Der FC Bayern holt sich auch den Supercup

Die Bayern bejubeln das Tor von Leon Goretzka (l.)

Endspiel in Budapest

Der FC Bayern holt sich auch den Supercup

Von Jörg Strohschein

Nach einem überaus intensiven Spiel und hartem Kampf schlägt der FC Bayern den FC Sevilla nach Verlängerung im Finale um den europäischen Supercup. Damit krönt die Mannschaft von Trainer Hansi Flick, der wieder einmal ein glückliches Händchen bei seinen Wechseln bewies, eine perfekte Saison.

Einige Spieler des FC Bayern sanken völlig abgekämpft zu Boden, andere lagen sich in den Armen - sie alle konnten ihr Glück kaum fassen. Mit dem 2:1 (1:1) n.V. gegen den FC Sevilla sicherten sich die Münchner nach einem überaus komplizierten, intensiven und äußerst knappen Finale auch den europäischen Supercup. Der Champions-League-Sieger bezwang am Donnerstag (24.09.2020) den Europa-League-Gewinner und machte mit dem vierten Titel die optimale Saison-Ausbeute perfekt.

Der eingewechselte Javi Martinez erzielte in seinem wohl letzten Spiel für die Münchner den entscheidenden Treffer in der ersten Hälfte der Verlängerung (104. Minute). "Immer wenn ich im Bayern-Trikot spiele, versuche ich, alles zu geben, mit 100 Prozent zu spielen. Das habe ich auch heute gezeigt. Ich will der Mannschaft immer helfen, heute mit einem Tor. Das ist ein Traum", sagte Martinez bei "Sky".

Nach acht Jahren Vereinszugehörigkeit und etlichen Titeln mit dem FC Bayern wünscht sich der 32-Jährige eine Rückkehr nach Spanien zu Athletic Bilbao, seinem Heimatverein. Zuvor hatten Lucas Ocampos (12.) per Elfmeter für Sevilla und Leon Goretzka (34.) für die Bayern getroffen.

Supercup - Highlight-Collage Bayern gegen Sevilla

Sportschau 25.09.2020 01:56 Min. Verfügbar bis 25.09.2021 ARD

Foulspiel von Alaba an Rakitic

Der FCB hatte sich vor rund 16.000 Zuschauern in Budapest sofort Offensive verordnet. Aber anders als so viele ihrer Gegner in den vergangenen Wochen reagierte das Team aus Sevilla völlig unbeeindruckt davon. Im Gegenteil: Sevilla spielte von Beginn an ein Pressing, auf das die Münchner in dieser intensiven Form schon lange nicht mehr getroffen sind. Das hatten die Spanier auch schon im Europa-League-Endturnier in Deutschland gemacht, damit hatten sie auch das favorisierte Inter Mailand geschlagen.

Die Bayern ließen sich dadurch zurückdrängen und waren nach zwölf Minuten auch noch unkonzentriert. David Alaba sprang Ivan Rakitic unkoordiniert in die Seite, der englische Schiedsrichter Anthony Taylor entschied auf Elfmeter. Lucas Ocampos verwandelte sicher gegen Torhüter Manuel Neuer zum 1:0 für die Spanier.

Effizienz fehlt

Es dauerte bis zur 21. Minute, bis der FCB sich von diesem Rückschlag erholte. Thomas Müller vergab die große Chance zum Ausgleich, weil er den Ball nicht richtig traf. Im Anschluss versuchten die Münchner, ihr spielerisches Potenzial besser zu nutzen und bekamen die Partie besser in den Griff - ohne allerdings die gewohnte Dominanz auszustrahlen.

Dennoch: Pavard vergab nach 26 Minuten die zweite gute Möglichkeit, als er das Sevilla-Tor nur knapp verfehlte. Nur drei Minuten später lief Robert Lewandowski nach einem Abwehrfehler allein auf das Tor der Spanier zu, bekam den Ball aber nicht an Torhüter Yassine Bounou vorbei. Es fehlte den Münchnern bis dahin die sonst so selbstverständliche Effizienz vor dem gegnerischen Tor.

Nach 34 Minuten sollte sich diese aber einstellen. Müller zirkelte einen Außenristpass auf Lewandowski, der aus der Drehung auf Leon Goretzka zurücklegte. Der 25-Jährige verwandelte volley und überlegt aus zehn Metern zum 1:1. Danach beruhigte sich das Geschehen bis zum Pausenpfiff.

Neuer muss sein ganzes Können zeigen

Nach Wiederanpfiff ging es gleich in höchstem Tempo los. Neuer musste sofort sein ganzes Können aufbieten, als er den Schuss des Ex-Mönchengladbachers Luuk De Jong (46.) parierte. Nur fünf Minuten erzielten die Bayern scheinbar ein "Zauber-Tor" durch Lewandowski, der aber kurz zuvor im Abseits gestanden hatte.

Die Münchner hatten mit zunehmender Spieldauer immer mehr Mühe mit der defensiven Kompaktheit und der technisch versierten, aber gleichzeitig robusten Spielweise der Spanier. Es gab für das Team von Trainer Hansi Flick zwar immer wieder ein paar gute Ansätze, Tore zu erzielen - allerdings hatte Sevilla immer wieder einen Fuß dazwischen. Und als Leroy Sané dann doch verwandelte (62.), sah Schiedsrichter Taylor zuvor ein Foul und gab auch diesen Treffer nicht.

Rakitic lobt ehemaligen Mitspieler Neuer

Es entwickelte sich ein offenerer Schlagabtausch, obwohl München das gefährlichere Team blieb. Es fehlte die letzte Genauigkeit im Abschluss. Und vier Minuten vor dem Ende behielt Neuer erneut die Nerven, als er den Schuss des alleine auf ihn zustürmenden Youssef En-Nesyri mit einer grandiosen Parade abwehren konnte.

"Weil er der beste Torhüter der Welt ist" - Roman Bürki über Manuel Neuer Sportschau 24.09.2020 00:14 Min. Verfügbar bis 24.09.2021 Das Erste

"Man hat gesehen, wie wichtig Manuel Neuer ist", kommentierte Sevillas Ivan Rakitic, der einst bei Schalke mit diesem zusammenspielte, die etlichen Paraden nach dem Spiel.

Pfostenschuss von Sevilla, Martinez trifft

Gleich zu Beginn der ersten Hälfte der Verlängerung hatten die Münchner Glück. Neuer lenkte En-Nesyris Schuss gegen den Pfosten und konnte im Anschluss mit letztem Einsatz vor dem Angreifer klären. Die Bayern hatten immer noch mehr Ballbesitz, aber die Spanier ließen weder läuferisch noch kämpferisch nach und verteidigten ihr Tor geradezu aufopferungsvoll. Und dennoch kamen die Münchner zu einem weiteren Treffer.

Javi Martinez (2. v. r.) und die Bayern bejubeln das Führungstor

Javi Martinez (2. v. r.) und die Bayern bejubeln das Führungstor.

Nach einem Eckball erzielte der kurz zuvor von Flick eingewechselte Javi Martinez per Kopfball die 2:1-Führung der Münchner.

Sevilla versuchte in der zweiten Hälfte der Verlängerung noch den Ausgleich zu erzwingen, aber die Münchner verhinderten dies mit Glück und Geschick und brachten den Erfolg über die Zeit - zu einem erneuten internationalen Triumph.

Stand: 24.09.2020, 23:32

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