Bei Real hängt vor wichtiger Woche der Haussegen schief

Gareth Bale auf der Auswechselbank

Vor doppeltem Clásico

Bei Real hängt vor wichtiger Woche der Haussegen schief

Von Robin Tillenburg

Bei Real Madrid verläuft die Saison sportlich passabel, trotzdem brodelt es permanent. Der Klub gleicht einem hochsensiblen Pulverfass. In dieser Woche könnte es der Explosion etwas näher kommen.

Dabei sieht es rein sportlich gar nicht so schlimm aus, seit Santiago Solari den erfolglosen Julen Lopetegui im Oktober 2018 als Trainer beerbt hat. Der Punkteschnitt mit Lopetegui betrug aus allen Spielen wettbewerbsübergreifend 1,43 - unter Solari liegt er bei 2,3. Das ist in etwa das Level, das auch mit Zinedine Zidane erreicht wurde, und diese Zeit gilt dank der drei Champions-League-Titel als eine der erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte.

Sportliche Bilanz "normal"

Die Stimmung ist trotzdem - wie irgendwie fast immer in Madrid, wenn nicht alle Spiele klar und überzeugend gewonnen werden - angespannt. Obwohl es eben ergebnistechnisch relativ "normal" läuft.

In der Liga liegt man neun Punkte hinter dem FC Barcelona - das liegt teilweise auch noch an der Lopetegui-Ära und ist auch nichts völlig Neues in Madrid: In den vergangenen sechs Jahren gelang es nur einmal, die spanische Meisterschaft zu holen. In den vergangenen sieben Saisons konnte auch nur einmal der spanische Pokal gewonnen werden - dort steht man immerhin im Halbfinale. Der "Lieblings"-Wettbewerb der "Königlichen" ist eben die "Königsklasse". Dort hieß der Sieger in den vergangenen fünf Jahren viermal Real Madrid, und dort liegen die Madrilenen nach dem 2:1 bei Ajax Amsterdam im Achtelfinalhinspiel auf Kurs.

El Clasico - Das sagen die Trainer vor dem großen Spiel Sportschau 27.02.2019 01:27 Min. Verfügbar bis 27.02.2020 Das Erste

(Mal wieder) schiefer Haussegen

Bezeichnend für die Lage in der Hauptstadt war zuletzt die Personalie Gareth Bale. Der Waliser schmollte beim 2:1-Erfolg bei UD Levante am Wochenende und verweigerte das Aufwärmen, offenbar, weil er erst nach Federico Valverde eingewechselt wurde. Schließlich kam Bale doch noch beim Stande von 1:1 aufs Feld und erzielte selbst den Siegtreffer - so richtig Jubeln wollte er mit den Kollegen nicht.

Sportlich alles okay - auch wenn die Leistung nicht wirklich königlich war - doch auf der menschlichen Ebene hakt es. Auch Toni Kroos wirkte kurz zuvor alles andere als glücklich über seine Auswechslung - er hatte für Valverde weichen müssen und würdigte dabei seinen Trainer keines Blickes. Dass persönliche Eitelkeiten in Madrid ziemlich hoch hängen und sich auch wieder in Wohlgefallen auflösen können, zeigt übrigens "Gegenbeispiel" Karim Benzema, der seit dem Abgang von Cristiano Ronaldo aufblüht und sich auch nicht mehr im Schatten des Portugiesen wähnt.

Solari arbeitet auch für die Zukunft

Santiago Solari

Man muss Solari neben der ergebnistechnisch sehr ordentlichen Bilanz auch noch einen weiteren positiven Punkt anrechnen: So hat der Argentinier, der selbst als Spieler 131 Mal für Real auflief, frisches Blut in den doch relativ arrivierten Kreis des Kaders gebracht: Youngster Vinicius Junior bekommt trotz seiner erst 18 Jahre immer wieder Einsatzzeit und auch die aus der zweiten Mannschaft hochgezogenen Valverde (20) und Linksverteidiger Sergio Reguilón (22) werden an das Team herangeführt. Dazu kommen noch Dani Ceballos (22) und Alvaro Odriozola (23), die ebenfalls ab und an ihre Minuten sammeln dürfen. Neben den Ergebnissen der Gegenwart tut Solari also auch etwas für die Zukunft.

Zweimal "Clásico", dann Ajax

Wichtig dafür, dass Solari diesen Weg fortführen kann - immerhin läuft sein Vertrag bis 2021 - sind unter anderem die Ergebnisse der kommenden Woche. Heute Abend (27.02.2019) trifft Real nach dem 1:1 im Hinspiel im Pokal auf Barcelona. Setzt sich die Elf um Topscorer Karim Benzema in diesem Heimspiel durch und zieht ins Pokalfinale ein, wäre das ein wichtiger Schritt, aber noch kein Grund zum Durchatmen.

Denn schon drei Tage später geht es wieder ins "Clásico" - erneut sind die Katalanen zu Gast im Santiago Bernabéu, diesmal aber in der Liga. Gewinnt Barca dieses Spiel, kann Real die Meisterschaft wohl abhaken - bei dann zwölf Zählern Rückstand. Selbst wenn diese beiden Partien aber mit Heimsiegen enden, muss dann auch noch das Rückspiel am Dienstag (05.03.2019) gegen Ajax erfolgreich gestaltet werden. Zwei dieser drei Ereignisse müssen wohl mindestens eintreten, wenn die Lunte des "Pulverfasses" Real Madrid nicht noch deutlich kürzer werden soll.

Stand: 27.02.2019, 08:30

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