Große Teams bevorteilt - Streit um WM-Qualifikation in Amerika

Zwei Profiteure des neuen Systems der WM-Qualifikation in der CONCACAF sind die USA und Mexiko.

WM 2022

Große Teams bevorteilt - Streit um WM-Qualifikation in Amerika

Von Chaled Nahar

Die Qualifikation für die WM 2022 in Nordamerika, Mittelamerika und der Karibik erhält einen völlig neuen Modus - und der sorgt für Diskussionen. Kritiker sehen die großen Teams wie die USA und Mexiko unverhältnismäßig bevorteilt.

"Es ist eine Schande", sagt Panamas Technischer Direktor Julio Dely Valdés: "Ich habe diese Nachricht noch immer nicht verdaut - so drastisch wie sie ist." Valdés sprach über den neuen Modus der WM-Qualifikation im Bereich der CONCACAF, also der Konföderation für Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik. Mit dem Format ermittelt die CONCACAF ihre Teilnehmer für die WM 2022 in Katar.

Das Prinzip:

  • Die CONCACAF erhält für ihre insgesamt 35 Mannschaften von der FIFA 3,5 Plätze bei der Endrunde der WM 2022.
  • Die laut FIFA-Weltrangliste besten sechs Mannschaften aus der CONCACAF spielen isoliert in einer Gruppe mit Hin- und Rückspiel. Die ersten drei Mannschaften dieser Gruppe sind direkt für die WM in Katar qualifiziert. Alle festen Plätze der CONCACAF sind damit vergeben.
  • Alle anderen 29 Mannschaften haben keinerlei Zugang zu diesen drei Startplätzen, wie gut sie auch spielen mögen. Sie tragen in acht Vorrundengruppen mit anschließendem Viertelfinale zahlreiche Partien aus, um am Ende eine Mannschaft als Sieger zu küren.
  • Dieser Sieger der 29 restlichen Teams muss dann aber gegen den Viertbesten der Sechsergruppe in Hin- und Rückspiel antreten.
  • Erst der Sieger dieser Begegnung darf dann gegen eine Mannschaft aus Südamerika, Ozeanien oder Asien um einen Platz bei der WM spielen.
  • Im bisherigen Modus hatten noch alle 35 Mannschaften die Chance, sich für die entscheidende Sechser-Gruppe zu qualifizieren.

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Sechs Teams auf der Überholspur, 29 andere abgehängt

Bei Twitter bekommt die CONCACAF zahlreiche erboste Kommentare. Und auch bei einigen sportlich Beteiligten gibt es Unmut. "Wir fühlen uns diskriminiert", sagt Haitis Verbandschef Yves Jean-Bart. Guatemalas Verbandspräsident Gerardo Paiz gibt sich verwundert: "Ich weiß nicht, wer das entschieden hat." Und Direktor Valdés aus Panama sagt: "Wenn die restlichen Verbände der CONCACAF gefragt worden wären, hätten diese wohl kaum zugestimmt."

Der Vorwurf ist klar: Sechs Länder, vor allem die großen Teams wie die USA oder Mexiko, werden auf die Überholspur zur WM 2022 gesetzt. 29 andere Mannschaften werden dagegen im Voraus fast jeder Chance auf eine Qualifikation beraubt. Ein Kleiner kann einen Großen nicht besiegen, wenn er nicht mal gegen ihn spielen darf.

Wer in der privilegierten Sechser-Gruppe dabei sein wird, entscheidet die FIFA-Weltrangliste mit Stand vom Juni 2020. Aktuell wären Mexiko, USA, Costa Rica, Jamaika, Honduras und El Salvador drin. Im Bereich der aktuellen Top Sechs ist man dementsprechend positiver gestimmt, in Costa Rica beispielsweise. "Ich bin glücklich, weil das Format auf Kontinuität ausgelegt ist - und das ist gut für das Land", sagt Nationaltrainer Gustavo Matosas. Sein Team kann kaum noch aus der Sechser-Gruppe verdrängt werden.

Die Befürworter sagen: "So wird jedes Spiel wichtig"

Die Argumente der Befürworter: Die CONCACAF habe zahlreiche sportlich schwache Verbände. Die letzten 14 Plätze der Weltrangliste gehören derzeit zur Hälfte CONCACAF-Mitgliedern wie Montserrat, den Britischen Jungerninseln oder Anguilla. Die meisten dieser Teams seien deshalb in jedem Format früh ohne Chance, der Wettbewerb dadurch oft langweilig. Die Qualität und die Ausgeglichenheit der Spiele sollen nach dem Willen der Verantwortlichen durch die Reform steigen. "Das neue Format macht jedes Spiel wichtig", sagt CONCACAF-Präsident Victor Montagliani aus Kanada. Montagliani ist außerdem Vizepräsident der FIFA.

Doch es gibt Teams zwischen den USA und Mexiko auf der einen Seite sowie Montserrat und Anguilla auf der anderen. Und genau diese Teams in der Mitte trifft die Reform. Leidtragende wären nach aktuellem Stand frühere WM-Teilnehmer wie Panama oder Trinidad und Tobago, der künftige WM-Co-Gastgeber Kanada und auch zwei Viertelfinalisten des CONCACAF-Turniers Gold Cup, Haiti und Curacao. Sie alle haben eine deutlich kleinere Chance auf die WM-Qualifikation als früher.

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Stand: 12.07.2019, 13:30

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