Fenerbahce Istanbul - sportliche und finanzielle Krise

Verzweiflung bei Fenerbahce Istanbul

Türkischer Klub in Schieflage

Fenerbahce Istanbul - sportliche und finanzielle Krise

Von Tim Rausch

Aus in der Europa League und Tabellenplatz 15 in der Süper Lig - der türkische Traditionsklub Fenerbahce Istanbul steckt in der Krise. Warum?

"Ich kann es kaum erwarten, diese Reise zu beginnen", sagte Trainer Phillip Cocu im Sommer 2018 zu Beginn seiner Amtszeit bei Fenerbahce Istanbul. Besagte Reise ähnelte dann jedoch einer Achterbahnfahrt, die nur bergab zu gehen schien.

Zuerst war da das Aus in der Champions-League-Qualifikation gegen Benfica Lissabon, dann gab es einen desolaten Saisonstart in der Süper Lig. Die Folge: Nach vier Monaten und drei Siegen aus 15 Pflichtspielen wurde der Drei-Jahres-Vertrag mit Cocu aufgelöst. Medienberichten zufolge soll der Coach, der mit der PSV Eindhoven 2015 und 2016 die niederländische Meisterschaft gewann, eine Abfindung in Millionenhöhe erhalten haben.

Große Finanznot

Ali Koc, Präsident von Fenerbahce Istanbul

Ali Koc soll "Fener" wieder auf Kurs bringen

Dabei sah alles nach einem gut durchdachten Neustart aus: Im Juni vergangenen Jahres wurde der langjährige Präsident des Klubs, Aziz Yildirim, durch den Unternehmer Ali Koc ersetzt. Der zog Bilanz und bezifferte Fenerbahces Schuldenberg auf 600 Millionen Euro - Tendenz steigend, denn die Finanzkrise in der Türkei senkt den Wert der landeseigenen Währung.

Zu der hohen Verschuldung kam noch ein Problem: Fenerbahce wurde 2016 von der UEFA wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay mit Transfer- und Geldstrafen belegt. Bis zum Ende der Saison 2018/19 darf Fenerbahce nicht mehr Geld für Neuzugänge ausgeben als durch Spielerverkäufe hereinkommt.

Zu wenig Qualtität im Kader

Islam Slimani, Sinnbild für Fenerbahces schlechte Saison

Islam Slimani - bringt nicht den gewünschten Erfolg

Leistungsträger wie Simon Kjaer oder Giuliano verließen den Verein und wurden nicht adäquat ersetzt. Aufgrund der finanziellen Auflagen verpflichtete der 19-malige türkische Meister oft Spieler, die entweder schon recht alt waren oder sich in den Top-Ligen bis dahin nicht durchsetzen konnten. Einer dieser Fehlinvestitionen ist Islam Slimani. Der 30-Jährige Mittelstürmer kam von Leicester City für eine Leihgebühr von 1,5 Millionen zu "Fener" und sammelte in bisher 25 Pflichtspielen mehr gelbe Karten (6) als Tore (5).

Das Team ist zudem überaltert: Bei der 1:3-Niederlage im jüngsten Europa-League-Spiel gegen Zenit Sankt Petersburg lag der Altersdurchschnitt von Istanbul bei 28,1 Jahren. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter der Startelf von Benfica Lissabon (warf Galatasaray aus dem Wettbewerb) lag bei 23,7 Jahren.

Ersun Yanal: die Antwort?

Nachfolger von Phillip Cocu ist seit Ende Oktober Ersun Yanal, der Fenerbahce bereits 2014 zum Meistertitel geführt hatte. Aus den ersten 13 Spielen holte er 17 Punkte - angesichts der prekären Lage eine gute Ausbeute. Im Stadtduell mit Besiktas holte sich Fenerbahce zwar zuletzt nicht den nächsten Sieg. Aber beim Tabellendritten machte das Yanal-Team aus einem 0:3 zur Pause noch ein 3:3.

Dadurch vergrößerte sich der Abstand auf einen Abstiegsplatz auf einen Punkt. Nicht viel, aber fürs Selbstvertrauen dürfte der Zähler wichtig sein. Ob die Zukunft dann irgendwann wieder rosig aussieht oder ob die Achterbahntalfahrt weitergeht, wird sich allerdings noch zeigen müssen.

Stand: 25.02.2019, 22:40

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