Viel Geld - wenig Erfolg? - Die Bilanz der Top-Transfers

Atleticos Joao Felix

Nicht alle schlagen ein

Viel Geld - wenig Erfolg? - Die Bilanz der Top-Transfers

Von Robin Tillenburg

Zusammen haben sie fast eine Milliarde Euro gekostet - aber von den zehn teuersten Transfers des vergangenen Sommers haben nach einem Jahr nicht wirklich viele richtig eingeschlagen.

Joao Felix (126 Millionen Euro, Benfica Lissabon zu Atletico Madrid)

Der teuerste Transfer des letzten Sommers war auch noch der jüngste unter den Top-Wechseln. Joao Felix ging im Alter von damals 19 Jahren von Benfica Lissabon in die spanische Hauptstadt. Nur drei Ligapartien absolvierte der Portugiese über die vollen 90 Minuten, schoss bei insgesamt 34 Pflichtspieleinsätzen acht Tore und bereitete drei vor. Trainer Diego Simeone warb jüngst um Geduld, man sei "zu 100 Prozent von seinem Talent überzeugt." In den gewohnt ungeduldigen spanischen Sportmedien hieß es zuletzt, Felix sei zu egoistisch, die "Marca" listete seine "sieben Todsünden" auf. Ganz so dramatisch waren seine Leistungen dann doch nicht, aber gemessen an seiner Transfersumme muss der Angreifer sich im nächsten Jahr definitiv steigern.

Antoine Griezmann (120 Millionen Euro, Atletico Madrid zu FC Barcelona)

Griezmanns Transfer zu Ligakonkurrent Barcelona war für Atletico der "Türöffner" für die Felix-Verpflichtung. Im Nachhinein muss man konstatieren, dass es für alle Beteiligten zumindest in dieser Saison eventuell sportlich besser gelaufen wäre, wenn man die Transfers nicht getätigt hätte. Obwohl der Franzose mit 15 Treffern und vier Vorlagen in 46 Einsätzen für die Katalanen auf dem Papier zumindest solide agierte, sieht das auf dem Rasen anders aus. Griezmann hat seine Rolle weder unter Ernesto Valverde noch unter Quique Setién gefunden und in den letzten zwölf Ligapartien nur noch ein einziges Tor erzielt. Dass Barca in Griezmanns erstem Jahr möglicherweise erstmals seit zwölf Saisons ohne Titel bleiben wird, hatte sich der 29-Jährige wohl auch nicht unbedingt ausgemalt.

Eden Hazard (100 Millionen Euro, FC Chelsea zu Real Madrid)

So ganz fair kann man die erste Saison von Eden Hazard im Trikot von Real Madrid nicht bewerten. Der Belgier hatte von Beginn an mit Verletzungssorgen zu kämpfen und musste sich mit vier verschiedenen Blessuren herumschlagen, die dafür sorgten, dass er insgesamt 19 Spiele verpasste, auch sonst nie richtig fit wurde und oft ausgewechselt werden musste. Dementsprechend waren seine Leistungen durchwachsen, genau wie die Zahlen mit sieben Scorerpunkten in 20 Spielen.

Harry Maguire (87 Millionen Euro, Leicester City zu Manchester United)

Harry Maguire von Manchester United

Harry Maguire von Manchester United

Harry Maguire wurde im Sommer zum teuersten Verteidiger der Welt. Das ist eine Bürde, der der manchmal leicht hölzern wirkende Engländer nicht in jeder Aktion entspricht. Dennoch hat Maguire im Kader von Manchester United sofort eine tragende Rolle übernommen, absolvierte sagenhafte 48 Pflichtspiele, sammelte über 700 Einsatzminuten mehr als der in dieser Kategorie bei Manchester zweitplatzierte Victor Lindelöf. Auch wenn TV-Experte Rafael van der Vaart jüngst erneut gegen den 27-Jährigen schoss: "Ich glaube, Maguire geht jeden Tag nach Hause und erzählt seiner Frau: 'Ich kann nichts dafür, aber ich verdiene so viel. Sie glauben wirklich, dass ich gut bin'" - der Neuzugang hat sich inzwischen sogar zum Kapitän der "Red Devils" gemausert.

Matthijs de Ligt (85,5 Millionen Euro, Ajax Amsterdam zu Juventus Turin)

De Ligt hat bei Juventus Turin nicht von Beginn an überzeugt. Viel Kritik prasselte auf den Neuzugang von Ajax Amsterdam ein, weil der zweitteuerste Abwehrspieler aller Zeiten sich einige offensichtliche Patzer auf dem Feld leistete. Doch der schüttelte sich und lernte schnell dazu. Neben Leonardo Bonucci ist der Niederländer im Defensivzentrum mittlerweile gesetzt. Als 19 Jahre alter Abwehrspieler in die Serie A, das "Mekka" der Verteidiger, zu wechseln und dort trotz Gegenwind und Startschwierigkeiten bei Juventus Stammspieler zu werden, ist eine beachtliche Leistung.

