Patrice Motsepe - ein Milliardär für Afrikas Fußballthron

Patrice Motsepe

Patrice Motsepe - ein Milliardär für Afrikas Fußballthron

Von Olaf Jansen

Afrikas Fußballer wollen nach vielen Skandalen endlich mal wieder einen "sauberen" Präsidenten. Die Hoffnungen liegen auf Top-Kandidat Patrice Motsepe. Der Südafrikaner ist bereits Milliardär.

Seit einigen Wochen schon ist Patrice Motsepe ständig auf Achse. Er war in Nigeria, Ghana und dem Tschad, besuchte Kenia, den Niger und Sambia. Quer durch Afrika ist er gereist, um für sich und seine Mission zu werben: Der Geschäftsmann aus Südafrika will Präsident des Afrikanischen Fußballverbandes CAF werden.

Am 12. März wird im marokkanischen Rabat gewählt. Es muss ein Nachfolger für den wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten aus dem Amt verbannten Ahmad Ahmad gefunden werden.

Gegenkandidaten gelten als chancenlos

Motsepe gilt als Favorit, seit ihm die COSAFA, die Vereinigung der Fußballverbände aus dem Süden des Kontinents, Ende Januar ihre Unterstützung und somit allein schon 14 Stimmen zusicherte. Die drei Gegenkandidaten Jaques Anouma (Elfenbeinküste), Augustine Senghor (Senegal) und Ahmed Yahya (Mauretanien) müssten schon auf den letzten Drücker noch so etwas wie eine Allianz finden. Sonst dürften sie chancenlos sein.

Motsepe gilt auch deshalb als Favorit, weil er aus afrikanischer Sicht einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Gegenspielern hat: Er ist bereits steinreich, machte nach dem Ende der Apartheidspolitik in seinem Land ab Mitte der 90er Jahre Millionen vor allem im Bergbaugeschäft.

Was auch bedeutet: Er bräuchte das Amt nicht, um sich persönlich zu bereichern. All die Korruptionsfälle. All die Mauscheleien und Skandale, die den beiden letzten CAF-Präsidenten Issa Hayatou aus Kamerun und Ahmad Ahmad aus Madagaskar vorgeworfen werden - der Kandidat aus Südafrika hätte sie nicht nötig.

Schon als Kind Verkäufer

Motsepes Wahl wäre eine beinahe logische Etappe auf dessen Lebensweg. Der 58-Jährige gilt als Glückskind Afrikas. 

Motsepe wird 1962 als jüngstes von sieben Geschwistern in Soweto nahe Johannesburg geboren. Sein Vater hat einen kleinen Lebensmittelladen am Rande von Pretoria, wo Motsepe die Regale einräumt und Bestandslisten führt. Er macht seine ersten Erfahrungen als Verkäufer und Geschäftsmann.

Einer der wenigen schwarzen Studenten

Motsepes Eltern ist die Bildung ihrer Kinder extrem viel wert, irgendwie bekommen sie alle sieben in der Schule einer katholischen Mission unter. Die ist ebenso von Weißen geprägt wie später die Witwatersrand Universität, wo Patrice in den 80ern einer der ganz wenigen schwarzen Studenten ist.

Er macht einen Abschluss in Bergbaurecht und Wirtschaftswissenschaften, konzentriert sich anschließend aber zunächst auf Rechtswissenschaften. 1988 tritt er der Rechtsanwaltskanzlei Bowman Gilfillan in Johannesburg bei, wo er 1994 erster schwarzer Teilhaber wird.

Gut vernetzt, keine Angst vor Weißen

Und dann, zwei Jahre nach dem Ende der Apartheidspolitik, wird Motsepe Geschäftsmann. Er, der gelernt hat, keine Berührungsängste gegenüber Weißen zuzulassen und sich im geschäftlichen Wettlauf gegen jedweden Konkurrenten - egal welcher Hautfarbe - durchzusetzen, steigt ins Bergbaugeschäft ein. Wird zunächst Teilhaber in einer Diamantenmine in Johannesburg und gründet 1997 "African Rainbow Mining", das erste Bergbauunternehmen in Südafrika, das von einem Schwarzen geleitet wird.

Ab diesem Zeitpunkt fließen die Millionen. Motsepe wird superreich, ist heute bei Forbes unter den zehn reichsten Menschen der Welt geführt. Er gilt als erster schwarzer Milliardär Afrikas.

Motsepe profitiert dabei auch von Südafrikas neuer Politik, der "Black Economic Empowerment" (BEE), die zuvor Benachteiligten bessere Chancen in der Arbeitswelt verschafft und unter anderem eine Quote von schwarzen Führungskräften in der Geschäftswelt vorschreibt. Zudem schaden ihm auch seine Verbindungen in höchste politische Kreise nicht. Seine Schwester Tshepo Motsepe ist mit Südafrikas aktuellem Präsident Cyril Ramaphosa verheiratet.

Mit den Mamelodi Sundowns erfolgreich

Die Mamelodi Sundowns vor einem Spiel in der afrikanischen Champions League

Die Mamelodi Sundowns vor einem Spiel in der afrikanischen Champions League

Was all dies mit Fußball zu tun hat? Eine Menge, denn Motsepe liebt diesen Sport - wie die Mehrzahl der schwarzen Südafrikaner. 2004 übernimmt er den Klub Mamelodi Sundowns aus Pretoria und führt den Verein von Erfolg zu Erfolg.

Mit neun Titeln seit der Wiederaufnahme der Liga 1996 sind die Sundowns südafrikanischer Rekordmeister. 2016 gelingt der Triumph: Mit einem Sieg gegen Al Ahly aus Ägypten gewinnt Motsepes Verein die afrikanische Champions League.

Afrikas Fußballführung braucht eine Erneuerung

Danach kann nicht mehr viel kommen - bis auf das höchste Fußballamt in Afrika - das des CAF-Präsidenten. Lange galt dieser Sitz für Leute wie Motsepe als unerreichbar, weil die westafrikanische Fußballwelt die Szene sportlich wie organisatorisch dominierte.

Doch seit den immer massiveren Skandalen und Korruptionsfällen der vergangenen Jahre in der CAF-Führungsriege ist ein neuer Trend erwachsen: Afrikas Fußball will die Erneuerung. Alte Zöpfe sollen abgeschnitten, neuen starken Leuten der Zugang zu hohen Ämtern möglich gemacht werden.

Wenn Motsepe am 12. März in Rabat tatsächlich die Nase vorn haben wird, würde das auch für den lange allenfalls tolerierten südafrikanischen Fußball einen Triumph bedeuten. Am wenigsten überrascht wäre wahrscheinlich Motsepe selbst. Er hat von Kind an gelernt, sich gegen schwere Widerstände durchzusetzen.

Stand: 05.02.2021, 09:00

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