Kepa gegen Sarri - alles nur "ein Missverständnis"?

Chelsea-Coach Sarri nach Eklat um Kepa: "Nur ein großes Missverständnis" Sportschau 25.02.2019 01:22 Min. Verfügbar bis 25.02.2020 Das Erste

Eklat um Auswechslung

Kepa gegen Sarri - alles nur "ein Missverständnis"?

Von Chaled Nahar

Ein Trainer will den Torwart auswechseln, aber der macht nicht mit. Der Eklat um Chelseas Schlussmann Kepa und Trainer Maurizio Sarri hat nun eine Geldstrafe für den Torwart zur Folge - gegen Tottenham spielte er nicht.

Chelseas Torwart Kepa Arrizabalaga und Trainer Maurizio Sarri versuchten nach dem verlorenen Endspiel im Ligapokal gegen Manchester City das Drama als großes Missverständnis zu verkaufen.

Chelseas Torhüter Kepa verweigert die Auswechslung

Chelseas Torhüter Kepa

"Es war zu keinem Zeitpunkt meine Absicht, den Anweisungen des Trainers nicht Folge zu leisten", schrieb der Torwart bei Twitter. Er habe großen Respekt vor dem Trainer und seiner Autorität. Einen "großen Irrtum" wollte auch Chelseas Trainer Sarri erkannt haben. Er habe erst nach der Ankündigung der Auswechslung verstanden, dass Kepa fit sei: "Kepa hatte recht. Er hat es nur falsch ausgedrückt." Für Schadensbegrenzung war es da schon zu spät.

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Was genau war passiert?

In den letzten Minuten der Verlängerung hatte Kepa scheinbar mehrfach Probleme, der Trainer vermutete nach eigenen Worten einen Krampf und wollte Ersatztorwart Willy Caballero einwechseln. Kepa winkte ab, obwohl er zwei Mal behandelt worden war. Er wollte nach eigenen Worten anzeigen, dass es ihm gut gehe und er das Elfmeterschießen absolvieren könne. Es entwickelten sich bemerkenswerte Momente, in denen der Torwart wild gestikulierend seinem tobenden Trainer die Auswechslung verweigerte.

Trainer Sarri brüllte draußen wütend aufs Spielfeld, riss seine Jacke auf und war zwischenzeitlich auf dem Weg Richtung Kabine. In der Pause zwischen Verlängerung und Elfmeteschießen musste Chelseas Antonio Rüdiger seinen Trainer zurückhalten, damit dieser sich nicht vor allen Kameras den Torwart vornehmen konnte. Im Elfmeterschießen wurde Kepa nicht zum Held - Chelsea verlor 3:4 (0:0).

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Was bedeutet der Vorgang für den Trainer?

Maurizio Sarri ist an der Seitenlinie außer sich

Maurizio Sarri ist an der Seitenlinie außer sich

Die Autorität von Maurizio Sarri ist durch die misslungene Auswechslung völlig untergraben, nachdem er mit Tabellenplatz sechs in der Premier League sowie Resultaten dort wie einem 0:6 bei Manchester City oder einem 0:4 beim AFC Bournemouth längst einer der ersten Kandidaten für einen Trainerwechsel ist. Über den Rückhalt für ihn innerhalb der Mannschaft sagte Sarri kürzlich: "Ich glaube, dass die Spieler auf meiner Seite sind. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube es."

Experten sehen eine Demütigung für den Trainer. "Wenn Deine Rückennummer gezeigt wird, muss du runtergehen und ein bisschen Respekt zeigen. Ausdiskutieren kann man das hinterher", sagte Chelseas früherer Spieler John Terry. "Mir gefällt nicht, wie er den Trainer und dessen Assistenten in eine solche Situation bringt", sagte Manchester Uniteds ehemaliger Trainer José Mourinho bei DAZN.

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Hätten Schiedsrichter oder Mitspieler eingreifen müssen?

Schiedsrichter Jon Moss hatte keine Chance, in den Vorgang einzugreifen. Der Wechsel ist alleinige Sache der Mannschaft. Unter Regel 3.3 heißt es: "Weigert sich ein Spieler, der ausgewechselt werden soll, das Spielfeld zu verlassen, läuft das Spiel weiter."

Torwart Kepa führte mehrere Gespräche mit David Luiz. Aber auch die Mitspieler hätten ihn kaum vom Platz schubsen können, denn laut Regel 12.3 werden verwarnungs- oder feldverweiswürdige Vergehen gegenüber Mitspielern genauso geahndet wie gegenüer Gegenspielern. Theoretisch hätte Sarri Kepa noch vor dem Elfmeterschießen auswechseln dürfen, da er ja noch einen Tausch offen hatte. Dafür hätte er dem Schiedsrichter laut Regel 10.3 glaubhaft eine Verletzung Kepas versichern müssen. Vielleicht wollte es Sarri auf diese Eskalation nicht mehr ankommen lassen.

Kepa saß gegen Tottenham nur auf der Bank

Am Dienstag vermeldete der Klub, dass er Kepa mit einer Geldstrafe von einem Wochengehalt belegen werde. Englischen Medienberichten zufolge beläuft sich die Strafe damit auf rund 220.000 Euro. Das Geld komme einer Stiftung des Klubs zugute, hieß es weiter.

Am Mittwoch (27.02.2019) spielte Chelsea in der Premier League bei Tottenham Hotspur - Kepa saß nur auf der Bank.

Stand: 02.03.2019, 11:59

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