Athletic Bilbao - wo der Büffel die Trompete spielt

Jubel in Bilbao: Angreifer Asier Villalibre, Spitzname "Búfalo", und im Nebenberuf Musiker

Primera Division

Athletic Bilbao - wo der Büffel die Trompete spielt

Von Tim Beyer

Für Athletic Bilbao spielen nur Spieler baskischer Herkunft, mit dieser Strategie hat man es auf dem Transfermarkt schwer. Trotzdem ist der Klub mitunter erstaunlich erfolgreich, auch in Barcelona wissen sie das.

Am Ende spielte einer der Helden auch noch zum Tanz auf. Auf seinem Weg zurück zum Mittelkreis hatte Asier Villalibre noch einige Meter vor sich, als er aus einem schwarzen Koffer eine Trompete holte. Dann legte Villalibre los, um die Schultern hatte er sich eine baskische Flagge gelegt, sein Rauschebart wippte im Takt, und um ihn herum hüpften sie und sangen und schrien.

Eigentlich ist Villalibre, 23, ja Angreifer bei Athletic Bilbao, wuchtig, schnell, aber eher kein Stammspieler. Auch im Finale um den Supercup gegen den FC Barcelona hatte er lange auf der Bank gesessen, bis zur 83. Minute. Die verbleibende Zeit nutzte er, um Bilbao mit einem Tor in die Verlängerung zu retten, dort traf dann Iñaki Williams zum 3:2-Siegtreffer.

Später rannte Villalibre manchmal einem gegnerischen Spieler hinterher, den Kopf gesenkt, der Körper wuchtig. Einmal war dieser Spieler Lionel Messi, er sah aus, als fürchte er sich. "Búfalo", der Büffel, rufen sie Villalibre in Bilbao - auch in Barcelona wissen sie nun, warum.

Er spielt die Trompete, singt und manchmal schießt er Tore

In besonderen Momenten verknüpft Villalibre gerne Beruf und Hobby miteinander. Gemeinsam mit fünf weiteren Spielern von Atletico hat er vor einiger Zeit die Band "Orsai", Abseits, gegründet. Villalibre ist der Sänger, und er spielt auch die Trompete.

An jenem denkwürdigen Sonntagabend (17.01.2021), nachdem Bilbao innerhalb von nur drei Tagen erst Real Madrid und nun auch den FC Barcelona besiegt und damit erstmals seit 2015 einen Titel gewonnen hatte, trompete Villalibre also durch das leere Stadion in Sevilla. Die Stars von Barca waren da längst in den Katakomben verschwunden.

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Transfers sind woanders leichter

Für viele Fußballfans in Spanien mag der Supercup ein unwichtiger Wettbewerb sein, für alle, die es mit Athletic Bilbao halten, gilt das eher nicht. Der Klub ist tief verwurzelt im Baskenland, bis heute spielen für den Klub nur Spieler baskischer Herkunft oder solche, die ihre Jugend bei einem Verein im Baskenland verbracht haben. Auf dem Transfermarkt engt das die Möglichkeiten schon sehr ein, doch in Bilbao sind sie stolz auf diese Regel - auch wenn womöglich auch deshalb die ganz großen Erfolge schon lange zurückliegen.

Acht Meisterschaften hat Bilbao gewonnen, die letzte in der Saison 1983/84, auf die auch der letzte von 24 Titeln im spanischen Pokal entfällt. Da bekommt so ein Sieg im Supercup-Finale gleich eine ganz andere Bedeutung. Der Siegtorschütze Williams sprach später von einem besonders wichtigen Tor, schon "wegen seiner Bedeutung das beste meiner Karriere".

Iñaki Williams von Athletic Bilbao

Iñaki Williams von Athletic Bilbao

Williams, 26, ist vielleicht der beste Spieler im Kader von Athletic Bilbao, regelmäßig sollen sich größere Klubs nach ihm erkundigt haben, doch er ist immer noch da. Seine Eltern kamen einst aus Ghana nach Bilbao, dort ist Williams geboren, er war schon als kleiner Junge manchmal im Stadion San Mamés. Nun lebt er seinen Traum - für Bilbao war er in 269 Pflichtspielen an 100 Treffern beteiligt. Seit April 2016 hat er kein Spiel mehr verpasst in La Liga.

Heynckes erinnert sich gerne an Bilbao

Liberaler sind sie bei Athletic bei der Auswahl ihrer Trainer. So war Jupp Heynckes einst gar zweimal und insgesamt vier Jahre Trainer in Bilbao. Im letzten Jahr seiner Trainerkarriere hat Heynckes dem "Tagesspiegel" ein Interview gegeben und darin auch über seine Zeit im Baskenland gesprochen. Er sagte: "Der Zusammenhalt untereinander ist unbeschreiblich. Das habe ich so bei keiner anderen Mannschaft erlebt, die ich trainiert habe."

Gerade wird Athletic Bilbao von Marcelinho trainiert, er hat den Job Anfang Januar angetreten, nachdem der Klub sich von Gaizka Garitano getrennt hatte. Marcelinho, 55, hat in Spanien einen guten Ruf, in seiner Zeit als Trainer des FC Villarreal nahm man ihn dann auch im Ausland wahr. In der Saison 2015/16 führte er Villarreal bis ins Halbfinale der Europa League, wo Jürgen Klopps FC Liverpool einige Mühe hatte, um das Endspiel zu erreichen.

Erst Barcelona, dann Ibiza

Nun hat Marcelinho schon im dritten Spiel mit Bilbao den ersten Titel gewonnen. Er sollte sich an dieses Gefühl eher nicht gewöhnen, bei allem Respekt vor Bilbaos Weg. In der Liga ist man gerade Zwölfter mit neun Punkten Rückstand auf einen Europa-League-Platz, aber nur vier Zählern Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz.

Das ist also die Lage, doch vor der Liga ist ja noch einmal Pokal. Am Donnerstagabend (21.01.2021) spielt Bilbao in der dritten Runde des Copa del Rey gegen den Drittligisten UD Ibiza. Es ist gut möglich, dass Villalibre, der "Búfalo", dann von Beginn an spielen darf. Und vielleicht spielt er ja anschließend wieder die Trompete, das würde sicher auch dem Fußballtrainer-Rentner Jupp Heynckes gefallen.

Stand: 21.01.2021, 07:00

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