Infantino-Verfahren - wie reagiert die FIFA?

Gianni Infantino

FIFA-Skandal

Infantino-Verfahren - wie reagiert die FIFA?

Gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde ein Strafverfahren eröffnet. Aber wie reagiert die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes?

Bei Joseph Blatter dauerte es damals 13 Tage. Der inzwischen 84-Jährige hatte zum Herbstanfang 2015 keine zwei Wochen nach der Eröffnung des Strafverfahrens durch die Schweizer Bundesanwaltschaft, ehe er von der Ethikkommission seines Fußball-Weltverbandes aus dem Verkehr gezogen wurde. Zunächst provisorisch für 90 Tage, später für Jahre.

Gegen Blatters Nachfolger als FIFA-Präsident, Gianni Infantino, läuft seit Donnerstag (30.07.2020) das Verfahren der Justiz, zwar wegen gänzlich anderer Vorwürfe - doch bleibt die drängendste Frage: Wie reagieren die FIFA-Ethiker?

Infantino - Droht ihm Ärger von der FIFA?

Sportschau 31.07.2020 03:03 Min. Verfügbar bis 31.07.2021 ARD Von Dietrich Karl Mäurer

Keine automatische Sperre vorgeschrieben

Blatter meint: "Der Fall ist klar. Jetzt muss auch die FIFA-Ethikkommission ein Verfahren gegen Gianni Infantino einleiten und ihn suspendieren", sagte er am Donnerstag (30.07.2020) der Deutschen Presse-Agentur.

Im sogenannten "Ethikreglement" des Weltverbandes ist aber nicht festgeschrieben, dass wegen der Eröffnung eines Strafverfahrens automatisch eine (provisorische) Sperre ausgesprochen werden muss. Grundsätzlich ist unter anderem vorgeschrieben, dass "diesem Reglement unterstellte Personen sich der möglichen Wirkung ihres Verhaltens auf das Ansehen der FIFA bewusst sein und sich deshalb jederzeit würdevoll, ethisch, absolut glaubwürdig und integer verhalten" müssen.

Infantino weist Vorwürfe zurück

Infantino werden wegen geheimer Treffen mit dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber, Anstiftung zum Amtsmissbrauch, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses und Anstiftung zur Begünstigung vorgeworfen. Angeklagt wird neben dem FIFA-Chef zudem ein bei den Treffen ebenfalls anwesender Oberstaatsanwalt. Auch gegen Lauber soll ein Strafverfahren eröffnet werden, er ist aber noch bis Ende Januar 2021 im Amt und deshalb vor Strafverfolgung geschützt.

Infantino weist die Vorwürfe zurück und betont, mit den Treffen seiner "wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der FIFA" nachgekommen zu sein. Zum Zeitpunkt der Treffen ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen frühere FIFA-Funktionäre wegen Korruption.

Damalige Kommission ist inzwischen ausgetauscht

Blatter war vor fünf Jahren wegen einer dubiosen Millionenzahlung der FIFA an den damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini ins Visier der Ermittler geraten. Beide kostete das bis dahin größte Beben der FIFA-Geschichte die Zukunft auf höchster Fußball-Ebene.

Mit den beispiellosen Sperren der beiden ranghöchsten Funktionäre festigte die damalige Ethikkommission den Eindruck der Unabhängigkeit. Im Mai 2017 wurden Ermittlungschef Cornel Borbély und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Leiter der rechtssprechenden Kammer von Infantino geschasst.

Bleibt die neue Ethikkommission "untätig"?

Seitdem tritt die Ethikkommission kaum noch öffentlich in Erscheinung. Die Ermittlungskammer leitet die Kolumbianerin Maria Claudia Rojas, früher Präsidentin des Staatsrats ihres Heimatlandes. Die Rechtsprechung wird vom früheren Präsidenten des Europäischen Gerichtshofes, Vassilios Skouris (Griechenland), verantwortet.

Beiden wurde immer wieder Untätigkeit vorgeworfen - vor allem mit Blick auf Infantino, zuletzt in Zusammenhang mit einem fragwürdigen Privatjet-Flug vor zwei Jahren, über den die "Süddeutsche Zeitung" ausführlich berichtet hatte.

Medienanfragen an die Kommission laufen inzwischen ausschließlich über die Pressestelle der FIFA, die auch Entscheidungen verkündet. Grundlage für provisorische Sperren ist Punkt 84 des Reglements: "Der Vorsitzende der Untersuchungskammer (...) kann zu einem beliebigen Zeitpunkt während der Untersuchung vorsorgliche Sanktionen verhängen, um zu gewährleisten, dass das Untersuchungsverfahren nicht beeinträchtigt wird, oder wenn ein Verdacht auf ein Vergehen besteht und ein rechtzeitiger Entscheid im ordentlichen Verfahren zweifelhaft erscheint."

FIFA: Chef-Ermittler Lauber tritt zurück Mittagsmagazin 29.07.2020 01:56 Min. Verfügbar bis 29.07.2021 Das Erste Von Henning Winter

dpa/red | Stand: 31.07.2020, 08:40

Darstellung: