Stéphanie Frappart in Istanbul im Fokus

Stéphanie Frappart schreibt Geschichte Sportschau 13.08.2019 01:29 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 Das Erste

UEFA Supercup

Stéphanie Frappart in Istanbul im Fokus

Erstmals pfeift eine Frau ein bedeutendes Männer-Spiel im europäischen Vereinsfußball. Mit der Nominierung der Französin Stéphanie Frappart für das Endspiel um den Supercup zwischen dem FC Liverpool und FC Chelsea setzt die UEFA ein starkes Zeichen.

Stéphanie Frappart hat früh gewusst, was sie wollte. Nachdem sie mit ihrem zehnten Lebensjahr in Herblay-sur-Seine und bei SC Pierrelaye begann, Fußball zu spielen, entschied sich die Französin alsbald dazu, sich auch zur Schiedsrichterin ausbilden zu lassen. "Um die Regeln besser kennenzulernen", wie sie einmal sagte.

Mit Beginn ihrer Volljährigkeit begann sie, voll auf die Schiedsrichterei zu setzen. In dieser Rolle stieg sie in beeindruckender Regelmäßigkeit Stufe um Stufe auf. Und bereits mit 19 Jahren durfte sie nicht nur Frauen-, sondern auch Männerspiele pfeifen. Insofern ist es gar nicht überraschend, dass die inzwischen 35 Jahre alte Schiedsrichterin nun Geschichte schreibt.

Frappart vor dem UEFA Supercup: "Bin bereit"

Die hauptberuflich für den französischen Arbeitersportverband (Fedération Sportive et Gymnique du Travail) tätige Frappart leitet am Mittwoch (13.08.19) das Endspiel um den UEFA Supercup zwischen dem FC Liverpool und FC Chelsea. Als erste Unparteiische wird die resolute Französin ausgerechnet in Istanbul ein bedeutendes Pflichtspiel der Männer auf internationaler Ebene pfeifen.

Die 35-Jährige fühlt sich "bereit" für ihre wegweisende Premiere auf der großen Fußball-Bühne. "Natürlich", sagte die Französin. "Wir trainieren die ganze Zeit. Wir haben keine Angst, wir sind immer bereit."

Frappart debütierte als erste Frau in Frankreich in der Ligue 1 bei den Punktspielen zwischen SC Amiens und Racing Strasbourg beziehungsweise OGC Nizza gegen den FC Nantes. In dieser Saison soll sie - analog zu Bibiana Steinhaus in der Bundesliga - regelmäßig zum Einsatz kommen.

Beim Endspiel der Frauen-WM eingesetzt

Die Nominierung ist auch Ausdruck der starken Leistungen der Schiedsrichterinnen bei der Frauen-WM in Frankreich. FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina hatte berechtigterweise viel Lob parat. Frappart war dabei eine Hauptfigur, denn neben den Gruppenspielen pfiff die Französin auch das WM-Viertelfinale Deutschland gegen Schweden (1:2) und das Finale USA gegen Niederlande (2:0).

Nun also ist sie im Männerfußball angekommen. "Für mich ist es dasselbe. Der Fußball ist derselbe, die Regeln sind dieselben", sagt Frappart. Ihr Privatleben habe sich seit der Nominierung allerdings schon verändert. "Ich bin jetzt bekannter", sagt sie. Durch ihren Aufstieg in Frankreichs höchste Spielklasse sei sie aber auf "die Emotionen vorbereitet" gewesen.

Einladung an Sexismus-Opfer

Die UEFA hat zudem zwei italienische Schiedsrichterinnen, die jüngst Opfer sexistischer Anfeindungen geworden waren, zum Finale in die türkische Metropole eingeladen. "Wir verurteilen jegliche Art von Sexismus, Diskriminierung, herabwürdigendem oder missbräuchlichem Verhalten gegenüber weiblichen Unparteiischen auf Schärfste", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.

Annalisa Moccia und Giulia Nicastro standen als Schiedsrichterassistentin und Schiedsrichterin bei Spielen in der nationalen Liga im Einsatz, als ein Fernsehkommentator und ein Spieler sexistische Verhaltensweisen und Bemerkungen an den Tag gelegt hatten. Den Schiedsrichterinnen gebühre der höchste Respekt "für ihren wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Frauenfußballs sowie zum Wachstum des Fußballs in Europa im Allgemeinen", betonte Ceferin.

Stand: 13.08.2019, 15:00

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