WM 2026 - wie die Vergabe läuft

Stimmzettel beim FIFA-Kongress 2015

Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2026

WM 2026 - wie die Vergabe läuft

In der kommenden Woche wird die WM 2026 vergeben. Die nordamerikanische Bewerbung gilt als klarer Favorit gegenüber der aus Marokko - doch die ist aus verschiedenen Gründen keinesfalls chancenlos.

Am 13. Juni tritt der 68. FIFA-Kongress in Moskau am Vortag der WM-Eröffnung zusammen. Dort wird der Ausrichter der WM 2026 festgelegt, die USA haben sich gemeinsam mit Kanada und Mexiko genauso beworben wie Marokko. Nach den Skandalen um die Vergabe der Turniere 2018 nach Russland und 2022 nach Katar ist die Abstimmung der sportpolitische Höhepunkt des Jahres.

Wie wird abgestimmt?

211 Verbände gehören der FIFA an. Die vier an den Bewerbungen beteiligten Länder dürfen nicht abstimmen, also gibt es bei 207 Stimmen eine Mehrheit bei 104 Stimmen. Bei Enthaltungen wird die nötige Zahl für eine einfache Mehrheit entsprechend angepasst. Das Stimmverhalten der Verbände wird später von der FIFA veröffentlicht. Damit will der Weltverband vorgeblich Transparenz zeigen. Auf dem Stimmzettel gibt es drei Möglichkeiten: Nordamerika, Marokko oder keiner von beiden.

Sollte eine Mehrheit sich gegen beide Bewerbungen aussprechen, würde das Vergabeverfahren neu eröffnet, die beiden Bewerber wären raus. Spezialfälle laut Abstimmungsverfahren: Wenn alle drei Optionen keine Mehrheit finden, beide Bewerber aber zusammengerechnet mehr Stimmen haben als die Neueröffnung des Vergabeverfahrens, fliegt diese Option in einem zweiten Wahlgang raus. Wenn es in einem zweiten Wahlgang zu einem Gleichstand käme, wäre das Ergebnis aus dem Bericht der Evaluierungskommission ausschlaggebend.

Marokko versuchte mehrfach, einen Ausschluss der Verbände aus Amerikanisch-Samoa, Guam, Puerto Rico und von den Amerikanischen Jungferninseln von der Abstimmung zu erreichen, da diese Außengebiete der USA sind. Die FIFA widersprach den Forderungen Anfang Mai.

Was sagt die FIFA?

Es gab im Vorfeld viel Arbeit im sportpolitischen Hintergrund. Präsident Gianni Infantino betonte seine Neutralität, gilt aber als klarer Befürworter der nordamerikanischen Bewerbung. Die fünfköpfige Evaluierungskommission der FIFA um Vizepräsident Zvonimir Boban stellte die Bewerbung der USA, Kanadas und Mexikos mit 4,0 von 5,0 möglichen Punkten klar vor die Marokkos, die nur 2,7 Punkte erreichte. Vor allem bei den Stadien, dem Transport und den Hotels schnitt Marokko klar schlechter ab. Ein wichtiger Punkt - erst recht, weil 48 Mannschaften teilnehmen werden.

Fußball-WM 2026 - Dreier-Bewerbung um USA besser bewertet als Marokko

Sportschau | 02.06.2018 | 01:21 Min.

Aber auch Katar hatte vor der Vergabe der WM 2022 die schlechtesten Ergebnisse im Prüfbericht - und bekam das Turnier vom skandalumwitterten FIFA-Exekutivkomitee, das nun FIFA-Rat heißt, zugesprochen. Aus diesem Grund wurde der Evaluierungskommission das Recht eingeräumt, Kandidaten vor der Abstimmung auszuschließen. Für Marokko stand dies offenbar auch am Freitagabend noch zur Diskussion. Aber auch das hätte anrüchig wirken können. "Wenn es nur zwei Kandidaten gibt, muss der Kongress die Chance haben, abzustimmen. Wir brauchen keine Gerüchte in einem solchen Prozess", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Der Bericht gibt aber nun jedem Verband eine sachliche Legitimation, für Nordamerika zu stimmen.

Noch kann der FIFA-Rat in seiner Sitzung am 10. Juni in Moskau eine der beiden Bewerbungen nicht für die Abstimmung im Kongress am 13. Juni in Moskau zulassen. Das ist wegen der zu erwartenden öffentlichen Wirkung einer solchen Entscheidung aber zumindest unwahrscheinlich. Sollte es dazu kommen, hätte der Kongress die Wahl zwischen Nordamerika und der Wiedereröffnung des Vergabeverfahrens.

Was spricht für Marokko?

Marokko ist also keinesfalls chancenlos und das liegt auch am Gegner. Amerikas Präsident Donald Trump hat den Ärger vieler Länder auf sich gezogen, indem er einige als "Drecksloch-Staaten" bezeichnete oder ihren Bürgern pauschal die Einreise verweigern wollte.

Die afrikanischen Staaten - die insgesamt 54 Stimmen haben - wollen mit Ausnahme von Südafrika zudem geschlossen für Marokko stimmen, was auch für viele muslimisch geprägte Länder gelten dürfte. Auch aus Europa - mit dem einflussreichen Russland - gab es schon pro-marokkanische Äußerungen. Zählt man diese Stimmen grob zusammen, ist die 104 gar nicht mal so weit entfernt. DFB-Präsident Reinhard Grindel hat immer betont, dass für ihn die Ergebnisse der Evaluierungskommission maßgeblich sind.

Die infrastrukturellen Nachteile verspricht Marokko durch Baumaßnahmen zumindest verkleinern zu wollen und verweist auf den Vorteil, besser an die Zeitzonen des europäischen Fernsehmarktes angepasst zu sein. Ex-Fußballer wie Laurent Blanc oder Lothar Matthäus verpflichtete Marokko für eine Werbekampagne.

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Was spricht für Nordamerika?

Eine Menge, zuerst das Geld. Rund doppelt so hoch wie in Marokko sollen die zu erwartenden Einnahmen von 14,3 Milliarden US-Dollar sein. Vor allem ist spätestens seit dem Prüfbericht der FIFA klar, dass in den USA, Kanada und Mexiko die Zahl der bestehenden, WM-tauglichen Stadien höher und die Infrastruktur in Sachen Transport und Hotels ungleich besser ist. Und in dem Bericht kam Diskriminierung noch gar nicht zur Sprache, Homosexualität beispielsweise ist in Marokko strafbar.

Und auch in die entgegengesetzte Richtung könnte US-Präsident Trump eine Rolle spielen, denn er hat - auch wenn das offiziell untersagt ist - bereits politischen Druck erzeugt und bei Twitter Unterstützung solcher Länder gefordert, die auf anderer Ebene politische Hilfe der USA erhalten.

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nch/dpa | Stand: 04.06.2018, 15:43

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