Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Infantino eröffnet

FIFA-Präsident Gianni Infantino

FIFA-Skandal

Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Infantino eröffnet

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino eröffnet.

Dabei geht es um drei nicht protokollierte Geheimtreffen zwischen Infantino und dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber, die 2016 und 2017 stattgefunden haben. Die Treffen sollen auf Wunsch Infantinos arrangiert worden sein - zu diesem Zeitpunkt leitete Lauber aber mehrere Verfahren im Bereich des Weltfußballs, darunter auch das im Sommermärchen-Skandal um die WM-Vergabe 2006 nach Deutschland, das Ende April dieses Jahres wegen Verjährung eingestellt wurde. 

Auch gegen den Waliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold wird ein Strafverfahren eröffnet. Gegen ihn wurde schon länger wegen des Verdachts der Vorteilsnahme und eventuellen passiven Bestechung ermittelt. Er soll die Treffen zwischen Infantino und Lauber arrangiert haben und dafür von Infantino mit teuren Geschenken bedacht worden sein.

Infantino - Droht ihm Ärger von der FIFA?

Sportschau 31.07.2020 03:03 Min. Verfügbar bis 31.07.2021 ARD Von Dietrich Karl Mäurer

Aufhebung von Laubers Immunität gefordert

"Der außerordentliche Staatsanwalt des Bundes stellt deshalb der Immunitätskommission des Nationalrats und der Rechtskommission des Ständerats Antrag zur Erteilung der Ermächtigung für die Durchführung eines Strafverfahrens gegen Bundesanwalt Michael Lauber. Parallel dazu eröffnet Stefan Keller ein Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino und den Walliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold, die keine Immunität genießen", heißt es in der Mitteilung der Aufsichtsbehörde der Bundesanwaltschaft. Stefan Keller ist Präsident des Ober- und Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden.

Anzeichen für ein strafbares Verhalten

Gegen Lauber, Infantino und weitere Personen waren zahlreiche Strafanzeigen eingegangen. Nun hat Keller die Prüfung von zwei dieser Anzeigen abgeschlossen: Er kommt zum Schluss, dass im Zusammenhang des Treffens von Lauber mit dem FIFA-Präsidenten und dem Walliser Oberstaatsanwalt Anzeichen für ein strafbares Verhalten bestehen. Es geht dabei um Amtsmissbrauch, Verletzung des Amtsgeheimnisses, Begünstigung und die Anstiftung zu diesen Tatbeständen.

Infantino wollte zur "Aufklärung beitragen"

Die FIFA teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass man die Eröffnung des Verfahrens zur Kenntnis genommen habe und der Weltverband sowie ihr Präsident umfassend mit den Behörden kooperieren würden.

FIFA-Präsident Gianni Infantino

FIFA-Präsident Gianni Infantino

Infantino selbst verweist auf die damalige Situation der FIFA und wird in der Mitteilung zitiert: "Die Treffen mit dem Bundesanwalt sollten zur lückenlosen Aufklärung beitragen. Zum damaligen Zeitpunkt waren über zwanzig Verfahren gegen ehemalige FIFA-Mitglieder anhängig. Dieser wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der FIFA bin ich nachgekommen und werde dies auch weiter tun.“

Außerdem hätten Treffen von FIFA-Offiziellen mit Justizbehörden in den USA beispielsweise zu über 40 strafrechtlichen Verurteilungen geführt, so der FIFA-Präsident. Bereits vor einem Monat hatte Infantino erklärt: "Ein Treffen mit dem Bundesanwalt der Schweiz ist völlig legitim und völlig legal. Es ist keine Verletzung von irgendetwas. Im Gegenteil, es gehört auch zu den treuhänderischen Pflichten des FIFA-Präsidenten."

Lauber hat Rücktritt bereits angekündigt

Erst am Mittwoch (29.07.2020) hatte Bundesanwalt Lauber seinen Rücktritt für den kommenden Januar angekündigt. Durch ausstehende Urlaubsansprüche wäre sein Posten bereits im August frei geworden.

FIFA: Chef-Ermittler Lauber tritt zurück Mittagsmagazin 29.07.2020 01:56 Min. Verfügbar bis 29.07.2021 Das Erste Von Henning Winter

red/sid/dpa | Stand: 30.07.2020, 18:05

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