Niederlande planen Maßnahmen gegen Rassismus

Reaktionen auf Rassismus-Vorfälle in niederländischen Fußballstadien

App, Strafen, Kameras

Niederlande planen Maßnahmen gegen Rassismus

Mit Kameras in Fußballstadien und längeren Stadionverboten will der niederländische Verband Rassismus bekämpfen. Top-Stürmer Romelu Lukaku beklagte Diskriminierung, und eine englische Nationalspielerin verlässt Juventus Turin vorzeitig.

Nur ein Beispiel von vielen in jüngster Zeit: Top-Stürmer Romelu Lukaku vom italienischen Spitzenklub Inter Mailand hat die Europäische Fußball-Union UEFA nach rassistischen Anfeindungen einiger Zuschauer in der Champions League zum Handeln aufgefordert. Der Belgier war nach eigenen Angaben im Spiel bei Slavia Prag (3:1) am Mittwoch (27.11.2019) mehrfach beleidigt worden.

"Die UEFA muss etwas dagegen tun, so geht es nicht weiter. Zwei Mal habe ich rassistische Chöre gegen mich gehört", sagte der Belgier: "Wir leben im Jahr 2019, in den Mannschaften gibt es Spieler verschiedener Staatsangehörigkeiten. Es ist kein schönes Beispiel für Kinder."

Lukaku auch in Italien angefeindet

Lukaku wurde in Antwerpen geboren, hat aber Wurzeln in der Demokratischen Republik Kongo und ist auf dem Platz immer wieder mit Rassismus konfrontiert, auch in der italienischen Serie A. Zuletzt war er im September bei Cagliari Calcio mit Affenlauten provoziert worden. Der Klub kam straffrei davon, die Sportrichter des italienischen Fußballverbandes FIGC werteten die "Gesänge, Schreie und Pfiffe" gegen Lukaku nicht als diskriminierend.

Eniola Aluko verlässt Juventus Turin

Juventus Stürmerin Eniola Aluko

Juventus Stürmerin Eniola Aluko

Die englische 102-malige Nationalspielerin Eniola Aluko hält die Probleme im italienischen Fußball für grundsätzlich. Sie bemängelte in einem Gastbeitrag für die englische Tageszeitung "The Guardian", dass Klubpräsidenten und Tifosi Rassismus als Teil der "Fankultur" betrachteten.

Auch wegen unangenehmer Erfahrungen im Turiner Alltagseben verlässt Aluko Juventus Turin ein halbes Jahr vor Ablauf ihres Vertrags. "Die letzten sechs Monate waren sehr schwierig", schrieb Aluko. "Manchmal fühlt es sich an, als sei Turin in Sachen kultureller Offenheit ein paar Jahrzehnte zurück."

Mit VAR gegen Rassismus

Der italienische Fußballverband hatte bereits Mitte Oktober angekündigt, mit Hilfe des Videobeweises gegen das rassistische Verhalten von Fans vorzugehen. Mit dem VAR sollen in Zukunft nicht nur Schiedsrichterentscheidungen überprüft werden, sondern auch auffällig gewordene Zuschauer identifiziert werden.

"Es ist ein weit verbreitetes Phänomen. Das muss aufhören", sagte Verbandspräsident Gabriele Gravina dem italienischen Fernsehsender "Sky Sport". Es sei ihm egal, "wie viele Fans sich den Gesängen anschließen. Auch im Einzelfall muss man eingreifen."

Italienischer Fußballverband: Mit Videobeweis gegen Rassismus

Sportschau 18.10.2019 01:03 Min. Verfügbar bis 18.10.2020 ARD Von Lisa Weiß

Pläne für Kameras in den Niederlanden

Ähnliche Pläne werden nun offenbar auch in den Niederlanden geschmiedet. Nach einem Treffen von Premierminister Mark Rutte und Verantwortlichen des Fußballverbands KNVB wurde laut Berichten niederländischer Medien vom Freitag deutlich, dass Kameras in den Stadien eingesetzt werden sollen. Der Verband schlug demnach auch längere Stadionverbote als Strafe vor.

Regierungschef Rutte hatte vor dem Treffen mehrfach Rassismus bei Fußballspielen beklagt. Er hatte dabei unter anderem Vorfälle vom vergangenen Wochenende im Blick. Spieler der Amateurvereine JOS und Sporting '70 wurden mit Worten wie "schwarzer Peter" beschimpft.

App zur Meldung von Vorfällen geplant

Der Fußball reagierte bereits auf Zwischenfälle dieser Art. Am zurückliegenden Wochenende hielten die Klubs in den ersten beiden niederländischen Fußballligen eine Schweigeminute gegen Rassismus ab. Die erste Minute nach Anpfiff wurde nicht gespielt, während auf den Anzeigetafeln stand: "Rassismus? Dann spielen wir nicht!".

Es soll laut Angaben der Nachrichtenagentur ANP auch eine spezielle App geben, um rassistische Vorfälle zu melden. Das Treffen auf Topebene fand am Donnerstag statt. Bis Januar soll ein Aktionsplan erarbeitet werden.

sid/dpa | Stand: 29.11.2019, 15:06

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