Derby County - "Listiger Deal" mit Wayne Rooney 

Wayne Rooney im Trikot von Derby County

FA-Pokal gegen Manchester United

Derby County - "Listiger Deal" mit Wayne Rooney 

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Wayne Rooney trifft mit seinem neuen Klub Derby County auf sein Ex-Team Manchester United. Englands Rekordtorschütze spielt seit dieser Saison bei dem Zweitligisten – der Transfer ist ein umstrittener PR-Stunt.

Wayne Rooney trägt mittlerweile einen Vollbart und hat ein paar graue Haare bekommen. "Er ist jetzt der weise, alte Mann", hat die Daily Mail neulich über den 34 Jahre alten Rekordtorschützen der englischen Nationalmannschaft und von Manchester United notiert, der Anfang des Jahres von D.C. United in der MLS nach England zurückgekehrt und beim Zweitligisten Derby County als Spieler-Trainer aktiv ist. 

"Verbindung zwischen Trainer-Team und den Spielern"

Rooney soll seine Erfahrung bei den "Rams" einbringen, die den Aufstieg in die Premier League in der abgelaufenen Saison knapp verpasst haben. Und er erlebt an diesem Donnerstag (05.03.2020) ein Treffen mit der Vergangenheit, wenn es im Achtelfinale des FA-Cups im heimischen Pride Park gegen seinen Ex-Verein Manchester United geht. "Wayne bietet Qualität, er ist ein Spieler mit großer Klasse. Er hat Charakter und kann die Verbindung zwischen dem Trainer-Team und den Spielern herstellen", sagt Derbys niederländischer Chefcoach Phillip Cocu, der im Juli den zum FC Chelsea abgewanderten Frank Lampard ersetzt hat.

Es ist eine bemerkenswerte Geschichte, dass Rooney seine Karriere in der zweiten Liga ausklingen lässt und sich dort auf seine Laufbahn als Trainer vorbereitet – auch, weil ihr Zustandekommen hoch umstritten ist. Denn als der aktuelle Tabellen-Dreizehnte Derby County im August die Verpflichtung des Angreifers zum neuen Jahr bekannt machte, verkündete der Verein in der gleichen Mitteilung einen neuen, hoch dotierten Vertrag ("a record-breaking sponsorship deal") mit Hauptsponsor "32Red", einer Spielhalle im Internet. 

Rooneys Rückkennummer ein "Schlupfloch"

Alle Seiten geben an, dass Rooney von dem Klub bezahlt wird, nicht durch den Werbepartner. Doch ohne den neuen Sponsoren-Vertrag wäre es Derby County vermutlich kaum möglich, das für Zweitliga-Verhältnisse luxuriöse Gehalt des Ex-Nationalspielers von angeblich 90.000 Pfund die Woche (umgerechnet rund 103.300 Euro) zu stemmen. Passend zum Sponsor trägt Rooney nicht irgendeine Rückennummer – sondern die Nummer 32. Der Wechsel der England-Legende in die zweite Liga ist (auch) ein PR-Stunt.

Wayne Rooney im Trikot von Derby County

Wayne Rooney im Trikot von Derby County

Die "Rams" sind nicht der einzige Klub im englischen Profi-Fußball, der eng mit einem Buchmacher zusammen arbeitet. Im Gegenteil: Die Hälfte der 20 Vereine der Premier League haben einen Wettanbieter als Hauptsponsor. In der zweiten Liga sind es sogar 17 der 24 Mannschaften. Doch in keinem Fall ist der Transfer eines einzelnen Spielers so eng mit einem Sponsor verbunden wie bei Rooney und dem Online-Casino. 32Red gilt in einer Branche mit zweifelhaftem Ruf als einer der seriöseren Anbieter, trotzdem ist die Kritik groß. 

Die Regierung bezeichnete die Umstände von Rooneys Wechsel in die zweite Liga als "ziemlich listig". Neben Aktivisten, die auf die Risiken von Online-Wetten aufmerksam machen wollen, meldete sich sich auch die Church of England zu Wort. Fachleute beklagten, dass 32Red mit Rooneys Rückennummer "ein Schlupfloch" in den Regeln für die Platzierung und die Größe von Sponsoren-Logos auf Trikots nutze. Der englische Verband, die FA, hat an dem Vorgang allerdings nichts zu beanstanden.

Dauerbrenner

Rooney und der Wettanbieter geben sich Mühe, ihrer speziellen Verbindung einen positiven Anstrich zu verleihen. Kurz nach der Ankunft des Ex-Nationalspielers bei seinem neuen Klub brachte 32Red ein Video auf den Markt, in dem Rooney seine Probleme mit Spielsucht in den jungen Jahren seiner illustren Karriere offenbarte. Bei Auswärtsreisen mit Manchester United und bei der Nationalmannschaft hätte er aus Langeweile viel gewettet. "Bevor man es merkt, hat man eine ordentliche Summe verloren", berichtete er. Seine Worte sind als Warnung gedacht.

Auf dem Rasen hat sich der prominente Zugang gut bei Derby County eingeführt. Trainer Cocu stattete Rooney mit der Kapitänsbinde aus. Seit seiner Ankunft Anfang des Jahres hat der Stürmer alle Spiele bestritten, mit einer Ausnahme über die vollen 90 Minuten, und steht nach 14 Partien bei vier Toren. Für das Treffen mit seinem Ex-Verein, mit dem er in 13 Jahren unter anderem fünf Mal die Meisterschaft und einmal die Champions League gewann, hat er sich viel vorgenommen. "Für diese 90 oder 120 Minuten will ich, dass sie verlieren und wir weiterkommen", sagt Rooney. Der "weise, alte Mann" - und demnach auch seine Rückennummer - werden dabei besonders im Blickpunkt stehen.

Stand: 05.03.2020, 08:32

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