Auch in Madrid ist das Copa-Finale ein Hochrisiko-Spiel

Fans der Boca Juniors

Mehr Sicherheitskräfte als beim "Clasico" zwischen Real und Barca

Auch in Madrid ist das Copa-Finale ein Hochrisiko-Spiel

Auf den ersten Blick schien alles wie immer. Als der Teambus der Boca Juniors vor dem Mannschaftshotel stoppte, lachte Starstürmer Carlos Tevez den johlenden und hüpfenden Fans zu, die blau-gelben Schals wirbelten durch die Luft. Aber in Wahrheit ist gar nichts wie immer.

Der lautstarke Empfang fand nicht in der Heimat Buenos Aires, sondern in Madrid statt. Die Spieler hatten einen mehr als elfstündigen Flug in den Knochen, um endlich das Rückspiel um den Titel in der Copa Libertadores zu bestreiten.

Rund 10.000 Kilometer von der Keimzelle aller Rivalität entfernt streiten am Sonntag (09.12.2018) im Estadio Santiago Bernabeu, wo Real Madrid als aktueller Fußballkönig Europas regiert, River Plate und Boca Juniors um Südamerikas Klubkrone.

Feige Attacke auf den Boca-Bus

Doch die Entscheidung, das Stadtderby von Buenos Aires zwischen dem Klub der Arbeiterklasse und den "Los Millonarios" nach den Krawallen vom 24. November ins Ausland zu verlegen, stößt nicht auf viel Gegenliebe.

"Komisch, hier in Madrid zu sein", sagte Boca-Präsident Daniel Angelici unmittelbar nach der Landung, und Argentiniens Fußball-Idol Juan Roman Riquelme, früher selbst jahrelang im Boca-Trikot aktiv, schimpfte bei "Radio Mitre": "Sie haben es uns weggenommen. Ich denke, das Finale muss in unserem Land gespielt werden." Doch jetzt werde die Partie zum "teuersten Freundschaftsspiel der Geschichte".

Doch von Freundschaft kann keine Rede sein. Nicht zuletzt, weil eine feige Attacke von River-Fans mit Wurfgeschossen auf den Boca-Teambus vor dem eigentlich geplanten Rückspiel das nicht nur am Rio de la Plata als "Superfinal" angepriesene Endspiel der Copa Libertadores zur Farce gemacht hat. Dabei hatte das 2:2 im ersten Duell noch alle elektrisiert.

"Superclasico" ein Desaster

Gerade für Südamerikas CONMEBOL ist der "Superclasico" ein Desaster. Der Verband agierte am Wochenende der Ausschreitungen chaotisch: mit Verzögerung, Verschiebung und erst dann endgültiger Absage. Und nun also die Flucht nach Madrid.

"Wir treffen in Spanien die Neutralität an, die wir gesucht haben. Madrid hat alles, was für die Partie nötig ist", sagte CONMEBOL-Boss Alejandro Dominguez: "Spanien ist das Land mit der größten argentinischen Gemeinde außerhalb der Heimat. Madrids Flughafen hat die meisten Verbindungen nach Lateinamerika." Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten.

Nachspiel schon garantiert

"Unsere Einsprüche laufen getrennt vom Finale weiter. Wir werden vor alle Instanzen ziehen", versprach Angelici schon vor dem Anpfiff ein Nachspiel. Für die Sicherheitskräfte in Madrid ist der argentinische Klassiker schlicht "das Aufeinandertreffen mit dem größten Risiko in der Geschichte der Stadt", wie die Zeitung "El Pais" schrieb.

Deshalb kommen mehr Polizisten zum Einsatz als beim spanischen "Clasico" zwischen Real und dem Erzrivalen FC Barcelona, ein Sicherheitsgürtel zwischen den beiden rivalisierenden Fangruppen soll Ausschreitungen verhindern.

Angst vor erneuten Krawallen

Die Angst vor erneuten Krawallen wurde am Donnerstag (06.12.2018) aber noch geschürt. Nach übereinstimmenden Medienberichten erteilte eine argentinische Richterin dem früheren Anführer der extremen Fangruppe "La Doce", Rafael Di Zeo, überraschend eine Ausreisegenehmigung nach Spanien. Ob er jedoch einreisen darf, ist fraglich: Eine weitere berüchtigte Fan-Größe, Maxi Mazzaro, soll die Polizei am Madrider Flughafen schon direkt nach der Landung wieder nach Argentinien zurückgeschickt haben.

sid/red | Stand: 07.12.2018, 11:14

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