Vor dem Kongress - die UEFA muss sich positionieren

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

UEFA-Kongress in Rom

Vor dem Kongress - die UEFA muss sich positionieren

Von Chaled Nahar

Die UEFA will auf ihrem Kongress in Rom Aleksander Ceferin als Präsidenten bestätigen. Die deutlich spannenderen Fragen sind jedoch im Hintergrund zu klären - vor allem in Bezug auf die Positionierung zur FIFA und deren Präsidenten.

Aleksander Ceferin will Präsident bleiben, einen Gegenkandidaten gibt es nicht am Donnerstag (07.02.2019), wenn sich die Vertreter der 55 Mitgliedsverbände der UEFA in Rom zum Kongress treffen. Die Wiederwahl des 51-Jährigen gilt als sicher. Ebenfalls ohne Gegenkandidat steht DFB-Chef Reinhard Grindel zur Wiederwahl, er soll die UEFA für weitere vier Jahre im FIFA-Rat vertreten.

Die wirklich spannenden Fragen sind aber abseits der Tagesordnung im Hintergrund zu klären, denn die UEFA muss sich intern wie extern positionieren.

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Die UEFA und die Expansionspläne Infantinos

Eine WM mit 48 statt 32 Mannschaften, eine weltweite Nations League, eine Klub-WM mit 24 Teams alle vier Jahre - so lauten kurz gesagt die größten Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino, um dem Fußball insgesamt zu noch mehr Geld zu verhelfen. Kritiker sprechen von einem Ausverkauf des Fußballs, denn ein Angebot von 20 Milliarden Euro soll durch ein nicht genau benanntes Konsortium allein für die Nations League und die Klub-WM vorliegen.

FIFA-Präsident Gianni Infantino

FIFA-Präsident Gianni Infantino

Aus der UEFA gibt es kritische Stimmen. Allerdings hat sie dabei wohl vor allem Angst um die eigenen Einnahmequellen. Denn an einer Konkurrenz zur EM und zur Champions League, wo in Europa das große Geld gemacht wird, ist die UEFA naturgemäß wenig interessiert. Weltweit steht die UEFA mit ihrer Kritik jedoch eher alleine da. Vor allem in Südamerika und Afrika hat Infantino für seine Ideen viele Unterstützer. Im FIFA-Rat hält die UEFA neun von 37 Sitzen - der Einfluss dürfte zumindest zahlenmäßig zu klein sein.

Die UEFA und die Wahl zum FIFA-Präsidenten 2019

Das gilt auch bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten. Zuletzt tat sich in den Medien mit dem Schweizer Ramon Vega ein möglicher Gegenkandidat hervor. Er braucht die Unterstützung von fünf Landesverbänden, die er bis Dienstag (05.02.2019) bei der FIFA vorweisen muss. Infantino zu kritisieren ist einfach, sich auf einen Gegenkandidaten zu einigen und zu unterstützen wäre aber eine neue Eskalationsstufe im Streit.

Sollte die Kandidatur Vegas zustande kommen, müssten sich die Länder aus der UEFA auch öffentlich Stellung beziehen - für oder gegen Infantino. Der DFB wollte sich vorab auf kein Wahlverhalten oder eine Ausrichtung festlegen. Am 5. Juni wird in Paris beim FIFA-Kongress gewählt. Infantinos Wahl gilt allein deshalb als höchstwahrscheinlich, weil er den Nationalverbänden Geschenke machte - wie die Aufstockung der WM-Endrunde, die spätestens 2026 in Nordamerika vollzogen werden soll.

Die UEFA und ihr Financial Fairplay

Die Enthüllungen durch die "Football Leaks" brachten einige mögliche Verstöße gegen das "Financial Fairplay" ans Licht. Das soll überprüfen, ob in einem Zeitraum von drei Jahren die Ausgaben eines Klubs die Einnahmen nicht übersteigen. An der Regel gibt es Kritik, da sie angeblich vor allem kleinere Klubs bestrafe und große schütze. Und laut "Football Leaks" sollen Verstöße von Manchester City und Paris Saint-Germain nicht geahndet worden sein.

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi

Nun soll auch noch ein Vertreter von Paris Saint-Germain dorthin kommen, wo die Regeln des "Financial Fairplay" festgelegt werden. PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi wurde von der Vereinigung der europäischen Topclubs ECA bestimmt, einen der zwei ihr zustehenden Sitze einzunehmen. Und das, obwohl gerade gegen ihn und PSG in Sachen "Financial Fairplay" durch die UEFA ermittelt wird. "Die Wahl muss zurückgewiesen werden, weil sie alle vernünftigen Regeln der Führung verletzt", sagt Javier Tebas, Chef der spanischen Liga. Der Kongress muss der Berufung des Mannes aus Katar in Europas Fußball-Konföderation noch zustimmen.

Die UEFA und die Klubs

Das Verhältnis der UEFA zu den Spitzenklubs ist angespannt. Bei der Reform der Champions League hat sie den großen Klubs aber große Gefallen getan - und sah sich am Ende trotzdem mit Überlegungen um die Gründung einer europäischen "Super League" konfrontiert.

Die Personalie Al-Khelaifi stellt das Verhältnis zu den Klubs genauso auf den Prüfstand wie die Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit. Wahrscheinlich ist deshalb, dass der Kongress Al-Khelaifis Berufung zustimmt, denn ein interner europäischer Konflikt wäre keine Hilfe im Streit mit der FIFA. Das UEFA-Exekutivkomitee hätte dann 20 Mitglieder, derzeit sind es 17.

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Die UEFA und die eigene Zukunft

Einige weitere Entscheidungen stehen für den Kongress an. Sechs Plätze im FIFA-Rat inklusive der Plätze von Ceferin und Grindel werden vergeben. Florence Hardouin steht als einzige Frau "für den Sitz eines weiblichen Mitglieds im UEFA-Exekutivkomitee" zur Wahl. Für sieben weitere Plätze haben sich zehn Männer beworben, vier von ihnen stehen zur Wiederwahl.

Bereits am Mittwoch tagt das Exekutivkomitee der UEFA in seiner alten Zusammensetzung ebenfalls in Rom. Auf der Agenda: Die Erweiterung des Teilnehmerfeldes der U21-EM von 12 auf 16 Mannschaften und eine Debatte um die Abschaffung der Auswärtstorregel im Europapokal.

Die UEFA und der Video-Assistent

Fast ein Nebenaspekt: Erstmals wird in einem UEFA-Wettbewerb der Video-Assistent eingeführt. Ab dem Achtelfinale der Champions League wird das Hilfsmittel in Betrieb genommen. Dabei geht es nicht nur um Genauigkeit und korrekte Entscheidungen - sondern auch ums Prestige. Der von der FIFA praktizierte Video-Assistent bei der WM 2018 wurde weitgehend positiv aufgenommen, obwohl durchaus ein anderer Verlauf erwartet worden war. Die UEFA will nun natürlich ein ähnlich gut funktionierendes System vorlegen.

Die gute Nachricht für die UEFA: Wie bei der WM wird Roberto Rosetti, Chef der UEFA-Schiedsrichterkommission, die Angelegenheit organisieren. Bereits am Mittwoch will er der Öffentlichkeit erklären, wie der Video-Assistent ablaufen soll. Bisher bekannt wurde, dass die Assistenten vor Ort in einem Übertragungswagen sitzen werden und nicht in einem "Kölner Keller".

Stand: 04.02.2019, 15:29

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