Robin Afamefuna - der Traum geht in der MLS weiter

Robin Afamefuna - erst Würselen, dann College-Star, jetzt MLS Sportschau 22.01.2020 02:56 Min. Verfügbar bis 22.01.2021 Das Erste

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Robin Afamefuna - der Traum geht in der MLS weiter

Von Gian-Luca Delbach

Vor vier Jahren scheint die Fußball-Karriere von Robin Afamefuna aus Würselen fast vorbei zu sein. Erst ein Umweg über die USA bringt die Wende - und erfüllt Afamefunas persönlichen "American Dream".

Robin Afamefunas Gesichtszüge werden ernst, wenn er über seine Zeit bei Borussia Mönchengladbach spricht. Es ist keine Wut, auch kein Frust zu sehen, aber man merkt ihm an, dass seine Zeit dort ein Kapitel ist, mit dem er zwar abgeschlossen, das er jedoch nicht vergessen hat.

Es war dieser eine Schlüsselmoment, den es häufig im Leben junger Fußballer gibt, der entscheidet, in welche Richtung die Karriere verlaufen wird. Bei Afamefuna war es eine schwere Verletzung. 2015 beim Youth-League-Spiel der U19 von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Sevilla. Innerer Meniskusriss, sechs Monate Pause, danach nur noch ein Kurzeinsatz über zwei Minuten am letzten Spieltag der Junioren-Bundesliga.

Weiter geht's in den USA

"Keiner ist wirklich direkt auf mich zugekommen. Also ich hatte während meiner Verletzungszeit die meisten Gespräche mit den Physiotherapeuten, und von denen wurde mir sogar gesagt: Robin, ich hab ein bisschen zugehört bei den Gesprächen von den Trainern, und was ich so raushören kann ist halt, dass du nächste Saison wahrscheinlich nicht mehr hier sein wirst", sagt Afamefuna.

Vier Jahre später sitzt der mittlerweile 22-Jährige aus Würselen in einem Fünf-Sterne-Hotel in Raleigh, der Hauptstadt North Carolinas, und wird am nächsten Tag um die College-Meisterschaft der Vereinigten Staaten spielen. Nachdem es für Afamefuna bei Mönchengladbach nicht weiterging, kontaktierte er eine eine Agentur, die Sportlerinnen und Sportlern Stipendien an US-Universitäten vermittelt.

USA haben ein anderes System als Europa

"Für mich war’s wichtig, dass ich mich nicht nur als Fußballer weiterentwickle, sondern auch als Mensch und als Student", sagt er und schlägt deshalb Angebote von Vereinen aus unteren Ligen aus. Er bekommt Angebote von 28 Universitäten. Afamefuna entscheidet sich für University of Virginia aus Charlottesville.

"In Virginia hat die Mischung extrem gut gepasst. Es ist akademisch eine der besten öffentlichen Universitäten im ganzen Land und hat sportlich seit Jahrzehnten eines der besten Teams", erzählt Afamefuna. Das beweisen er und seine Mannschaft, die Cavaliers, deren Kapitän Afamefuna seit zwei Jahren ist, in dieser Spielzeit und kicken sich mit einer Rekordsaison und nur einer Niederlage ins Finale der Landesmeisterschaften. Eine riesige Chance, sich den Teams der Major League Soccer (MLS) zu zeigen. Viele Coaches und Scouts sind nach North Carolina gereist, um sich die besten Nachwuchsspieler des Landes anzuschauen.

In den USA gibt es keine Nachwuchsteams von Profivereinen so wie in Europa. Dort spielen talentierte Fußballer und Fußballerinnen zunächst an der Uni, in der Regel drei bis vier Jahre. Dann gibt es auch im Fußball, wie in jeder amerikanischen Sportart, einen sogenannten Draft, in dem die Vereine der Reihe nach Collegespieler auswählen dürfen.

MLS-Limit als Problem für ausländische Spieler

Vor allem für ausländische Studierende ist es schwer, von einem Team ausgewählt zu werden. In der MLS gibt es nämlich ein Limit von vier internationalen Spielern pro Mannschaft - und diese Plätze gehören bekanntlich oft den Ibrahimovics, Schweinsteigers und Pirlos, die ihre Karriere in den Staaten ausklingen lassen wollen.

Die MLS braucht die bekannten Spieler für ihre Einschaltquoten. Talentförderung sei für die NCAA, dem College-Liga-Verband, ein Fremdwort, erzählt ein Journalist. Für sie ginge es nur um die Vermarktung ihrer Liga. In der Regel seien die spektakulären Spieler, die Goal-Scorer, diejenigen, die früh gedrafted würden und Chancen auf einen langfristigen Profivertrag in der MLS bekämen.

Als ausländischer Linksverteidiger ist Robin Afamefuna dementsprechend nervös, als am 9. Januar der MLS-Superdraft in Baltimore beginnt. Das Finale der College-Meisterschaften musste er mit einer Gehirnerschütterung frühzeitig verlassen, das Spiel ging im Elfmeterschießen verloren. Reicht das, um in die MLS zu kommen?

Afamefuna erfolgreich gedraftet

Afamefuna sitzt in Atlanta mit seinem Bruder Chika vor dem Fernseher, als an erster Stelle der Stürmer Robbie Robinson von David Beckhams Team Inter Miami gezogen wird. 25 weitere Spieler werden von den MLS-Teams ausgewählt, dann ist die erste Runde des Drafts zu Ende. Afamefunas Name ist nicht gefallen. "Bei manchen Vereinen gibt es eine zu große Skepsis, was internationale Spieler vom College angeht. Ich war deswegen total angespannt", erzählt er.

Dann klingelt Robins Handy. Der Manager eines MLS-Teams ist dran. Einige Minuten später wird klar: Als 37. Spieler im Draft wird Afamefuna von den Colorado Rapids ausgewählt. Der Traum des 22-Jährigen hat sich nach vier Jahren Collegefußball erfüllt.

"Als ich meinen Namen im Fernsehen gesehen habe, war als allererstes viel Ungläubigkeit da und danach einfach nur Freude. Ich bin jetzt so unglaublich nah dran und habe wirklich die Möglichkeit zu sehen, auf welchem Level ich bin und kann mich beweisen", sagt Afamefuna. Das muss der Würselener möglichst schnell schaffen. Die neue MLS-Saison fängt schon nächsten Monat an.

Stand: 21.01.2020, 08:45

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