Kampf um die Königsklasse - Tuchel sitzt Klopp im Nacken

Jürgen Klopp bei  einem Spiel im Stadion

FC Liverpool taumelt durch die Premier League

Kampf um die Königsklasse - Tuchel sitzt Klopp im Nacken

Von Christian Hornung

Wenn Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool auch die Partie gegen Leicester City (Samstag, 13.30 Uhr) verliert, hat das für den Trainer sogar einen kleinen Vorteil. Die nervigen Fragen nach der Meisterschaft wird er dann nicht mehr beantworten müssen.

Ganz ohne Antworten wird er aber auch nicht durch die Saison kommen. Denn es drängt sich gleich die nächste Frage auf: Verpasst der strahlende Champions-League-Sieger von 2019 zwei Jahre später sogar komplett die Königsklasse? An der Antwort darauf wirkt ausgerechnet sein Nachfolger beim 1. FSV Mainz 05 und bei Borussia Dortmund mit.

Tuchel fehlt nur noch ein Punkt

Thomas Tuchel hat beim FC Chelsea seit seinem Amtantritt vor zwei Wochen einen wunderbaren Start hingelegt. Dem 0:0 gegen die Wolverhampton Wanderers folgten keine glanzvollen, aber beeindruckend effektive Auftritte gegen den FC Burnley (2:0), bei den Tottenham Hotspurs (1:0) und bei Sheffield United (2:1). Zehn Punkte aus den vergangenen vier Spielen, das war den "Reds" nicht vergönnt.

Klopps schwere Zeit mit Liverpool: "Müssen uns durchkämpfen" Sportschau 12.02.2021 00:43 Min. Verfügbar bis 12.02.2022 Das Erste

Als es nach den Siegen gegen Tottenham und West Ham United gerade so aussah, als wäre die Herbst-Depression überwunden und der Meistertitel vielleicht doch noch einmal die ein oder andere Frage wert, gab es die peinliche Heimpleite gegen Brighton & Hove Albion und anschließend das ernüchternde 1:4 gegen Manchester City.

Jetzt wackelt sogar Alisson Becker

Alisson Becker ist frustriert, Ilkay Gündogan feiert sein Tor

Ilkay Gündogan feiert sein Tor - und Alisson Becker ist frustriert

Dabei war da lange Zeit gar nicht mal alles schlecht. In den ersten 30 Minuten war Liverpool mindestens gleichwertig, hätte in Führung gehen können, ehe ausgerechnet eine sichere Bank komplett havarierte. Alisson Becker, Ex-Welttorhüter und neben dem Langzeitverletzten Virgil van Dijk Garant für die Meisterabwehr der Roten, klatschte erst einen Ball vor die Füße von Ilkay Gündogan und leitete am Ende noch zwei weitere Gegentreffer durch hanebüchene Fehlpässe ein.

Wenn van Dijk fehlt und Becker taumelt, kann Liverpool ganz sicher nicht Meister werden, zu träge und überspielt schleppt sich gerade auch die über zwei Jahre durchweg brillierende Offensive um Sadio Mané, Firmino und Mo Salah über den Rasen. Diogo Jota wurde zur Entlastung des Tor-Trios gekauft, startete mit neun Treffern in den ersten 17 Spielen überragend, ist aber aktuell durch eine Knieverletzung aus dem vergangenen Champions-League-Gruppenspiel beim FC Midtjylland für zwei Monate außer Gefecht.

Nur noch einen Punkt vor Chelsea

Tabellarisch stellt sich das aktuell so dar: zehn Punkte Rückstand auf City, ein Spiel mehr und als Vierter nur noch einen Zähler vor Chelsea. Der Meistertitel? Weit entfernt.

Der isrealische Reporter Niv Dovrat vom TV-Sender "Sport 1" nahm dennoch all seinen Mut zusammen und fragte, ob sich Klopp trotz der niederschmetternden Heimpleite irgendein Szenario vorstellen könne, in dem die "Reds" noch einmal in Sachen Titelverteidigung anzugreifen vermögen.

Das fand Klopp ausgesprochen unpassend, und er formulierte das auch so. "Ich glaube wirklich, dass Sie Ihren Job besser vorbereiten sollten", schimpfte er. Und fragte zurück: "Wie können Sie das fragen? City ist nach meinem Verständnis 13 Punkte weg. Diese Frage nach der Meisterschaft - wie können Sie denken, dass das eine geeignete Frage ist im Moment? Sie haben nur zwei Fragen, und Sie verschwenden eine dafür."

Klopp: "Ja, das versuchen wir"

Immerhin: Herr Dovrat knickte nicht etwa beleidigt ein, sondern hakte nach. Ob sich Liverpool nun eher mit einer Platzierung unter den Top-Vier beschäftige, lautete die zweite seiner beiden Fragen. Klopp antwortete kurz angebunden: "Ja, das ist offensichtlich. Das versuchen wir."

Am Tag vor dem Leicester-Spiel musste er erneut Stellung beziehen. Klopp begann mit einer weiteren schlechten Nachricht: Nach van Dijk und Joe Gomez bricht ihm aus der Abwehr nun auch Fabinho weg - er leide unter einer Muskelverletzung.

Kabak wohl noch kein Thema

Die beiden nachverpflichteten Ozan Kabak von Schalke 04 und Ben Davies vom Zweitligisten Preston North End sind vermutlich noch keine Alternativen für so ein Spitzenspiel. Der Coach sieht sie aber für die kommenden Wochen schon als Alternative: "Mit den Jungs hatten wir nun ein paar Trainingseinheiten, in denen wir an der defensiven Abstimmung arbeiten konnten. Das war wichtig."

Durch die Situation kämpfen

Ob er den mentalen und körperlichen Zustand mit seiner Mannschaft besprochen habe, wurde Klopp auch noch gefragt. Er räumte ein: "Ja, wir haben ungefähr einmal über Selbstvertrauen gesprochen, und ich war danach nicht wirklich glücklich, diese Schublade aufgemacht zu haben. Aber es war das, was ich an diesem Tag gesehen habe. Wir haben auch einmal darüber gesprochen, wie es mit der Müdigkeit aussieht - aber das ist alles, um ehrlich zu sein."

Klopps Fazit: "Es ist eine wirklich schwierige Situation. Aber das einzige, was wir wirklich tun können, ist sich durch diese Situation durchzukämpfen."

Stand: 12.02.2021, 18:09

Premier League

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2.Manchester Utd.2854
3.Leicester City2853
4.FC Chelsea2850
5.West Ham United2748
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18.FC Fulham2826
19.West Bromwich2818
20.Sheffield United2814
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