Ceferin kritisiert Video-Assistenten: "Mit großer Nase bist du im Abseits"

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

UEFA-Präsident

Ceferin kritisiert Video-Assistenten: "Mit großer Nase bist du im Abseits"

Von Chaled Nahar

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat mit bemerkenswert deutlichen Worten den Video-Assistenten kritisiert. Er sei kein Fan, sagte er. "Wenn du eine große Nase hast, bist du im Abseits." Nun will Ceferin eine Toleranzgrenze beim Abseits fordern.

Im Anschluss an die Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees in der Zentrale der UEFA am Mittwoch (04.12.2019) hatte Ceferin zunächst die Ausweitung der Nutzung des Video-Assistenten verkündet. Bei den Playoffs zur EM 2020, in denen die vier letzten Teilnehmer des Turniers und auch ein Gegner der deutschen Mannschaft ermittelt wird, werde der Video-Assistent zum Einsatz kommen. Die Spiele finden Ende März 2020 statt. Auch bei der europäischen Qualifikation zur WM 2022 in Katar soll der Video Assistant Referee (VAR) genutzt werden. Dann aber holte der UEFA-Präsident zu seiner großen Bestandsaufnahme aus.

"Wir haben Angst, dass sich das Spiel zu sehr verändert"

"Das Spiel verändert sich", sagte Ceferin. "Und wir haben Angst, dass es sich zu sehr verändert." Er glaube immer noch, dass Fußball Unsicherheit brauche, sagte der Slowene. "Die Schiedsrichter sollten die Verantwortung haben. Nicht irgendwelche Leute, die versteckt in einem Übertragungswagen oder in einem Gebäude 500 Kilometer vom Stadion entfernt sitzen."

Ceferin beklagte im Detail, was ihn stört. Die Abseitslinien seien ihm zu genau, denn ein Zentimeter Abseits verändere die Spielsituation nicht. Auch das unterschiedliche Vorgehen in den Ligen ärgere ihn. Während in England der Gang zum Monitor geradezu ausgeschlossen sei, werde in Italien "die ganze Zeit alles überprüft". Er könne mit Unsicherheit leben, sagte Ceferin. "Schiedsrichter sind Menschen, die Fehler machen. Wenn die Technik Fehler produziert, ist das ein größeres Problem."

Der Angriff auf den Video-Assistenten war offenbar kein spontaner Ausbruch. Am Vorabend der Sitzung veröffentlichte die englische Zeitung "Mirror" ein Interview mit Ceferin, in dem er sein Unbehagen ebenfalls ausdrückte: "Ich bin kein Fan. Ich war skeptisch und ich kann nicht sagen, dass ich das Ergebnis mag. Wenn du eine große Nase hast, bist du heutzutage im Abseits." Er fügte an: "Aber leider gibt es keinen Weg zurück."

Ceferin fordert 10 bis 20 Zentimeter Spielraum beim Abseits

Ceferin kündigte an, den Regelhütern des IFAB Vorschläge zu Änderungen beim Video-Assistenten zu machen. Im "Mirror" wird Ceferin zitiert, dass er sich eine Toleranzgrenze beim Abseits von "10 bis 20 Zentimetern" wünsche. Dass das die Diskussion wohl nur um 10 bis 20 Zentimeter verschieben würde, blieb unerwähnt. Genauer eingehen wollte Ceferin, der sich zudem über Unklarheiten beim Handspiel beklagte, auf Änderungsvorschläge nicht. Am 29. Februar 2020 findet die Generalversammlung des IFAB statt, bei der Regeländerungen im Fußball beschlossen werden können.

Der Video-Assistent wurde 2018 im Vorfeld der Weltmeisterschaft vor allem auf Drängen der FIFA nach einer Testphase in das Regelwerk des Fußballs aufgenommen - auch mit vier Stimmen aus den UEFA-Verbänden England, Schottland, Wales und Nordirland, die im IFAB stimmberechtigt sind. Im Februar entscheidet das IFAB auch, ob eine öffentlichere Kommunikation beim Video-Assistenten gestestet werden soll, beispielsweise mit Durchsagen des Schiedsrichters im Stadion.

Stand: 04.12.2019, 18:43

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