WM-Testspiele - Sorgen in Russland, Polen und Frankreich

Muss sich Sorgen machen: Frankfreichs Trainer Didier Deschamps (r.)

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WM-Testspiele - Sorgen in Russland, Polen und Frankreich

Frankreich muss sich von einem sportlichen "Stromausfall" erholen, Polen das Lewandowski-Problem lösen und Gastgeber Russland einen Disco-Vorfall verdauen: Vor dem Beginn der Fußball-WM wartet auf einige Teilnehmer noch viel Arbeit.

Schon in dieser Woche bieten sich aber Chancen zur Besserung. Polen kann sich gegen Deutschlands Vorrundengegner Südkorea am Dienstag (27.03.2018) das richtige WM-Gefühl holen, Argentiniens Lionel Messi steht vor seinem ersten Einsatz im Nationaltrikot 2018. Ärger gibt es in Russland um zwei Ex-Bundesligaprofis: Nach einem Discobesuch sind Roman Neustädter und Konstantin Rausch vor dem Spiel gegen Frankreich um sportliche Besserung bemüht - falls Trainer Stanislaw Tschertschessow ihnen das Vergehen verzeiht.

Geldstrafe für Neustädter und Rausch

Das eingebürgerte Duo wurde am Samstag (24.03.2018) vom russischen Verband nach dem Besuch in einem Moskauer Nachtclub mit einer Geldstrafe belegt. Das Verhalten verstoße gegen die Regeln und schade dem Image der russischen Nationalmannschaft, teilte der Verband mit. Neustädter und Rausch waren Medienberichten zufolge nach dem misslungenen Testspiel gegen Brasilien (0:3), bei dem sie beide nicht zum Einsatz kamen, mit Freunden nach Mitternacht im Zentrum der Hauptstadt unterwegs. "Wir werden unser Bestes geben, um diesen Fehler nicht zu wiederholen", wurden die Profis in der Mitteilung des Verbandes zitiert.

Der Vorfall kommt zur Unzeit, denn sportlich haben die Russen genügend Sorgen. Gegen den fünfmaligen Weltmeister waren sie völlig chancenlos, die sportliche Entwicklung ist besorgniserregend. "Wir müssen jetzt beginnen, unsere Probleme zu lösen und die Fehler zu korrigieren", sagte Tschertschessow. Keine leichten Aufgaben, schwanken die russischen Erwartungen doch zwischen Größenwahn und Fatalismus. Die Zeitung "Sport-Express" äußerte generelle Bedenken: "Erstens hat unsere Mannschaft ein seltsames Selbstvertrauen, das auch an einen gewissen Wahnsinn grenzt. Und das ist auch das zweite Problem: Damit kann man die sportlichen Mängel des russischen Teams nicht wegargumentieren."

Frankreich: "Ein Misston zur Eröffnung"

Mit den Franzosen wartet nun schon der zweite Top-Gegner in der Vorbereitung, doch auch der Vize-Europameister wusste zuletzt nicht zu überzeugen. "Ein Misston zur Eröffnung", schrieb die Sportzeitung "L'Équipe" nach dem 2:3 gegen Kolumbien. Und weiter: "Dieser unerwartete Rückschlag beweist, dass Frankreichs Team noch sehr bröckelig ist." Trainer Didier Deschamps sprach nach dem Spiel von einem "Stromausfall" und prangerte "Selbstgefälligkeit" an. Keine abwegige Analyse, reichte doch eine 2:0-Führung nicht, Kolumbien gelang noch der erste Sieg gegen Frankreich überhaupt.

Bei der polnischen Nationalmannschaft setzte sich beim 0:1 in Breslau gegen Nigeria eine Serie fort, die Trainer Adam Nawalka ins Grübeln bringen könnte. Trifft Lewandowski nicht, kann Polen nicht gewinnen. Seit der EM 2016 ist Polen in allen fünf Partien, in denen Lewandowski kein Tor erzielte, auch kein Sieg gelungen. Seit drei Spielen ist Polen nun sogar gänzlich ohne Treffer, gegen die Südkoreaner soll sich das ändern.

Messi hofft auf Einsatz, Portugal von Ronaldo abhängig

Vor seinem ersten Länderspiel in diesem Jahr steht Argentiniens Superstar Lionel Messi am Dienstag in Madrid gegen Spanien. "Hoffentlich bin ich fit, um zu spielen. Ich habe jetzt ein paar Tage mehr, um auszuruhen", sagte der 30-Jährige, der am Freitag beim 2:0 gegen Italien pausiert hatte. Trainer Jorge Sampaoli nutzte die Abwesenheit von Messi, um den sportlichen Neuaufbau voranzutreiben. Manuel Lanzini, der etwas überraschend in die Startelf gerutscht war, nutzte diese Chance und traf im dritten Länderspiel erstmals.

Portugal mühte sich im ersten Härtetest zu einem 2:1 gegen Afrikameister Ägypten. Dabei wurde aber einmal mehr die Abhängigkeit von Superstar Cristiano Ronaldo deutlich. Erst zwei Tore in der Nachspielzeit sicherten den Erfolg, am Montag wartet in Genf gegen die nicht für die WM qualifizierten Niederlande eine anspruchsvollere Aufgabe.

England mit Zuversicht gegen Italien

Auch bei den Schweizern läuft es derzeit noch nicht wirklich rund. Am Freitag siegte das Team von Trainer Vladimir Petkovic zwar mit 1:0 gegen Griechenland, agierte dabei aber über weite Strecken viel zu passiv und wusste mit Ausnahme des starken Manuel Akanji von Borussia Dortmund kaum einmal zu überzeugen. Man sucht noch nach der Form für die Endrunde. Zum Abschluss der Länderspielwoche empfangen die Eidgenossen am Dienstag WM-Debütant Panama.

Mit einem besseren Gefühl dürfte die Nationalmannschaft Englands in das Spiel gegen Italien gehen. Am Freitag hatte das Team von Gareth Southgate gegen die Niederlande getestet und beim 1:0-Erfolg durchaus zu überzeugen gewusst. Im ungewohnten 3-1-4-2, das Southgate als taktische Alternative für die WM testen wollte, spielte England druckvoll und mutig nach vorne. Einziger Wermutstropfen: Verteidiger Joe Gomez erlitt eine Knöchelverletzung und musste schon nach zehn Minuten ausgetauscht werden. Sein Einsatz gegen Italien ist unwahrscheinlich.

dpa/red | Stand: 26.03.2018, 09:36

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