Olympia-Kader - Kuntz öffnet Kruse die Tür

Max Kruse von Fenerbahçe

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Olympia-Kader - Kuntz öffnet Kruse die Tür

Von Frank Hellmann

Thomas Müller, Mats Hummels und Max Kruse treten womöglich gemeinsam für Deutschland bei den Olympischen Spielen an. Der für den Olympia-Kader zuständige Nationaltrainer Stefan Kuntz hat erstmals Namen genannt.

Es passierte vor der WM 2018 häufiger, dass Joachim Löw auf den Namen Max Kruse angesprochen wurde. Der Offensivallrounder traf im Vorlauf des Turniers so regelmäßig und spielte so gut beim SV Werder, dass der Bundestrainer zwangsläufig mit einem Comeback Kruses konfrontiert wurde.

Bekanntlich hat Löw die Rückholaktion nie vollzogen, obwohl Kruse womöglich bei der missratenen Russland-Mission hätte helfen können. Aber Löw kann sehr konsequent sein, wenn sein Vertrauen einmal missbraucht wird. Damit schien sich für den 31-jährigen Kruse das Kapitel mit Einsätzen für eine DFB-Auswahl erledigt zu haben, doch nun vollzieht U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz mit Blickrichtung auf eine von ihm verantwortete Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 2020 die Kehrtwende.

Liste mit 50 Namen

Der in enger Absprache mit Löw arbeitende Kuntz hat einige Namen bestätigt, die beim Olympischen Fußballturnier das DFB-Dress tragen könnten. "Hier wurden in den letzten Tagen ja bereits einige Kandidaten genannt, wie zum Beispiel Maxi Arnold, Davie Selke, Maxi Eggestein, Sandro Wagner oder Max Kruse, die unter anderem der NADA gemeldet wurden, genauso wie beispielsweise Thomas Müller und Mats Hummels über ihre Zugehörigkeit zur A-Nationalmannschaft", sagte Kuntz in einem Interview auf der DFB-Homepage.

Spielberechtigt sind jene Akteure, die in die EM-Qualifikation für die U21 gestartet sind (Stichtag 1.1.1998). Dazu können aus der vorherigen Mannschaft noch die Spieler des 1997er-Jahrgangs berufen werden. Deshalb spricht man beim Olympischen Fußballturnier auch von einer U23-Mannschaft. Kuntz sagte, er könne verstehen, dass über die drei erlaubten älteren Spieler spekuliert werde, "denn die Fußballfans erwarten, dass das die prominentesten Namen in unserem Kader sein werden". Dass Müller und Hummels auf der Longlist des DFB stehen, bestätigte die UEFA am Mittwoch via Twitter.

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Insgesamt gibt es beim DFB eine Liste mit rund 50 potenziellen Olympia-Startern, die allesamt nun vom Kontrollsystem der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) erfasst werden. Die Olympischen Spiele finden vom 24. Juli bis zum 9. August in Tokio statt.

Das ältere Trio ist das letzte Puzzleteil

Aber die drei älteren Spieler würden erst das letzte Puzzleteil sein. "Nach der Saison schauen wir zunächst, welche Spieler und Positionen wir mit dem aktuellen U 21-Kader und dem 97er-Jahrgang besetzen können", erklärte Kuntz. "Wenn das steht, analysieren wir, auf welchen Positionen wir noch Nachholbedarf haben, welche Typen uns im Gesamtgefüge noch fehlen, ​um die junge Mannschaft anzuführen und welche Spieler bereits über Turniererfahrung verfügen. Die finale Nominierung erfolgt dann erst im Juni."

2016 hatte der damalige Trainer Horst Hrubesch sich an die Zwillinge Lars und Sven Bender erinnert, die sich gerne den olympischen Traum erfüllten. Das dritte Oldie-Ticket ergatterte damals Nils Petersen, der dann zwar mit sechs Treffern Torschützenkönig wurde, doch im Finale gegen Brasilien im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß verschoss. Für den Olympiasieger aus dem Gastgeberland verwandelte übrigens Neymar.

Doppelstarter soll es nicht geben

Über die Nominierungskriterien sprach Kuntz auch. "Wir haben natürlich intern und extern besprochen, dass wir Spieler aus möglichst vielen unterschiedlichen Vereinen nominieren, damit kein Club extrem benachteiligt wird. Wobei der Termin für Olympia dieses Jahr nicht so störend für die Vorbereitung liegt", sagte der 57-Jährige. "Die Spieler werden bei ihrer Rückkehr von Olympia auf einem ähnlichen Level sein, wie wenn sie die Vorbereitung mitgemacht hätten."

Kuntz darf 16 Feldspieler und zwei Torhüter mit nach Tokio nehmen. Doppelstarter, die an den Olympischen Spielen und an der EM-Endrunde (12. Juni bis 12. Juli) teilnehmen, soll es nicht geben. Schon jetzt verspürt der 57-Jährige eine große Vorfreude auf dieses Ereignis. "Denn die Olympischen Spiele werden ein großartiges, einmaliges Ereignis für uns alle - als Sportler und Persönlichkeiten. Wir werden als Fußballer Teil des olympischen Teams Deutschlands sein und wollen unser Land natürlich möglichst erfolgreich vertreten."

mit dpa | Stand: 15.01.2020, 13:49

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