Carlo Ancelotti nach dem Spiel zwischen Everton und West Bromwich Albion

Fußball | La Liga Meister in fünf Ländern: "Don" Carlo Ancelotti schreibt Geschichte

Stand: 30.04.2022 18:00 Uhr

Carlo Ancelotti hat Fußball-Geschichte geschrieben. Durch die vorzeitige Meisterschaft mit Real Madrid hat er nun Titel in allen großen europäischen Ligen gewonnen.

Von Jo Herold

Der aus Oberitalien stammende Ancelotti gilt nicht nur wegen seiner nationalen Meisterschaften als erfolgreichster, vielleicht sogar bester Trainer aller Zeiten. Denn die Liste seiner internationalen Erfolge ist um einiges länger: dreimal Triumphator in der Champions League, Vize-Weltmeister mit Italien (1994), Klubweltmeister, mehrmaliger Pokalsieger in den unterschiedlichsten Ländern und Wettbewerben und drei Siege bei Wahlen zum Welt-Fußballtrainer.

Doch dies geschah beinahe unbemerkt. Wohl, weil Ancelotti zu den stillen Vertretern seiner Zunft zu zählen ist.

In der Ruhe liegt die Kraft

"Was Ancelotti in einer Woche sprach, sprach Guardiola in drei Stunden", sagte Philipp Lahm "sport.de" über den inzwischen 62-Jährigen in deren gemeinsamer Zeit bei Bayern München. Das war 2017, in Lahms letzter Saison als aktiver Profi. Und es passt komplett in Ancelottis Selbstwahrnehmung und in seine Biografie "Quiet Leadership", was man vielleicht mit "Ruhige Führung" übersetzen kann.

Trainer Carlo Ancelotti (M) vom FC Bayern steht am 20.05.2017 auf dem Marienplatz in München (Bayern) auf dem Balkon des Rathauses und feiert die Meisterschaft mit Mannschaft

In seinem Buch gibt der weltgewandte Coach Einblicke in seine Philosophie, Beziehungen zu seinem Team und seinen Vereinskollegen aufzubauen. Dementsprechend lautet der Untertitel im englischen Original: "Das Gewinnen von Herzen, Seelen und Spielen" ("Winning Hearts, Minds and Matches"). Ancelotti, der das Buch in der Zeit nach seinem ersten Engagement bei Real Madrid (2013 - 2015) schrieb, gewährt dabei Einblicke, die tief blicken lassen.

Was "Der Pate" mit Ancelotti gemein hat

Der "Pacificador" (der Friedensstifter), wie Ancelotti in Spanien genannt wird, äußert darin eine gewisse Bewunderung für den Mafia-Boss Vito Corleone aus dem Film "Der Pate". Ruhiges, überlegtes Handeln, Vertrauen, Besonnenheit, Einfluss, Überzeugungskraft und Professionalität seien die Voraussetzungen für Macht und Autorität. So, wie sie "Vito Corleone" verkörpere. Und auch Carlo Ancelotti.

Denn offenbar beherrscht der "Leader" die richtige Ansprache für alle in seiner Umgebung: Zlatan Ibrahimovic, Cristiano Ronaldo und Franck Ribéry bei den Spielern, Silvio Berlusconi, Florentino Pérez, Roman Abramowitsch, Uli Hoeneß oder Nasser Al-Khelaifi bei den Klubbossen. Überall genoss und genießt der Sohn eines Milch- und Käsebauern größten Respekt.

Menschliche Bindung als Erfolgsgeheimnis

Der manische Kaugummikauer Ancelotti ("Ich kaue pro Spiel 13, 14 Stück - das ist verrückt") verfügt über großes Fachwissen und beherrscht auch die Klaviatur der Menschenführung: Philipp Lahm beschreibt seine Art mit Charme, Humor und "eine gewisse Lässigkeit". Und der Italiener lebt seinen Job mit Leidenschaft. Auf die Frage nach der schönsten Sache bei seinem Trainerjob sagte der damalige Bayern-Coach im vereinseigenen TV: "Die schönste Sache am Trainerjob ist die Beziehung zu meinen Spielern. Ich liebe es, mit meinen Spielern zu sprechen, mit ihnen zusammen zu sein - jeden Tag."

Carlo Ancelottis Meistertitel
Verein Saison Land
AC Mailand 2003/04 Italien
FC Chelsea 2009/10 England
Paris St. Germain 2012/13 Frankreich
Bayern München 2016/17 Deutschland
Real Madrid 2021/22 Spanien

Vermutlich ist genau das das Geheimnis, weswegen Reals Stürmerstar Karim Benzema aktuell einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere erlebt, ihm in der laufenden Saison schon 14 Tore in der Champions League gelangen, aber eben auch 25 Treffer und elf Assists in der Primera Division.

Tore, die entscheidend mithalfen, dass Real Madrid nach einem Jahr ohne Titelfeier bereits den spanischen Supercup gewinnen konnte, noch gut im Rennen um den Einzug ins Finale der Champions League liegt, und nun eben den spanischen Titel feiert. Die fünfte Meisterschaft von Carlo Ancelotti im fünften europäischen Land - und in allen großen Ligen Europas.

Karim Benzema (L) und Madrids Trainer Carlo Ancelotti feiern den Meistertitel