Galaktische Einkaufstour - Reals Umbau mit Perspektive

Eden Hazard

Rekordtransferausgaben bei Real Madrid

Galaktische Einkaufstour - Reals Umbau mit Perspektive

Von Hartmut Bick

Nicht kleckern, sondern klotzen: Unter diesem Motto treibt Real Madrid unter Trainer Zinédine Zidane den personellen Umbau nach der für die titelgierigen Madrilenen indiskutablen Saison voran. Doch hinter dem Kaufrausch des spanischen Rekordmeisters dürfte viel mehr noch als das Erzwingen kurzfristiger Erfolge eine perspektivische Idee stecken.

Goldene Zeiten: Als die Profis von Real Madrid Anfang Juni ihre neuen weiß-goldenen Trikots präsentierten, durfte das durchaus auch symbolisch verstanden werden. In Leibchen mit dieser Farbkombination holte Real in der Rekordsaison 2011/12 als erstes Team 100 Punkte in der Primera Division. Geschichte. Aktuell dürstet der spanische Rekordmeister am Ende einer titellosen Saison nach Erfolgen. Und ist dafür bereit, nach fünf Jahren ohne spektakuläre Neuverpflichtungen so viel Geld in die Hand zu nehmen wie noch nie. Bereits Mitte Juni hatten die "Blancos" kolportierte 303 Millionen Euro in Transfers investiert - und damit schon 49 Millionen Euro mehr als im bisherigen Rekordjahr 2009 mit den Zugängen Cristiano Ronaldo, Kaká und Karim Benzema.

Neue Ära der "Galaktischen"?

Kehrt damit die Ära der "Galaktischen" zurück, die Anfang der 2000er entstand, als es sich der damalige (und heutige) Präsident Florentino Pérez zur Aufgabe gemacht hatte, jedes Jahr einen neuen Superstar, einen "Galactico" zu verpflichten? Der Transfer von Superstar Eden Hazard vom FC Chelsea für 100 Millionen Euro deutet zumindest darauf hin, auch wenn der Belgier zu Protokoll gab: "Ich bin kein Galaktischer - noch nicht." Die Verpflichtung des belgischen Offensivspielers überstrahlt jedenfalls die bislang fünf weiteren Neuzugänge bei Real, deren Transfersummen sich ebenfalls meist in zumindest semigalaktischen Dimensionen bewegen.

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Zidane als Baumeister

Trainer Zinédine Zidane, Ziehvater des Madrider Champions-League-Threepeats, muss im Vergleich zu seinem ersten Engagement (2016-2018) kein fertiges Team wieder in die Spur bringen, sondern sich als Baumeister betätigen. "Wir werden Dinge verändern, das ist sicher", hatte der Franzose bei seiner erneuten Verpflichtung im März gesagt. Zidane soll sich als Bedingung für sein Real-Comeback zusichern lassen haben, ein neues Team nach seinen Vorstellungen aufbauen zu können. Seine ersten Transfers deuten jetzt tatsächlich darauf hin, dass "Zizou" nicht im Hauruck-Verfahren alles einreißt, sondern Schritt für Schritt eine Mannschaft aufbaut, die dann bestenfalls wieder an die Triumphe der vergangenen Jahre anknüpft. Er will und muss einem satten Team wieder Leben einhauchen.

Zinédine Zidane

Zinédine Zidane

Sie sind alle Ausnahmespieler, jung und hungrig: Der brasilianische Innenverteidiger Éder Militao (50 Millionen Euro) ist 21 Jahre alt, der französische Linksverteidiger Ferland Mendy (48 Mio.) 24, der brasilianische Angreifer Rodrygo (45 Mio.) 18, Stürmer Luka Jovic (60 Mio.) 21 und das erst am am Freitag (14.06.2019) verpflichtete japanische Mittelfeldtalent Takefusa Kubo (2 Mio.) erst 18. Und sie sind wohl - anders als Hazard - nicht automatisch für die erste Elf gesetzt, haben andererseits ihren Zenit aber noch lange nicht erreicht.

Den alten Herren Dampf machen

Eder und Mendy werden wohl zunächst als Back-Up in Frage kommen, dürften dabei aber den alten Herren in der Abwehr, Sergio Ramos (33) und Marcelo (31), mächtig Dampf machen und sie perspektivisch ablösen. Im Angriff soll natürlich Hazard zumindest ansatzweise den Verlust Cristiano Ronaldos wettmachen, den der Klub in der vergangenen Saison sichtbar nicht kompensieren konnte. Doch Jovic und Rodrygo dürften wertvolle "Ergänzungen" im Sturm sein - und könnten Karim Benzema und Gareth Bale - falls er denn bleibt - das Leben äußerst schwer machen.

Bliebe noch das Mittelfeld, in dem Zidane erstmal Toni Kroos und Luka Modric sein Vertrauen schenkt. Doch auch Modric ist schon 33 Jahre alt. Hier käme dann ein weiterer Galaktischer ins Spiel: Paul Pogba wird als nächster großer Real-Transfer gehandelt und ist 26 Jahre alt.

Und dann sind da noch zusätzlich die zurückkehrenden Leihspieler Mateo Kovacic, James Rodriguez, Martin Ödegaard, Theo Hernandez oder Raúl de Tomás. Doch ihre Chancen auf eine Wiederaufnahme stehen bescheiden - auch wegen des Financial Fairplays. Denn laut spanischen Medien muss Real Madrid wegen der Finanzbestimmungen 300 Millionen Euro durch Transfers erlösen. Und deshalb sollen gleich 13 Spieler auf der internen Streichliste stehen, unter ihnen etwa James, Kovacic, Bale, Keylor Navas und Isco. Für sie wäre im geplanten neuen Bauwerk Real Madrid kein Platz mehr.

Stand: 15.06.2019, 08:30

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