Rücktritt mit Paukenschlag - Barca sagt für Superliga zu

Josep Maria Bartomeu

Präsident Josep Maria Bartomeu hört auf

Rücktritt mit Paukenschlag - Barca sagt für Superliga zu

Josep Maria Bartomeu gibt dem Drängen nach und tritt als Präsident des FC Barcelona zurück. Im Vorbeigehen verkündete er spektakuläre Neuigkeiten. So habe der Klub einer Teilnahme an einer europäischen Superliga zugestimmt.

"Ich kann außergewöhnliche Neuigkeiten mitteilen", sagte Bartomeu am Dienstag (27.10.2020), nachdem er zuvor den Rücktritt der gesamten Führungsriege verkündet hatte: "Gestern haben wir einem Vorschlag zur Teilnahme an einer zukünftigen europäischen Superliga zugestimmt, da dies die finanzielle Stabilität des Vereins gewährleisten würde."

In der Woche zuvor hatten britische Medien über einen neuen Anlauf zu einer Superliga berichtet. Demnach gebe es erste Gespräche, um insgesamt bis zu 18 Topklubs des Kontinents in der Spielklasse gegeneinander antreten zu lassen. Die UEFA hatte sich erneut mit Nachdruck gegen solche Pläne gestellt. Der Weltverband FIFA teilte am Mittwoch mit, dass er keine Vereinbarungen bezüglich einer Superliga kenne.

Bereits in den vergangenen Jahren waren immer wieder verschiedene Überlegungen zu einer möglichen Superliga an die Öffentlichkeit gekommen, hatten sich jedoch nicht durchgesetzt.

Sieg für Messi

Der Rücktritt Bartomeus bedeutet auch einen Sieg für Lionel Messi im Machtkampf mit dem Boss. Der Streit mit dem im Sommer noch abwanderungswilligen Weltfußballer, das Misstrauensvotum der Vereinsmitglieder und die angespannte finanzielle Lage waren letztlich zu viel für Bartomeu. "Ich stehe hier vor ihnen, um sie über meinen Rücktritt und den der übrigen Vorstandsmitglieder zu informieren", sagte der 57-Jährige auf einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz: "Es ist eine gut überlegte und gemeinsam getragene Entscheidung." Dabei hatte Bartomeu noch am Montag einen Rücktritt ausgeschlossen. "Es wäre ein schlechter Moment", hatte er gesagt.

"Lionel Messi ist der Schlüssel"

Nur einen Tag später war der Druck aber offenbar zu groß geworden. Da half auch kein Kuschelkurs mit dem im Klub mächtigen Messi mehr. "Lionel Messi ist der Schlüssel für unser neues Projekt, wir brauchen ihn", hatte Bartomeu geschwärmt: "Ich hoffe, dass er seinen Vertrag verlängern und seine Karriere bei unserem Klub beenden wird." Die Tage des Präsidenten waren aber wohl ohnehin gezählt.

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Sportschau 27.10.2020 01:08 Min. Verfügbar bis 27.10.2021 ARD


Rund 20.000 Unterschriften gegen die Klubführung waren bis Anfang Oktober zusammengekommen, Bartomeu hätte sich daher einer Abstimmung der Mitglieder stellen müssen. Eine Zweidrittel-Mehrheit hätte ihn aus dem Amt wählen können, im März 2021 wäre seine Zeit als Präsident turnusgemäß beendet gewesen. Für die Katalanen bleibt zu hoffen, dass sich das Machtvakuum in der Führungsspitze nicht negativ auf das sportliche Geschehen auswirkt. Denn schon nach wenigen Saisonspielen kann sich Barca noch mehr Rückschläge eigentlich kaum leisten.

Auch sportlich läuft es nicht

Nur sieben Punkte aus fünf Spielen, dazu der verlorene Clásico gegen den Erzrivalen Real Madrid - der neue Trainer Ronald Koeman steht bereits unter Druck. Und der Niederländer machte nach der Pleite gegen die "Königlichen" einen alles andere als stabilen Eindruck, sondern wetterte wie auch der Vorstand unprofessionell gegen den Schiedsrichter. Noch gelingt es dem ehemaligen Bondscoach nicht, aus seinem Starensemble eine funktionierende Mannschaft zu formen.

So bleibt auch Weltmeister Antoine Griezmann bisher unter seinen Möglichkeiten. Barcelona ist also mehr denn je auf Messi angewiesen, doch auch der Superstar schwächelt derzeit. Dem Supertechniker gelangen in der laufenden Saison erst zwei Treffer, im verpatzten Clásico blieb er blass - und war damit trotzdem noch einer der besseren Katalanen auf dem Feld. Fast zwangsläufig herrscht damit bei Barca Krisenstimmung. Und das nicht nur sportlich.

sid | Stand: 28.10.2020, 07:50

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