FIFA baut Drohkulisse wegen möglicher Super League auf

Gianni Infantino

Weltverband und Kontinentalverbände einig

FIFA baut Drohkulisse wegen möglicher Super League auf

Der Fußballweltverband FIFA und die Kontinentalverbände haben eine gewaltige Drohkulisse aufgebaut: Sollten die finanzstarken Klubs eine externe Super League gründen, würden teilnehmende Vereine und Spieler für Wettbewerbe unter FIFA-Dach gesperrt.

"Angesichts der jüngsten Medienspekulationen über die Einführung einer geschlossenen europäischen Super League durch einige europäische Vereine möchten die FIFA und die sechs Konföderationen noch einmal mit Nachdruck betonen, dass ein solcher Wettbewerb weder von der FIFA noch von der jeweiligen Konföderation anerkannt würde." So hieß es in einer Stellungnahme, die von FIFA-Boss Gianni Infantino und den Präsidenten der sechs kontinentalen Konföderationen aus Europa (UEFA), Asien (AFC), Afrika (CAF), Nord- und Mittelamerika (CONCACAF), Südamerika (CONMEBOL) und Ozeanien (OFC) unterschrieben wurde.

"Vereine oder Spieler, die an einem solchen Wettbewerb teilnehmen würden, dürften folglich an keinem von der FIFA oder der jeweiligen Konföderation organisierten Wettbewerb teilnehmen." Mit dieser Androhung soll die Gründung einer Superliga, die einige Topklubs zuletzt vorangetrieben haben, verhindert werden.

Europäische Super Liga mit Milliarden von der Wall Street? sport inside 04.01.2021 11:50 Min. Verfügbar bis 07.01.2022 WDR Von Matthias Wolf

Das Schreiben zeigt, dass die Verbände nervös sind. Sollten die reichen und namhaften Klubs ausscheren und die besten Fußballer (bei den Frauen ist nichts von Plänen einer Super League bekannt) nicht mehr bei Weltmeisterschaften, Kontinentalturnieren und in nationalen Ligen mitspielen, würden sie sehr viel Geld verlieren. Bei den Klubs ist es anders.

350 Millionen Euro pro Klub, Modus schon durchgeplant

Wie die "Times" in England berichtet, geht es pro Klub um 350 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Bayern nahmen bei ihrem Turniersieg 2020 am Ende 135 Millionen ein, was bereits einen historischen Bestwert darstellte.

Laut "Times" sollen 20 Klubs mitspielen, davon 15 dauerhaft, die anderen müssen sich jedes Jahr qualifizieren. Demnach sollen zwei deutsche Klubs dabei sein - die Namen der Klub fielen in dem Bericht jedoch nicht. Die Planungen sind laut "Times" weit:

  • In zwei Gruppen mit jeweils zehn Teams sollen nach Hin- und Rückspiel acht Teams für ein Viertelfinale ermittelt werden.
  • Das Finale soll wie in der Champions League in einem Spiel ausgetragen werden.
  • Die Spiele sollen abgesehen vom Finale unter der Woche stattfinden, um eine Teilnahme an den nationalen Ligen zu ermöglichen.

EU-Kommission meldet sich zu Wort

Sogar die EU-Kommission meldete sich zu Wort. "Fußball sollte nicht den Reichen und Mächtigen vorbehalten" sein, sagte Margaritis Schinas, Vize-Präsident der Kommission, gegenüber "Politico". Dies ließe sich nicht mit der europäischen Lebensart vereinbaren.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin suchte zuletzt häufiger die Nähe zur Europapolitik. So gab es öffentlich bekannte Termine mit Sport-Kommissarin Mariya Gabriel aus Bulgarien und mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus Deutschland. In einer Botschaft an den Europarat sagte Ceferin vergangene Woche: "Sport ist ein Recht für jeden, nicht für eine kleine Gruppe von Eliten - da kann es keine Kompromisse geben."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Möglicher Rechtsstreit

Da die Befürworter einer Superliga die angekündigten Restriktionen kaum akzeptieren dürften, könnte eine juristische Auseinandersetzung drohen. "Gemäß den Statuten der FIFA und der Konföderationen sind sämtliche Wettbewerbe durch das zuständige Organ auf der jeweiligen Ebene, durch die zuständige Konföderation auf kontinentaler Ebene oder durch die FIFA auf globaler Ebene zu organisieren oder anzuerkennen", begründete die FIFA ihr Vorgehen.

"Folglich anerkennen die Konföderationen die FIFA Klub-Weltmeisterschaft - im aktuellen und im künftigen Format - als einzigen globalen Klubwettbewerb, während die FIFA die durch die Konföderationen organisierten Klubwettbewerbe als die einzigen kontinentalen Klubwettbewerbe anerkennt."

Infantinos Lieblingsprojekt bedroht

Die Erweiterung der Klub-WM auf bald 24 Mannschaften ist ein Lieblingsprojekt von Infantino. Es ist sehr umstritten, zumal der FIFA-Präsident nicht preisgeben will, wer Milliarden in diesen Wettbewerb pumpen will. Infantino stellte nur die Einnahmen in Aussicht.

Zuletzt hatte vor allem der FC Barcelona die Pläne für eine exklusive Liga der Topklubs ohne Auf- und Abstieg vorangetrieben. Sogar über einen Starttermin im September 2022 hatten spanische Medien berichtet. Finanzstarke Geldgeber sollten mit Milliarden-Investitionen dafür sorgen, dass das Konstrukt für die Vereine zu einer Gelddruck-Maschine wird.

Von den Verbänden und den nationalen Ligen wurden die Pläne immer als Bedrohung angesehen. So stand beim jüngsten Streit um die Verteilung der Mediengehälter in der Bundesliga auch die Drohkulisse eines Abschieds von Bayern München und Borussia Dortmund aus der Bundesliga im Raum - was den Branchenführern dabei half, die kleinen Vereine gefügig zu machen.

Reform der Champions League in Sicht

Damit dürfte es nun erst einmal vorbei sein. Um die Topklubs im Europacup bei der Stange zu halten, wird die UEFA ohnehin wohl bald eine Reform der Champions League vorstellen. Ab dem Jahr 2024 soll es nach dem Vorbild des US-Sports zu Änderungen kommen.

So könnten die 32 Teams in der Königsklasse der Zukunft in einer gemeinsamen Liga je zehn Gruppenspiele absolvieren. Am Ende der K.o.-Runde soll die "Week of Football" mit den Halbfinals und dem Endspiel stehen. So soll weiterhin kein Weg am Premiumwettbewerb der UEFA vorbeiführen.

Rainer Koch hatte schon zuletzt in seiner Rolle als Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees betont, dass eine Superliga als "geschlossene Gesellschaft" von 18 bis 20 Vereinen "ein Stich ins Herz des europäischen Fußballs" wäre und daher "strikt abzulehnen" sei. Diesen Worten hat die FIFA nun Taten folgen lassen.

red/sid/dpa | Stand: 21.01.2021, 14:04

Darstellung: