Kommentar: Fußballprofis lassen Solidarität vermissen

Der Kommentar

Corona-Krise

Kommentar: Fußballprofis lassen Solidarität vermissen

Von Jörg Strohschein

In der Basketball-Liga NBA spenden Profis angesichts der Corona-Krise großzügig für Vereinsangestellte und Mitarbeiter. Bundesliga-Profis lassen diese Solidarität bislang vermissen - das muss sich ändern. Ein Kommentar.

Der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, hatte mit sichtlich ernster und auch betroffener Miene bei seiner Pressekonferenz am Montag (16.03.2020) darauf hingewiesen, dass Woche für Woche rund 50.000 Menschen rund um den Bundesliga-Fußball arbeiten. Und dass diese angesichts der Corona-Krise in Gefahr geratenen Arbeitsplätze erhalten werden müssten. In dieser Frage dürfte Einhelligkeit bestehen - sollte man meinen.

Ducken sich die Spieler und die Berater weg?

Dass die Protagonisten bereits seit längerer Zeit in ihrer eigenen (Fußball-) Welt leben, dürfte kaum noch jemanden überraschen. Umso weniger erstaunt es, dass sich in diesen ungewöhnlichen Zeiten auch alle Fußballprofis hierzulande in dieser Solidaritäts-Frage zurückhalten - oder gar wegducken? Dabei sind es sie und ihre Berater, die den Großteil der rund vier Milliarden Euro, die die DFL derzeit erwirtschaftet, erhalten.

Dass junge Multimillionäre auch eine ganz andere Haltung einnehmen können, dafür genügt ein Blick in die USA. Dort ist das Problem der Bezahlung von Vereins-Angestellten nicht kleiner - die Reaktionen sind allerdings andere.

NBA-Star Stephen Curry (32) und die Golden State Warriors spenden eine Million US-Dollar (knapp 900.000 Euro), nur um ihre Hallen-Mitarbeiter zu unterstützen. Giannis Antetokounmpo (25), Flügelspieler von den Milwaukee Bucks, kündigte an, 100.000 US-Dollar (knapp 90.000 Euro) an die Mitarbeiter zu spenden. Zion Williamson (19) von den New Orleans Pelicans will die Gehälter der Angestellten seines Teams im Smoothie King Center für die nächsten 30 Tage zahlen.

Solidarität der Wertegemeinschaft gefragt

Deshalb ist es nicht nur eine moralische Frage, dass sich die jungen Multimillionäre des Fußballs zu ihrer Verantwortung bekennen. Es geht sehr konkret um das finanzielle Überleben von sehr vielen Menschen. Die Solidarität einer Wertegemeinschaft, für die sich die Bundesliga seit vielen Jahren rühmt, ist vor allem dann gefragt, wenn alles aus der Bahn zu geraten scheint. Es wäre so langsam Zeit für einen sichtbaren Anfang.

Stand: 17.03.2020, 11:25

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