Inter Mailand und das lange Warten auf den Titel

Jubel bei Inter Mailand

Italien, Serie A

Inter Mailand und das lange Warten auf den Titel

Inter Mailand träumt in der italienischen Serie A vom ersten Titel seit 2010 - dank finanzieller Hilfe aus China. Jetzt kommt Atalanta Bergamo zum Spitzenspiel.

2010 war ein großes Jahr in der Geschichte von Inter Mailand. Damals holte der Renommierklub aus Norditalien den "Scudetto" aus Meisterschaft und Pokal und gewann unter Trainer José Mourinho anschließend auch noch die Champions League. Im Finale gab es einen 2:0-Sieg gegen den FC Bayern München.

Inter, so schien es damals, stand nach dem historischen Triple-Erfolg die Fußballwelt offen. Doch es kam anders. Den Erfolgscoach Mourinho zog es zu Real Madrid und seitdem warten die "Nerazzurri" auf einen großen Titel. 2011 reichte es noch zum Gewinn des Pokals, zu mehr nicht. Elf verschiedene Trainer hat der Klub seitdem verschlissen. Und dreimal bereits den Besitzer gewechselt.

Nun spielt der Traditionsverein nach vielen Jahren wieder ernsthaft um die Meisterschaft. Vor dem 19. Spieltag führt das Team die Tabelle der Serie A mit 45 Zählern an - punktgleich mit Titelverteidiger Juventus Turin. Am Samstag (11.01.2020) kommt Atalanta Bergamo zum Spitzenspiel ins Giuseppe-Meazza-Stadion.

Ganz viel Geld aus China

Inter hat das alles der Tatsache zu verdanken, dass Geld Tore schießt. Aktuell gehört der Klub mehrheitlich der Suning Commerce Group aus China, die 2016 für 270 Millionen Euro 69 Prozent der Anteile kaufte. Präsident ist Steven Zhang, Sohn von Jindong Zhang, Vorstandsvorsitzender eines Einzelhandelsriesen mit rund 80 Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Vor der Saison gab Inter mehr als 156 Millionen Euro für neue Spieler aus. Romelu Lukaku kam für 65 Millionen von Manchester United, Valentino Lazaro für 22,4 Millionen von Hertha BSC und Matteo Politano für 21,1 Millionen aus Sassuolo - nur um die großen Transfers zu nennen. Selbst für Ersatztorwart Ionut Radu vom FC Genua gab Inter zwölf Millionen Euro aus.

"Eine neue Ära"

Der Klub kann es sich leisten. Zuletzt vermeldete Präsident Zhang auf einer Aktionärsversammlung für die vergangene Saison einen Umsatzrekord von 417 Millionen Euro und die Steigerung des operativen Gewinns um mehr als 50 Prozent auf 105,2 Millionen Euro. "Bei Inter hat eine neue Ära begonnen. Wir haben einen Wachstumsprozess in die Wege geleitet, um Inter in allen Bereichen - sportlich und finanziell - auf Spitzenniveau zu bringen", sagte Zhang stolz. Die Vereinsführung führt das auf ein Plus bei den Sponsoreneinnahmen und einen erheblichen Anstieg der Zuschauerzahlen (Durchschnittsbesuch: 61.419 Fans) zurück. 

Conte weiß, wie man Titel holt

Königstransfer war jedoch der Trainer. Im vergangenen Jahr verpflichteten die Lombarden Antonio Conte. Der weiß, wie man Titel holt. Mit Juventus Turin gewann er zwischen 2012 und 2014 drei Meisterschaften in Folge, in England heimste er 2017 mit dem FC Chelsea den Titel ein.

Unter Conte lief es von Beginn an. Inter legte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin, bisher gab es nur eine Niederlage gegen Juventus. Prunkstück ist die Abwehr, 15 Gegentreffer sind Ligaspitze. Vor dem slowenischen Torwart Samir Handanovic räumen drei beinharte Innenverteidiger fast alles ab: Stefan de Vrij, Milan Skriniar und Diego Godin. Im Mittelfeld ziehen meist Marcelo Brozovic, Nicolo Barella, Antonio Candreva und Stafano Sensi die Fäden. Die beiden Top-Stürmer Lautaro Martinez und Romelu Lukaku bringen es gemeinsam auf 23 Tore. Nur in der Champions League lief es nicht rund. Dort landete Inter in einer anspruchsvollen Gruppe mit dem FC Barcelona und Borussia Dortmund nur auf Platz drei und muss nun mit der Europa League vorlieb nehmen.

Atalanta mit breiter Brust

Der kommende Gegner Atalanta Bergamo hat es dagegen bis ins Achtelfinale der "Königsklasse" geschafft. Der Tabellenfünfte mit dem bestens aufgelegten Deutschen Robin Gosens reist mit ganz viel Selbstbewusstsein zum Spitzenspiel. Die beiden jüngsten Ligaspiele gegen den AC Mailand und Parma Calcio gewann Atalanta jeweils klar und deutlich mit 5:0. 48 Treffer sind Ligaspitze, die stärkste Offensive trifft also auf die beste Defensive.

Inter ist jedoch wild entschlossen, die Tabellenführung zu verteidigen. Einen Tag später hoffen die Fans dann auf einen Ausrutscher von Juventus beim Tabellen-Vierten AS Rom, der gar nicht mal unwahrscheinlich ist. Inter könnte sich dann in der Tabelle ein wenig absetzen - und dürfte weiter träumen.

vdv mit sid/dpa | Stand: 10.01.2020, 07:00

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