Lucas Hernandez (80 Millionen Euro, Atletico Madrid zu FC Bayern München)

Lucas Hernandez von Bayern München

Lucas Hernandez von Bayern München

Für Lucas Hernandez lief es in der ersten Saison beim FC Bayern gar nicht gut. Nach einem halben Jahr Verletzungspause wollte der Franzose in der Abwehr der Münchner richtig durchstarten und machte im Zentrum und danach auf der linken Seite einen ordentlichen Eindruck. Dann folgte im Oktober die nächste Verletzung, die ihn bis in den Februar außer Gefecht setzte. In dieser Zeit war Hansi Flick neuer Trainer geworden, Alphonso Davies links hinten die Entdeckung der neuen Saison und das Zentrum mit Jerome Boateng und David Alaba eingespielt. Wäre Niklas Süle zu dieser Zeit nicht ebenfalls verletzt gewesen, wäre Hernandez möglicherweise sogar nur die Nummer vier im Defensivzentrum gewesen. Aber: Jetzt soll alles besser werden. Hernandez äußerte jüngst seine Begeisterung über seinen neuen Arbeitgeber und weil auch der Verbleib von Alaba fraglich ist, könnte die Zukunft des Weltmeisters beim Rekordmeister besser aussehen als die jüngere Vergangenheit.

Nicolas Pepe (80 Millionen Euro, OSC Lille zu FC Arsenal)

Ein unumstrittener Stammspieler ist Nicolas Pepe beim FC Arsenal nicht geworden. Bei seinen insgesamt 38 Einsätzen wurde er zwölfmal ein- und elfmal ausgewechselt. Mit sechs Assists ist er trotzdem Top-Vorbereiter der Gunners, mit fünf Treffern immerhin auch drittbester Schütze. Insgesamt erfüllt Arsenal in dieser Saison aber (mal wieder) nicht die eigenen Ansprüche. Auch die an Pepe dürften höher gewesen sein, doch weil es auch insgesamt nicht so wirklich stimmt und bis auf Pierre-Emerick Aubameyang kaum einer der Stars konstant gute Leistungen abliefert, fällt eine wirklich individuelle Bewertung schwer.

Frenkie de Jong (75 Millionen Euro, Ajax Amsterdam zu FC Barcelona)

Als Frenkie de Jong sich Mitte Juni verletzte und beim FC Barcelona ausfiel, standen die Katalanen auf Rang eins in La Liga. In der Phase, in der der Niederländer im zentralen Mittelfeld fehlte, verspielte Barca den Titel, drei Remis und fast durchweg mäßige Vorstellungen ließen Real Madrid vorbei ziehen. De Jong gehört zum Stammpersonal und obwohl er in Barcelona eine offensivere Rolle spielen muss als noch bei Ajax Amsterdam und nicht auf seiner Lieblingsposition vor der Abwehr agieren kann, ist sein Fehlen ein großes Problem. Dem Spiel geht die Kreativität aus dem Mittelfeld ohne ihn beinahe gänzlich ab.

Rodri (70 Millionen Euro, Atletico Madrid zu Manchester City)

Auch wenn Manchester City den Ligagewinn aus der Vorsaison nicht wiederholen konnte und den übermächtigen FC Liverpool ziehen lassen musste, war die Verpflichtung von Rodri ein Erfolg für das Team von Pep Guardiola. Der spanische Mittelfeldmann übernahm von Beginn an die Rolle auf der zentralen defensiven Position im Mittelfeld und nur die drei Superstars Kevin de Bruyne, Ederson und Raheem Sterling haben mehr Einsatzminuten im hellblauen Trikot absolviert als der 24-Jährige.

Romelu Lukaku (65 Millionen Euro, Manchester United zu Inter Mailand)

Romelu Lukaku

Romelu Lukaku

Keiner spielt mehr, keiner trifft mehr. Romelu Lukakus Torquote seit seinem Wechsel zu Inter Mailand kann sich sehen lassen: In 42 Einsätzen gelangen ihm 26 Treffer, dazu fünf Vorlagen. Auch wenn ihn aktuell eine Adduktorenverletzung ausbremst, ist Lukaku im Sturmzentrum einer der Gründe dafür, dass die Chancen für das Team von Antonio Conte groß sind, erstmals seit zehn Jahren besser als Rang vier abzuschneiden.

Stand: 16.07.2020, 12:52

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