Serie A - Rubikon kann wieder Schicksal spielen

Das Olympia Stadion in Rom

Diskussion über mögliche Geisterspiel-Orte

Serie A - Rubikon kann wieder Schicksal spielen

Von Tom Mustroph

Die Serie A will Ende Mai wieder spielen, ein Mehrstufenplan wurde vom Verband beschlossen. Angepeilt werden Spielorte im mittleren und südlichen Teil des Landes - jenseits des Rubikon. Es gibt aber auch Kritik an der Durchsetzbarkeit.

Im Plänemachen sind derzeit viele Menschen groß, vor allem jene, die auf einen Wiederbeginn der großen Fußballligen setzen. In Italien hat jetzt der Verband FIGC erste Konturen vorgestellt. Bedingung dafür ist, dass ab 4. Mai wieder ein Trainingsbetrieb möglich ist.

Das ist derzeit aber noch völlig unklar. Gemäß diesem zur Zeit rein spekulativen Zeitplan soll der Tageszeitung "Corriere della Sera" zufolge Ende April ein Screening aller Spieler, aber auch der Betreuer bis hin zum Platzwart erfolgen. Wer negativ getestet ist, darf dann an einem geschlossenen Trainingsbetrieb von voraussichtlich drei Wochen Dauer teilnehmen.

Flächendeckende Desinfektion und regelmäßige Tests

"Die Trainingszentren müssen selbstverständlich desinfiziert sein. Das gilt für Trainingsräume, Umkleideräume und Unterkünfte", hieß es in einer Pressemitteilung des Verbands. Begleitet wird das Training von regelmäßigen Tests auf Covid-19. Als erste mögliche Spieltermine nannte die "Gazzetta dello Sport" die Halbfinalspiele der Coppa Italia zwischen Juventus und dem AC Mailand sowie Neapel und Inter Mailand am 27. und 28. Mai. Den Wiederbeginn der Serie A datierte das rosa Sportblatt auf den folgenden Sonntag am 31. Mai. Am 2. August soll dann die Meisterschaft beendet sein.

Serie A will Ende Mai wieder beginnen

Sportschau 16.04.2020 01:24 Min. Verfügbar bis 16.04.2021 Das Erste Von Jörg Seisselberg

Der Plan stieß sogleich auf heftige Kritik. Enrico Castellacci, Ex-Mannschaftsarzt der Squadra Azzurra, meinte in der Tageszeitung "Libero": "Für die Trainingslager braucht man Strukturen, die 60 bis 70 Menschen aufnehmen. Man benötigt nicht nur Zimmer, sondern auch Duschräume. Wer desinfiziert die Anlagen dann? Sind es Leute von außerhalb, die man auch wieder kontrollieren muss?"

Castellacci: "Immer der Mannschaftsarzt?"

Castellacci zeigte sich auch skeptisch, ob der Rhythmus der notwendigen Kontrollen eingehalten werden kann. "Die Abstrichtests alle vier Tage - wer soll die machen? Immer der Mannschaftsarzt?" Zumindest am Material für Tests sollte der Plan nicht scheitern. Der Turiner Infektologe Giovanni Di Perri sagte dem Corriere dello Sport: "Die Tests für die Fußballprofis nehmen niemandem etwas weg. In Kürze wird es die Tests in ausreichendem Maße geben."

Unklar ist bislang allerdings, wo sich die Trainingszentren und die Spielorte befinden sollen. Norditalien hatte Verbandspräsident Gabriele Gravina bereits so gut wie ausgeschlossen. "Es wird sehr schwer, in Bergamo, aber auch Mailand, Brescia oder Cremona zu spielen. Eine Meisterschaft südlich des Rubikon, ohne Matches im Norden, ist eine Möglichkeit", zitierten ihn italienische Medien.

Spiele nur in Rom stoßen auf Ablehnung

Der Rubikon, der durch Mittelitalien fließt und südlich von Ravenna in die Adria mündet, war bereits zu Cäsars Zeiten ein Schicksalsfluss. Als er im Jahr 49 vor Christus den Fluss mit seinen Truppen Richtung Rom überschritt, war dies ein Zeichen dafür, dass er nicht mehr umkehren könne und seinen Krieg mit dem römischen Senat auch bis zum Ende ausfechten müsse.

Die neue Rubikon-Metapher des FIGC-Präsidenten hatte sogleich zu Spekulationen geführt, die Rest-Meisterschaft werden komplett in Rom ausgetragen. Dieser Idee erteilte Gravina in einem Interview mit der Tageszeitung "Repubblica" eine Absage. "Man kann nicht zehn Spiele an einem Wochenende auf dem gleichen Platz austragen. Man bräuchte auch 20 Trainingszentren dort", meinte er.

Eigene Dusche für jeden Spieler

Derweil hat zumindest die AS Rom für geordnete Verhältnisse gesorgt. Wie der "Corriere di Roma" berichtete, ist das traditionelle Trainiungszentrum Trigoria komplett desinfiziert. Für jeden Spieler stehe auch eine eigene Dusche zur Verfügung.

Im Moment sind all die Pläne nur Gedankenspiele. Das Gesundheitsministerium muss die Pläne für den Trainingsbetrieb erst absegnen. Ungewiss ist, ab wann die Regierung den Shutdown in Italien tatsächlich lockern will. Und wie sich die Pläne der verlängerten Saison mit den Ansetzungen von Champions League und Europa League vertragen, ist ebenfalls ungeklärt. Die UEFA will sich am 23. April zu diesem Problem beraten.

Mehr Auswechslungen gefordert

Ein weiteres Problem stellt der Laufzeit der Verträge mit den einzelnen Spielern dar: Etliche enden zum 30. Juni. Das Spielen im Sommer könnte auch zu wahren Hitzeschlachten führen. Die "Gazzetta dello Sport" warnte bereits vor Temperaturen über 35 Grad und forderte aus Rücksicht auf die Gesundheit der Spieler die Möglichkeit von fünf statt bisher drei Auswechslungen. Tatsache ist: Die Serie A hat einen Plan. Wie realitätstüchtig er ist, kann derzeit aber niemand seriös beurteilen.

Stand: 16.04.2020, 17:41

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