Spaniens verkaufter Supercup

 Luis Rubiales (l.), Präsident des spanischen Fußballverbandes, und Abdulaziz bin Turki Al-Faisal, Vorsitzender der General Sport Authority (GSA) von Saudi-Arabien

Turnier in Saudi-Arabien

Spaniens verkaufter Supercup

Von Frank van der Velden

Der spanische Fußball-Supercup geht als Final-Four-Turnier in Saudi-Arabien über die Bühne. Die Interessen der Fans spielen keine Rolle, es geht allein ums Geld.

Die Deutsche Fußball-Liga trägt ihren Supercup in jedem Jahr kurz vor dem Start der Bundesliga aus. Das Duell zwischen Meister und Pokalsieger ist zwar sportlich nicht bedeutend, doch es ist für die beiden Teams eine anspruchsvolle Generalprobe und für die Fans eine nette Einstimmung auf die neue Spielzeit. Vor der aktuellen Saison sahen mehr als 81.000 Anhänger in Dortmund den 2:0-Sieg des BVB gegen Bayern München.

Spanien geht neue Wege - vor allem weite

Bis 2017 war das auch in Spanien so. Doch seitdem geht die Primera Division neue Wege. Wurde der Sieger zuvor immer in Hin- und Rückspiel ermittelt, gab es 2018 erstmals nur eine Finalpartie im marokkanischen Tanger.

Jetzt gehen die Spanier noch einen Schritt weiter. Die Supercopa de España 2019 geht als Final-Four-Turnier im Januar 2020 über die Bühne - und zwar im saudi-arabischen Dschidda. Am Mittwoch (08.01.2020) tritt Real Madrid im King Abdullah Sports City Stadium gegen Pokalsieger FC Valencia an, einen Tag später trifft Meister FC Barcelona auf Atlético Madrid. Das Finale findet am 12. Januar statt. Damit sich der Ausflug auch lohnt, wurde der Supercup künstlich aufgebläht. Neben Meister und Pokalsieger sind auch Vizemeister und Pokalfinalist mit dabei. Die spanische Liga geht in dieser Zeit in die Winterpause.

120 Millionen Euro in drei Jahren

Der spanische Verband RFEF hat den neu formierten Supercup für drei Jahre ins Königreich am Golf vergeben und kassiert dafür 120 Millionen Euro. Die Menschenrechtslage im autoritären Golfstaat ist prekär, die Menschenrechts-Organisation Amnesty International protestierte.

Doch dem Verband sind neue Märkte und Vermarktungsmöglichkeiten anscheinend wichtiger als Menschenrechte. Den Vereinen natürlich auch. Denn die 120 Millionen Euro werden zwischen den Klubs und dem RFEF aufgeteilt. Wen interessiert da die Moral?

Fragwürdige Verteidigungs-Rhetorik

Luis Rubiales, der Präsident des spanischen Verbandes, wies stolz daraufhin, man habe sich für die Frauen im Land eingesetzt. Erst seit dem vorigen Jahr dürfen weibliche Fans im Königreich Fußballspiele im Stadion anschauen. Nun habe man erreicht, so Rubiales, dass Frauen gratis ins Stadion dürfen. "Mit Fußball kann man eine Gesellschaft verändern", so der Verband.

Das erinnert stark an die Verteidigungs-Rhetorik des FC Bayern München. Der deutsche Rekordmeister ist zum wiederholten Mal im Wintertrainingslager in Katar. "Der Dialog verbessert Dinge", sagt Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Man habe "durch den Fußball" vor Ort vieles verbessert. Was das genau ist, bleibt allerdings unklar.

Unvergessen ist auch die Aussage des ehemaligen Bayern-Präsidenten Franz Beckenbauer. Der rechtfertige seinerzeit die Vergabe der WM 2022 nach Katar mit den Worten: "Ich habe noch nicht einen einzige Sklaven in Katar gesehen. Die laufen da frei rum. Ich bin oft in Katar und habe deshalb ein anderes Bild, das glaube ich realistischer ist." Der Wüstenstaat steht bis heute wegen der Ausbeutung von Arbeitern beim Stadionbau in der Kritik.

FC Bayern und das wieder mal umstrittene Trainingslager in Katar Sportschau 02.01.2020 01:53 Min. Verfügbar bis 02.01.2021 Das Erste

Italienischer Supercup schon längst im Ausland

Dass Europas Top-Ligen ihre Supercup-Finale im Ausland austragen, ist nicht neu. Die italienische Serie A ließ schon 1993 die Partie in den USA anstoßen. In den Jahren danach spielten die Italiener immer wieder mal im Ausland - in Libyen, in Peking, in Doha, in Schanghai und seit 2018 ebenfalls in Saudi-Arabien

Natürlich sind Supercup-Spiele sportlich unbedeutend. Doch es ist zu befürchten, dass sie nur der Anfang sind. So gab es in Spanien schon Pläne, künftig ein Liga-Spiel pro Saison in den USA auszutragen. Die viel kritisierte Entfremdung des Fußballs und der Klubs von den Anhängern hat schon jetzt auch eine geographische Komponente. Denn auf der Strecke bleiben die heimischen Fans. Laut der spanischen Zeitung "Mundo Deportivo" hat Atlético Madrid im Vorverkauf gerade mal 50 Tickets abgesetzt.

Öffentlich-rechtlicher TV-Sender boykottiert

Teile der Medien boykottieren den Supercup und machen das Turnier damit endgültig zur Farce. Der öffentlich-rechtliche spanische TV-Sender TVE wird die Partien nicht übertragen. Als Begründung wurde angegeben, dass in Saudi-Arabien die Menschenrechte nicht respektiert werden. "Wir glauben, dass wir nicht für die Rechte auf einen Supercup bieten dürfen, der in einem Land ausgetragen wird, in dem die Menschenrechte nicht geachtet werden", sagte ein Sprecher.

Seifert: "Schritt zu weit"

Die englische Premier League und die Bundesliga haben Spiele im Ausland und dem damit verbundenen Geldfluss bisher widerstanden. Das sei ein "Schritt zu weit", sagte DFL-Boss Christian Seifert.

Stand: 07.01.2020, 11:36

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