeister und Stammgast in der Champions oder Europa League.

"Da werden natürlich auch seit Jahren immense Transfersummen generiert", sagt der Journalist. Novak glaubt deshalb, dass Dinamo den Mamic-Skandal überlebt: "Natürlich ist das ein Desaster und ein harter Schlag, aber der Verein steht sportlich sehr gut da und ist wirtschaftlich gesund."

Zukunft unklar

Wie es mit Zoran Mamic weitergeht, ist noch nicht klar. "Es steht noch nicht fest, wann er die Strafe antreten muss", erklärt Novak. Beim Achtelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Tottenham Hotspur am Donnerstag (18.03.2021) wird der bisherige Assistenztrainer Damir Krznar ihn sowohl als Trainer als auch als Sportdirektor ersetzen.

Dass Dinamo nach dem bestätigten Urteil die Chance ergreift und sich auch von Zdravko Mamic distanziert und trennt, glaubt Novak nicht. "Ich denke, dass er auch weiterhin großen Einfluss haben wird", sagt er.

Stand: 16.03.2021, 12:45

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