Skenderbeu vor Rekordstrafe wegen Spielmanipulation

Die Spieler des KF Skenderbeu vor der Europa-League-Partie im September 2017 gegen Dynamo Kiew

UEFA-Bericht

Skenderbeu vor Rekordstrafe wegen Spielmanipulation

Von Marco Schyns

Der albanische Topklub und diesjährige Europa-League-Teilnehmer KF Skenderbeu soll von der UEFA für zehn Jahre von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen werden. Der Vorwurf: Spielmanipulation.

Das geht aus einem noch nicht veröffentlichen UEFA-Bericht hervor, der der britischen Tageszeitung "Guardian" vorliegt. Demnach soll das Frühwarnsystem der UEFA in 53 Spielen mit Beteiligung von Skenderbeu zwischen November 2010 und April 2016 verdächtige Wettbewegungen ausgemacht haben.

Skenderbeu habe "Spiele manipuliert, wie es noch nie zuvor jemand gemacht hat", zitiert der "Guardian" den UEFA-Bericht. Für den europäischen Fußballverband ist das offenbar Grund genug, eine Rekordstrafe auszusprechen: zehn Jahre kein internationaler Wettbewerb und zusätzlich eine Geldstrafe von einer Million Euro.

Hohe Wetteinsätze auf Spiel gegen Crusaders

In der aktuellen Saison war Skenderbeu sogar noch in der Europa League vertreten. Als Serienmeister in Albanien - zwischen 2011 und 2016 holte man stets den Titel - qualifizierte sich der Klub in den vergangenen Jahren immer für die Champions-League-Qualifikation. So trug sich die wohl brisanteste Partie, die das Frühwarnsystem ausgemacht hat, in der 2. Qualifikationsrunde der Saison 2015/16 zu.

Nachdem die Albaner das Hinspiel gegen den nordirischen Klub Crusaders FC mit 4:1 daheim gewannen, führte Skenderbeu auch im Rückspiel bereits mit 2:1. Zu diesem Zeitpunkt sollen laut UEFA-Bericht "überaus verdächtige Live-Wetten in Höhe von mehreren hunderttausenden Dollar" platziert worden sein. Worauf genau gewettet wurde, ist nicht bekannt. Mehrere Möglichkeiten sind denkbar: eine einfache Siegwette auf Crusaders oder sogar auf das Weiterkommen der Nordiren. Denn in der 92. Spielminute traf Crusaders zum 2:2, eine Minute später zum 3:2-Endstand. Zwei weitere Treffer von Crusaders in der Schlussphase wurden zudem aberkannt. Zu den im UEFA-Bericht aufgeführten Beweisen zählt auch ein Tweet des damaligen Crusaders-Torhüters Sean O'Neill. "Wenn es nach unserem Spiel heute Abend keine UEFA-Ermittlungen gibt, läuft irgendetwas falsch", twitterte O'Neill nach dem Spiel.

Meistertitel 2016 aberkannt - wegen illegaler Absprachen

Die Partie zählt zu den vier hauptsächlich untersuchten Spielen der UEFA, genauso wie ein weiteres Champions-League-Qualifikationsspiel sowie zwei anschließende Europa-League-Spiele aus jener Spielzeit. Von Wettmanipulation oder Betrug will der aktuelle Skenderbeu-Präsident Ardjan Takaj nichts wissen. Er und Albaniens Finanzminister Ridvan Bode, die als Hauptverdächtige in dieser Angelegenheit gelten, dementieren gegenüber dem "Guardian" jegliche Beteiligung an solchen Machenschaften. Sie sollen bereits rechtliche Schritte gegen die Strafe angekündigt haben.

Aber die Beweislage der UEFA scheint eindeutig zu sein. Zumal es nicht die erste internationale Sperre gegen den Klub ist. Schon 2016 wurde Skenderbeu für die Teilnahme an europäischen Wettbewerben ausgeschlossen - wegen vermeintlichen Wettbetrugs. Die Karten Skenderbeus in einem möglichen Verfahren vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS dürften also schlecht sein. Auch weil die jüngsten Skandale in der heimischen Liga noch hinzukommen. Der albanische Fußballverband erkannte Skenderbeu die Meisterschaft in der Spielzeit 2015/16 ab und bestrafte den Klub außerdem mit einem Punktabzug von zwölf Zählern für die darauffolgende Saison - wegen illegaler Spielabsprachen in der heimischen Liga.

Stand: 04.04.2018, 14:45

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