Solskjaer bringt sich in Stellung

Ole Gunnar Solskjaer

Vier Siege mit Manchester United

Solskjaer bringt sich in Stellung

Unter Ole Gunnar Solskjaer hat Manchester United in der Premier League vier Siege in Serie eingefahren. Schon fragen sich die ersten Experten, warum der Klub überhaupt noch einen neuen Trainer für den Sommer sucht.

Sir Matt Busby ist bei Manchester United eine Legende. Der Schotte gilt als einer der bedeutendsten Trainer im englischen Fußball. Zwischen 1945 und 1969 führte er den Klub zu fünf Meisterschaften, zwei FA-Cup-Siegen und zum Triumph im Europapokal der Landesmeister. Busby überlebte 1958 den Flugzeugabsturz von München schwer verletzt und baute in mühevoller Arbeit eine neue Mannschaft auf. Für all das wurde ihm am Stadion Old Trafford ein Denkmal errichtet.

Ole Gunnar Solskjaer hat als Trainer von Manchester United noch nichts erreicht, aber dennoch wird er seit Mittwoch (02.01.2019) in einem Atemzug mit der Klubikone  genannt. Denn da feierte der Norweger als Interimscoach der "Red Devils" den vierten Sieg im vierten Spiel. Und das war zuletzt nur dem legendären Sir Matt Busby gelungen - im Jahr 1946, vor 73 Jahren.

Wie von einer Last befreit

Romelu Lukaku (l.) und Ander Herrera

Romelu Lukaku (l.) und Ander Herrera jubeln

5:1 in Cardiff, 3:1 gegen Huddersfield, 4:1 gegen Bournemouth und jetzt 2:0 in Newcastle: Der 45-jährige Solskjaer hat United nach der Entlassung von Trainer José Mourinho neues Leben eingehaucht. Unter ihm wirkt das Team wie verwandelt und von einer Last befreit. Vor allem gelang es ihm, das unter Mourinho verloren gegangene Selbstvertrauen seiner Stars zu stärken. So ist auch der französische Weltmeister Paul Pogba, der im Streit mit Mourinho nur noch zweite Wahl war, auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Tabellenführer und Erzrivale FC Liverpool ist zwar weit enteilt, doch United hat jetzt nur noch sechs Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Platz. Die Zuversicht ist zurück.

Nur als Interimstrainer eingeplant

Die Experten auf der Insel sind sich einig, dass Solskjaer seinen Job sehr gut macht. Dabei ist er nur als Interimstrainer eingeplant. Im Sommer will der Klub einen neuen Coach präsentieren. Der Norweger stellt keine Ansprüche. "Ich hoffe, dass ich meine Arbeit in den nächsten fünf Monaten so gut mache, dass die Fans auch danach noch meinen Namen singen", sagte der ehemalige Nationalspieler bei seiner Vorstellung. In seiner bescheidenen Art ist der stes freundliche Solskjaer der komplette Gegenentwurf seines Vorgängers Mourinho, der sich selbst gerne "The special one" nannte.

Als Favoriten auf den Posten gelten die beiden französischen Welt- und Europameister Zinédine Zidane und Laurent Blanc sowie der Argentinier Mauricio Pochettino. Der steht allerdings beim Ligarivalen Tottenham Hotspur unter Vertrag.

Als Variante gilt nach der jüngsten Siegesserie aber auch Solskjaer. Der ehemalige Topstürmer ist seit 2011 im Geschäft. Damals übernahm er den norwegischen Klub Molde FK und führte ihn zu zwei Meisterschaften. Im Januar 2014 kam der erste Ruf aus der Premier League, doch der Coach konnte Cardiff City nicht vor dem Abstieg bewahren und kehrte 2015 zu Molde zurück.

Von den Fans verehrt

Ole Solskjaer (l.) bezwingt Oliver Kahn

Ole Solskjaer (l.) bezwingt Oliver Kahn im Champions-League-Finale 1999.

Seine Verpflichtung freute vor allem die United-Fans. Der Stürmer erzielte zu seiner aktiven Zeit 126 Tore in 366 Spielen für den Klub, war bei sechs Meisterschaften dabei und schoss unter anderem 1999 das legendäre Siegtor im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern. Deshalb wird er von den Fans ohnehin verehrt und heiß geliebt. Die nannten ihn zu seiner aktiven Zeit "The baby-faced Assassin" ("Der Killer mit dem Baby-Gesicht"). Fest steht: Je lauter und intensiver sein Name in Zukunft durch Old Trafford dröhnt, desto mehr werden sich die Verantwortlichen wohl Gedanken darüber machen müssen, ob sie ihn nicht über den Sommer hinaus beschäftigen sollten. "Was ist, wenn Solskjaer alle Spiele gewinnt und ihnen eine Trophäe holt. Ich denke sie sollten ihn behalten", erklärte Englands Stürmer-Legende Alan Shearer bei "Radio5".

Zukunft gesichert

Auch wenn es nicht so kommt: Über seine Zukunft muss sich Solskjaer keine Sorgen machen. Offiziell hat United ihn von Molde nur bis Mai ausgeliehen. Dann kehrt er, so der Plan, nach Norwegen zurück, wo die neue Saison erst im März startet.

Am Sonntag (13.01.2019) steht für Manchester das erste Topspiel unter Solskjaer an. Dann spielt das Team bei Tottenham Hotspur. Mit einem weiteren Sieg könnte der Norweger den Startrekord unter Busby aus der Saison 1946/47 einstellen - und würde dann wohl noch einige Zeit in einem Atemzug mit ihm genannt werden.

vdv/sid/dpa | Stand: 03.01.2019, 11:45

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