Schwedischer Verband kritisiert FIFA wegen der WM 2022 in Katar

Sauer auf FIFA-Boss Gianni Infantino: Verbandspräsident Karl-Erik Nilsson (r.)

Menschenrechtsverletzungen vor der WM 2022

Schwedischer Verband kritisiert FIFA wegen der WM 2022 in Katar

Von Chaled Nahar

Der schwedische Fußballverband hat die FIFA mit Blick auf die Situation der Gastarbeiter in Katar in die Pflicht genommen. Die Vergabe des Turniers nach Katar sei falsch gewesen. Nun müsse der Weltverband "die notwendigen Schritte unternehmen", um die Arbeiter zu schützen.

Generalsekretär Hakan Sjöstrand und Verbandspräsident Karl-Erik Nilsson schrieben den Brief im Namen des schwedischen Verbandes an FIFA-Präsident Gianni Infantino. "Es liegt in der Verantwortung des Weltfußballs, alles dafür zu tun, dass die Menschenrechte bei der Vorbereitung und der Durchführung geachtet werden", heißt es darin.

Verbandspräsident Nilsson ist außerdem 1. Vizepräsident der UEFA. Über eine Antwort Infantinos ist bislang nichts bekannt.

Aktuelle Videos von menschenunwürdigen Unterkünften

Bei drei Besuchen in Katar hätten die schwedischen Verantwortlichen auf Missstände hingewiesen und diese als inakzeptabel bezeichnet, heißt es in dem Brief. Durch externe Experten habe man die Realität in Katar gesehen. Trotz der besseren rechtlichen Rahmenbedingungen hätten viele Gastarbeiter in Katar weiter unter schwierigen Bedingungen zu leben und zu arbeiten. WDR-Autor Benjamin Best, der mehrfach für das Hintergrundmagazin Sport inside aus Katar berichtete, veröffentlichte am Mittwoch (21.04.2021) aktuelle Videos von menschenunwürdigen Unterkünften.

Tod und Spiele: Die Klub-WM in Katar als Generalprobe für die WM

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 06.02.2021 49:18 Min. Verfügbar bis 31.01.2041 WDR 5


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Der "Guardian" berichtete zuletzt, dass seit der WM-Vergabe 2010 an das Emirat über 6.500 Gastarbeiter in Katar gestorben seien. FIFA-Präsident Infantino wie dies Anfang März zurück. Die genannten Zahlen könnten nicht mit den WM-Stadionbaustellen in Verbindung gebracht werden. Er nannte unter Verweis auf katarische Behörden drei verstorbene Menschen auf WM-Stadionbaustellen seit 2014. Weitere 34 Menschen, die an den Stadionbaustellen tätig waren, seien "ohne Zusammenhang mit ihrer Arbeit" gestorben. Er versprach "eine fantastische, die beste WM der Geschichte", bei der der Fußball am Ende gleichzeitig "vielleicht ein bisschen zu Verbesserungen beigetragen haben könnte".

"Kein Turnier mehr in Ländern, in denen es Zweifel gibt"

Arbeiter auf einer Bausstelle eines Stadions der WM 2022 in Katar (2019)

Arbeiter auf einer Bausstelle eines Stadions der WM 2022 in Katar (2019)

Genau darauf spielt der schwedische Verband an. Um sicherzustellen, dass die WM ein positives und nachhaltiges Erbe hinterlasse, müsse die FIFA sofort handeln: Mögliche Menschenrechtsverletzungen auf WM-Baustellen müssten geprüft und unterbunden werden. Dafür müsse die FIFA ihren vollständigen Einfluss nutzen, öffentlich und im Hintergrund.

"Die FIFA muss außerdem alle notwendigen Schritte einleiten, um sicherzustellen, dass künftig kein Turnier der FIFA in Ländern stattfindet, in denen es Zweifel an der Einhaltung der Menschenrechte gibt." Der Forderung eines Boykotts des Turniers, wie sie teilweise in Norwegen formuliert wurde, schloss sich der schwedische Verband in dem Brief nicht an. Auch der Deutsche Fußball-Bund wies Boykott-Forderungen als das falsche Mittel zurück.

Gefangen in Katar - Teil 3 Sportschau 04.10.2020 09:24 Min. Verfügbar bis 04.10.2021 Das Erste

Stand: 22.04.2021, 19:07

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